Tektonik zum Tanzen

Mitten aus dem Hochschulleben: In loser Folge berichtet unser Gastautor von absurden, lehrreichen und eigenartigen Episoden des Architekturstudiums.

Lorenz Zahler Hochbauzeich­ner und Journa­list, Architekturstudent an der Hochschule Luzern

Neues Studienjahr, neues Semester, neue Dozierende, neues Entwurfsthema! Auf das wohnungs- und kontext­orientierte Bauen folgt nun also «Architektur und Tektonik». Doch was ist Tektonik? Eigentlich sollte der Begriff den meisten Leserinnen und Lesern bekannt sein – trotzdem eine kurze Rekapitulation: Der deutsche Architekt Gottfried Semper brachte die Definition bereits 1860 als «Kunst des Zusammenfügens starrer, stabförmig gestalteter Teile zu einem in sich unverrückbaren System» auf den Punkt. So weit, so gut …

Doch in der heutigen Hochschullandschaft werden viele Fächer auf Englisch unterrichtet. Wir sprechen also un­tereinander – und vor allem mit den Austauschstudierenden – oft von «tectonic». Und was spuckt Goo­gle bei der Recherche nach dem Begriff für Resultate aus? Die Such­­maschine findet statt der erhoff­ten architektonisch relevanten Er­gebnisse ein , in dem drei junge Männer im Stil von «tectonic» zu Electro-House und schrillen Beats tanzen. Hochgeladen wurde es vor zehn Jahren. Damals der absolute Hit auf den Tanzflächen, erreich­te es in dieser Zeit über fünf Millionen Aufrufe. Wie viele davon wohl von verbissenen Ar­chitekturstu­die­renden stammen, die auf etwas ganz anderes aus waren?

Lorenz Zahler ist Hochbauzeich­ner und Journa­list. Er studiert im fünf­ten Semester Architektur an der Hochschule Luzern.

 

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