SIA: Konferenz der Raumplaner

Die Zentralkonferenz des Fachverbands der Schweizer Raumplaner FSU wurde heuer in Zusammenarbeit mit der SIA-Berufsgruppe ­Architektur organisiert – im Fokus stand die Innenentwicklung von Städten und Dörfern.

Barbara Stettler Verantwortliche für die Berufsgruppe Architektur BGA beim SIA

Der erste Teil der FSU-Tagung am 7. November 2014 hatte das Ziel, den ­Horizont zu weiten: Unabhängig vom Aufgabenfeld der Raumplaner und Architekten formulierten Vertreter anderer Disziplinen ihre Gedanken zum Thema Dichte und Verdichtung. 

Von Galaxien, die sich um Löcher organisieren, von kosmischer Verdichtung in riesigen Leerräumen berichtete der Astrophysiker Peter von Ballmoos. Persönlich schätzt er ein dichtes, urbanes Wohnumfeld als Inspirationsquelle. Für die ­Psychologin Ruta Lasauskaite Schüpbach kann jedoch gerade diese Dichte auch Stress erzeugen. Sie schilderte die Ergebnisse ihrer Untersuchungen, die zeigen, dass städtische Dichte stets auch Reizüberflutung bedeutet. 

Projektbeispiele zur Innen­entwicklung prägten die zweite ­Tageshälfte. Dieter Zumsteg, Raumplaner, und Roger Boltshauser, ­Architekt, stellten anhand eines ­gemeinsamen Zürcher Erneuerungsprojekts die Praxis disziplinübergreifender Zusammenarbeit dar: Das Ensemble mit seiner Anordnung von Häuserzeilen der 1950er- und 60er-Jahren ist in zahlreiche Parzellen und Besitzer aufgeteilt. Sorgfältige Planung und eine intensive Zusammenarbeit mit den Eigentümern führen dennoch zu einer gemeinsamen Vision und einem gemeinsamen Ziel: eine in Etappen erneuerte Siedlung mit zeitgemässem Wohnungsangebot, die auch dem Wunsch nach einem einheitlichen, stark durchgrünten Aussenraum entspricht. 

Paul Knill, Leiter der Fachkommission Heimatschutz Appenzell-Innerrhoden, erläuterte, wie punktuelle, konkrete Vorschläge für die architektonische Weiterentwicklung von Herisau und anderen Appenzeller Dörfern wirksam sind: Ausgehend von den unterschiedlichen Wohnbedürfnissen arbeitete man zeitgenössische Gebäudetypen aus, die sich in die bestehenden, kleinteiligen Strukturen integrieren lassen. Eine Ausstellung brachte die Thematik der Bevölkerung näher.

Die vorgestellten Beispiele ermutigten. Die Schlussrunde mit Frank Argast (Amt für Städtebau Kanton Zürich), Andreas Schneider (Hochschule Rapperswil) und David Leuthold (Pool Architekten, BGA SIA) war dann wie eine Bestätigung der vom Zürcher Kantonsplaner ­Wilhelm Natrup schon in der Einführung geäusserten Thesen: Es brauche einen Systemwechsel, ein klares Umdenken. Die Bereitschaft zur Innenentwicklung müsse bei Politik und Gesellschaft unbedingt zu­nehmen – denn die Zeit, um Bevölkerungswachstum und demo­gra­fischen Wandel mit genügend passendem Wohnraum aufzufangen, sei knapp. Nur enge, interdisziplinäre Zusammenarbeit könne hier zum Erfolg führen – geleitet von gemeinsamen Zielbildern, in denen Qualität und Atmosphäre eine Rolle spielen. 

Die Referate können von der Website des FSU heruntergeladen werden: www.f-s-u.ch

Das Bild von Guarda stellte Schoggitaler zur Verfügung. 2014 stand der Schoggitaler für Heimat- und Naturschutz unter dem Motto «Dorfplatz». www.schoggitaler.ch

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