Wenige Eingriffe, grosse Wirkung: Wohnsiedlung Paradies, Zürich

Der Entlisberg ist ein typisches Zürcher Familienquartier mit kleinen und grossen Wohnsiedlungen sowie viel Grün. Die Stadt hat nun eine Pionierüberbauung aus den 1970er-Jahren geschickt und budgetbewusst saniert.

Paul Knüsel Umwelt/Energie, Stv. Chefredaktor TEC21

Es gibt einige Gründe, eine Gebäudeerneuerung auf das Wesentliche zu reduzieren. Oft spielen Auflagen der Denkmalpflege, ein enger Budgetrahmen oder ein sorgsamer Umgang mit der Mieterschaft eine wesentliche Rolle. Doch selbst eine punktuelle Instandsetzung kann sich äusserst positiv auf die Energiebilanz auswirken. Die Liegenschaftsverwaltung der Stadt Zürich hat sich vor allem aus sozialen und ökonomischen Motiven dafür entschieden, ihre Siedlung «Paradies» so schonend und effektiv wie möglich zu sanieren. Zwar haben sich die Wohnungspreise fast verdoppelt: Zuvor lag die Monatsmiete für eine 4 ½- Zimmer-Wohnung bei knapp 900 Franken; danach sind es 1600 Franken.

Doch das ist zum einen immer noch weniger, als für eine neue Genossenschaftswohnung im selben Quartier zu bezahlen wäre. Und zum anderen besteht eine ­Gegenleistung aus den redu­zierten Energie- und Nebenkosten. Der Wärmebedarf für Heizung und Warmwasser ist im Vergleich zum Ausgangswert um rund zwei Drittel niedriger und entspricht praktisch einem Neubaustandard. Dafür genügten energetische Massnahmen, die mit konstruktiven, bauphysikalischen und technischen Instandsetzungsarbeiten kombiniert werden konnten.

Die zuvor undichte Gebäudehülle hat eine äussere Dämmschicht erhalten. Und dank den dreifach verglasten Wärmeschutzfenstern beklagt sich kein Bewohner mehr über unerwünschte Zugluft. Zudem hat man erstmals eine erneuer­bare Energiequelle angezapft: die Ab­wärme eines benachbarten Trinkwasseraufbereitungswerks.

Die Liegenschaft besteht aus fünf Gebäuden, die in ihren vier bis acht Etagen insgesamt knapp 200 Wohnungen beherbergen. Nach 45 Betriebsjahren ist die Substanz erstmals erneuert worden. Der Kredit der Stadtbehörde von 51 Millionen Franken umfasste auch einen Verdichtungsauftrag: Auf insgesamt 26 Etagen hat man jeweils zwei Kleinwohnungen zu 4 ½- oder 5 ½-Zimmer-Einheiten zusammengelegt.

Trotz weniger Wohn­einheiten lassen sich diese nun besser nutzen. Zuletzt lebten rund 400 Menschen in der städtischen Wohnsiedlung; nun sind es über 570 Bewohnerinnen und Bewohner. Die grosse Mehrheit war schon zuvor im «Paradies» sesshaft gewesen. Nach dem zweijährigen Umbau im bewohnten Zustand musste nur ein Drittel der ­Wohnungen neu vermietet werden.

Am Bau Beteiligte
Bauherrschaft: Liegenschaftsverwaltung Stadt Zürich
Architektur: Galli Rudolf Architekten, Zürich

Gebäude
Typ: Wohnüberbauung (194 Wohnungen) mit Baujahr 1971
Erneuerung: Aussenwärmedämmung, Fensterersatz, Wechsel Energieversorgung, Einbau Lüftungsanlage
Energiebezugsfläche: 2894 m2 
Energiekennzahl: 45 kWh/m2 (vorher: 166 kWh/m2)
Bausumme: 51 Mio CHF
Zeit: 2015–201

Der Artikel ist erschienen im Sonderheft «Immobilien und Energie», ein Projekt mit dem Immobilienberatungsunternehmen Wüest Partner und mit Unterstützung von Energie­Schweiz. 

Weitere Beiträge zum Thema haben wir in einem digitalen Dossier zusammengestellt.

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