SIA: Einmischung erwünscht!

Auch 2015 kommt der SIA nicht umhin, berufspolitisch Partei zu ergreifen.

Stefan Cadosch Architekt, Präsident des SIA

Mit immer mehr Fragen kommt die Schweiz mittlerweile zum SIA. Dies wohl nicht einfach wegen seiner Grösse, sondern wegen der Kompetenz, die er vereint, und wegen der Ideale, für die er steht. Dass der SIA und seine Expertise heute so gefragt sind, ist ein grosser Erfolg! Ein Erfolg, der anspornt, der Gesellschaft, der Wirtschaft und der Politik noch ziel­sicherer darzulegen, wie die Zukunft des Bauwerks Schweiz aussehen soll.

Vom Anschlagbrett zur Diskussionsplattform 

Einen wichtigen Beitrag hierzu leisten unsere drei Zeitschriften TEC21, Tracés und archi und mit ihnen die Seiten des SIA, die Sie gerade aufgeschlagen haben. In der vergangenen Dekade sind Letztere zahlenmässig enorm gewachsen: Gab es 2005 noch TEC21-Nummern, in denen gar keine SIA-Seite zu finden war, so sind es in jeder der jährlich 40 Ausgaben ab sofort deren vier. Das bedeutet eine Verdoppelung auf fortan 160 Seiten pro Jahr. Auch was die Qualität der Informationen betrifft, haben die SIA-Seiten viel gewonnen. Hatten sie vor zehn Jahren den Charakter eines «Anschlagbretts» für Normenvernehmlassungen und Vereinstermine, sind sie heute ein wichtiges politisches Sprachrohr des SIA. Diese Entwicklung verdanken wir dem Engagement der Kommunika­tionsabteilung des SIA, den Redaktorinnen und Redaktoren und der Unterstützung der Verlags-AG als Herausgeberin der Zeitschriften. 
Nun bin ich mir bewusst, dass beim SIA die Meinungen dar­über auseinandergehen, ob und in welcher Form sich der Verein in den politischen Diskurs einbringen soll. Ich bin aber überzeugt, dass wir politisch auftreten und handeln sollten. 

Politische Teilhabe: Organisator der Gemeinschaft

Politik verstehe ich dabei als Organisation der Gemeinschaft. Gleichzeitig bin ich der Überzeugung, dass sich das Wesen unserer Gemeinschaft in hohem Mass im Bauwerk Schweiz manifestiert; deshalb müssen sich gerade Architektur und Ingenieurbaukunst und mit ihnen der SIA ihrer gesellschaftlichen und damit auch politischen Verantwortung stellen. 

Was bedeutet das 2015 für die Agenda des Vereins? Bis kommenden Mai muss der SIA eine ­klare Stellungnahme zur zweiten Revi­sionsetappe des Raumplanungs­gesetzes abgeben. Eine Etappe, die aus Sicht des SIA viel zu früh kommt und auch sonst noch nicht zu überzeugen vermag. Auf Beschluss des National- und Ständerats gehen 2019 das Kernkraftwerk Mühleberg sowie spätestens 2029 und 2031 Benzau I und II vom Netz. Das entspricht rund 15% der Schweizer Energieproduktion. Folglich gilt es, den ­aktuell 46%igen Anteils des Ge­bäudeparks am Schweizer Energieverbrauch weiter zu reduzieren. 

Die zeitge­nössische Baukultur ist zwar auf bestem Weg, endlich auch in der Kulturbotschaft 2016–2019 berücksichtigt zu werden, doch stemmt sich der Wertschätzung zeitgenössischen Bauens nun plötzlich mit dem Schweizer Heimatschutz eine Kraft entgegen, der es adäquat zu be­gegnen gilt. 

Nicht vergessen dürfen wir auch das weiterhin im Raum stehende Ja zur Masseneinwanderungs­initiative. An deren massvollen ­Umsetzung und, flan­kierend, der Förderung des inlän­dischen Fachkräftepotenzials in den eigenen Reihen müssen sich der SIA und seine Mitglieder beteiligen. 

Schliesslich gehört es auch zu unserer Aufgabe, die Gesellschaft an ihre eigene Verantwortung zu erinnern. Zum Beispiel gegenüber der Bau­kultur unseres Landes und dem in sie eingeschriebenen essenziellen Beitrag der Architekten und Inge­nieure. Entschlossen durchzusetzen gilt es faire Honorare und Vergabeverfahren – wofür sich nicht nur der Verband, sondern jeder einzelne Architekt und Ingenieur gegenüber seinen Bauherrschaften einsetzen muss. Kurzsichtig und wenig verantwortungsbewusst verhalten sich manche Bauherrschaften: Sie fo­kussieren, wie das Beispiel in den Aargauer Gemeinden Rothrist und Reinach im vergangenen Jahr verdeutlichte, einseitig auf die Kosten und blenden ökologische, soziale und städtebauliche Aspekte aus. 

All das zeigt, dass der SIA und seine Mitglieder auch in diesem Jahr die politische Aufforderung verkörpern müssen, dass es sich die Gesellschaft mit der Gestaltung unserer Umwelt nicht allzu leicht macht. Allen, die sich daran beteiligen, sei an diese Stelle herzlich gedankt! 

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