Was ist eine hochwertige Landschaft?

Mit seinem Positionspapier hat der SIA ein Bekenntnis zu einer zukunftsfähigen und qualitativ hochwertigen Landschaft abgelegt. Die Berufsgruppe Umwelt begleitet dessen Umsetzung.

Um die teils in sich widersprüchlichen Ziele betreffend Landschaft aufeinander abzustimmen, sind praxisbezogene Instrumen­te nötig. Ein möglicher Ansatz dazu ist die Landwirtschaftliche Planung (LP). Die LP könnte zudem ein Instrument zur Umsetzung des Planungs- und Kompensationsansatzes werden, das der SIA im Zuge der zweiten RPG-Revision im Grundsatz befürwortet.

Im Gebiet zwischen Luterbach und Härkingen werden momen­tan raumrelevante und räumlich sich überlagernde Projekte geplant oder wurden bereits durchgeführt. So gehören zum sechsspurigen Ausbau der Autobahn zwei kreuzende Wildtierkorridore. Zudem ist für die Dünnern ein Hochwasserschutz- und Revi­ta­lisierungs­projekt geplant, und im Raum Oensin­gen–Härkingen läuft ein Nitratprojekt, das im Zusammen­hang mit dem intensiven Ge­müse­anbau steht. Alle Vorhaben haben Auswirkungen auf Landschaft und Landwirtschaft – sei es durch Flächenbeanspruchungen oder Nutzungsänderungen.

Wildtierkorridore als ­Biodiversitätsflächen

In diesem Zusammenhang übernimmt die LP eine Doppelfunktion: Zum einen stellt sie sicher, dass sowohl die landwirtschaftliche Entwicklung und der Schutz des Kul­turlands als auch der Natur- und Kulturlandschaften in ein Gross­projekt integriert werden. Konkret wurden Kompensationsflächen für die rund 13 ha Fruchtfolgeflächen identifiziert, die der Ausbau in Anspruch nimmt. Das A1-Projekt entspricht damit einer ausserordentlichen Auflage des Bundes zur Fruchtfolgeflächen-Kompensation.

Zusätzlich werden die beiden Wildtierkorridore so ausgestaltet, dass sie auch die Funktion von Biodi­versitätsförderflächen oder Vernetzungsflächen übernehmen. So wird verhindert, dass die dafür benötigten rund 15 bis 17 ha zusätzliches Kulturland in Anspruch nehmen. Und für den Wasserbau und die Revitalisierung wird gemeinsam eine optimale räumliche Abgrenzung erarbeitet. Als Instrumente kommen Landumlegungen infrage, meist im Rahmen einer Gesamtmelioration. Die LP stellt sicher, dass diese für die Bereiche Landwirtschaft, Landschaft, Naherholung sowie Infrastruktur und Raumplanung ihre multifunktionalen Aufgaben übernehmen, die heutige Gesamtmeliorationen zu erfüllen haben.

Zum anderen leistet die LP einen grundlegenden und projekt­unabhängigen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung der Landwirtschaft und des ländlichen Raums. Ziel ist, dass die landwirtschaftlichen Produktionsgrundlagen gesichert und für die Betriebe zukunftsfähige Entwicklungsstrategien aufgebaut werden. Dies als Voraussetzung dafür, dass die Landwirtschaft ihrer multifunktionalen Aufgabe für den Erhalt einer vielfältigen Kultur- und Naturlandschaft gerecht wird.

Das Instrument der LP hat sich in dieser Doppelfunktion in den letzten Jahren stark weiterentwickelt. Heute entspricht sie einem umfassenden und flexibel anwendbaren, partizipativen Planungs- und Entscheidungsprozess für die Gesamtheit des ländlichen Raums. Entsprechend würde sich heute die Bezeichnung «Programm zur Entwicklung Ländlicher Räume» (PELR) weit besser eignen, sie ist jedoch vorerst nur als Arbeitstitel in Verwendung. Denn gleichzeitig wird die LP ab dem 1. Januar 2018 durch das neue Verordnungspaket im Art. 14 der Strukturverbesserungverordnung (SVV) in die Liste der förderungsberechtigten Massnahmen des Bundesamts für Landwirtschaft aufgenommen.

Damit stehen für zukünftige LPs gleichermassen wie für Landumlegungen oder Erschliessungen Beiträge von Bund und Kantonen zur Verfügung. Dies wiederum verdeutlicht die Anstrengungen des Bundesamts für Landwirtschaft, die LP stark zu fördern, um eine breite Anwendung zu ermöglichen. Kommt dazu, dass die LP im Zuge der zweiten RPG-Revision auch von der Raumplanung als ein interessantes und wirksames Instrument wahrgenommen wird, insbesondere um Planungsaufgaben ausserhalb der Bauzone besser lösen zu können.

Pilotprojekt in der Region Morges

Um dieser erweiterten Funktion Rechnung zu tragen, wird in Zusammenarbeit zwischen dem Bundesamt für Landwirtschaft, sieben ­Kantonen, der ETH Zürich sowie der Praxis ein Erweiterungsprojekt «LP +» durchgeführt und im Rahmen von Pilotprojekten getestet. Ziel ist, die bewährte Struktur der LP mit einer Plattform für den interaktiven Austausch von Informationen und GIS-Daten sowie mit der Möglichkeit der Visualisierung von Landschaftsentwicklungen mittels typologisierter Landschaftsbilder zu ergänzen. Damit sollen insbesondere die Qualität des partizipativen Prozesses sowie die Integration der beteiligten Akteure und Interessengruppen verbessert werden. Ein Pi­lotprojekt ist bereits im Oktober 2017 gestartet und beinhaltet die infrastrukturelle und ökonomische Entwicklung der Landwirtschaft in der stark agglomerationsgeprägten Region von Morges im Kanton Waadt. Die Ergebnisse dienen letztlich als Grundlage für eine Erneuerung der bereits zehnjährigen LP-Wegleitung.
 

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