Studienauftrag Manegg Mitte, Zürich

Anonymer, einstufiger Studienauftrag auf Einladung
Für die Entwicklung des Areals Manegg Mitte, sollen mit dem Studienauftrag Projekte erarbeitet werden, welche besonders gute städtebaulich, architektonisch und wirtschaftlich überzeugende Antworten für eine gemischt genutzte Überbauung aufzeigen.
Sonstige
wild bär heule Architekten AG, Zürich mit vetschpartner Landschaftsarchitekten AG
Hauenstein La Roche Schedler, Zürich mit asp Landschaftsarchitekten AG, Zürich
Dietrich Schwarz Architekten AG, Zürich mit extrā Landschaftsarchitekten AG, Bern
Eike Becker_Architekten, Berlin mit Enea GmbH, Rapperswil-Jona, Prof. Alfredo Brillembourg & Prof. Hubert Klumpner, Institute of Urban Design/NSL/ETH Zürich
Burckhardt+Partner AG, Zürich mit Hager Partner AG, Zürich
Darlington Meier Architekten, Zürich mit Rotzler Krebs Partner GmbH, Winterthur
Delugan Meissl Associated Architects, Wien mit Agence Ter .de GmbH, Karlsruhe, Itten+Brechbühl AG, Zürich

Sachpreisrichter

  • Julia Sulzer (Fachverantwortliche Architektur und Stadtraum, Amt für Städtebau, Stadt Zürich)
  • Anita Emele (Stv. Leiterin Architektur und Stadtraum, Amt für Städtebau, Stadt Zürich)
  • Peter Krähenbühl (Fachvorstand Bau Baugenossenschaft BEP)
  • Erich Meier (Leiter Bau Baugenossenschaft BEP)
  • Michael Schiltknecht

Fachpreisrichter

  • Peter Ess (Architekt (Vorsitz))
  • Hansjörg Gadient (Architekt und Landschaftsarchitekt Professur für Freiraumentwurf an der Hochschule Rapperswil)
  • Matthias Sauerbruch (Architekt Sauerbruch Hutton Architekten, Berlin)
  • Michael Schiltknecht (Architekt Steiner AG, Leiter Immobilienentwicklung, GL)
  • Othmar Ulrich (Architekt Steiner AG, Bereichsleiter Immobilienentwicklung Region Ost)
  • Corinna Menn (Architektin, menn architektur gmbh, Chur und Zürich)

Auslober

BEP Baugenossenschaft des eidgenössischen Personals und Steiner AG


Aufgabe

Das Gebiet Manegg hat eine lange Geschichte als Industriestandort im Süden der Stadt Zürich. Ab dem Jahr 2000 startete die Stadt Zürich gemeinsam mit allen Grundeigentümern in der Manegg eine kooperative Entwicklungsplanung. In deren Folge wurde das Gebiet 2006 der Zentrumszone (Z5) mit Gestaltungsplanpflicht zugeteilt.

Für die Entwicklung des Areals Manegg Mitte, sollen mit dem Studienauftrag Projekte erarbeitet werden, welche besonders gute städtebaulich, architektonisch und wirtschaftlich überzeugende Antworten für eine gemischt genutzte Überbauung aufzeigen. Die Auftraggeber suchen Lösungen, welche die Qualität der Lage direkt an der Sihl und im Zentrum der Manegg sowie am Rande des Naherholungsgebiets Allmend und dem Uetliberg optimal ausschöpfen und zusätzliche Alleinstellungsmerkmale schaffen. Mit besonders gut gestalteten Aussenräumen und einer sorgfältigen Architektur soll eine attraktive Gesamtstimmung erzeugt werden, die identitätsstiftend wirkt. Die Lösungen sollen sich aber auch durch grosse Chancen auf eine rasche Umsetzung in Bezug auf deren Bewilligungsfähigkeit und Markttauglichkeit auszeichnen.

Im Rahmen des Studienauftrags soll ebenfalls aufgezeigt werden, wie der bestehende Bau der GDZ aufgestockt und in das Gesamtkonzept integriert werden kann. Auch hier ist der Forderung nach «besonders guter» Gestaltung Rechnung zu tragen.

Die Projekte sollen sich in Teilen und als Ganzes gut in den neu entstehenden Stadtteil Manegg einfügen und einen Beitrag zu einem belebten Quartier mit hoher Wohn- und Lebensqualität leisten. Um diese Ziele zu erreichen wurde von den Teilnehmern des Studienauftrags Vorschläge für attraktive Wohnungen, Aussenräume mit hoher Aufenthaltsqualität und eine identitätsstiftende Architektur mit hohen gestalterischen und funktionalen Qualitäten erwartet.

Verfahren

Das Verfahren wurde als anonymer, einstufiger Studienauftrag auf Einladung ausgeschrieben.

Empfehlung

Das Beurteilungsgremium empfiehlt den Auftraggebern mit einer Gegenstimme das Projekt «silberpappel» zur Weiterbearbeitung und Ausführung – unter Beachtung der nachfolgenden Punkte:

– Im Rahmen der Projektoptimierung ist auszuloten, ob eine weitere Verbesserung einzelner Wohnsituationen (z.B. bei den Kopfwohnungen der Steiner-Bauten) möglich ist.

– Es ist darauf zu achten, dass trotz des ökonomischen Drucks sowohl die städtebaulichen Qualitäten als auch der architektonische Ausdruck und die Qualität der Materialien umgesetzt werden können. Damit die hohen Ansprüche, die der Studienauftrag gestellt hat, auch erfüllt werden können.

– Freiraum: Die Zonierung und Gestaltung des Raumes zwischen den Steiner- und BEP-Bauten ist kritisch zu hinterfragen. Zu prüfen ist, ob die doppelte Wegführung nicht zusammengelegt werden könnte. Damit würde eine breitere städtische Gasse geschaffen, die direkt und offen an die drei Höfe angrenzt und zusammen mit diesen zum Begegnungs- und Spielort werden könnte. Zu prüfen ist auch, wie der attraktive Spielplatz im Vegetationsgürtel an der Sihl auch für Erwachsene zu einem attraktiven Aufenthaltsort mit freier Sicht auf die Sihl gemacht werden könnte.

Resultat

Silberpappel (zur Weiterbearbeitung empfohlen)

Das überarbeitete Projekt bekräftigt seine überzeugende städtebauliche Haltung. Die architektonische Ausformulierung ist aber verfeinert worden, insbesondere das Wohngebäude der BEP hat an Ausdruckskraft gewonnen. Die Fassade entlang der Allmendstrasse wurde plastischer ausgestaltet. Das Gebäude ist klar als Wohnhaus zu erkennen und bleibt trotzdem ein prägnanter Baukörper im urbanen Stadtraum an der Allmendstrasse. Die Sockelausbildung und die Erschliessung der Wohnungen leisten dazu einen massgebenden Beitrag. Der Kamm-Grundriss des Gebäudes ist weiterentwickelt worden: Mit einer facettenreicheren Ausformulierung der Gebäudeschenkel wird die Strenge des Baukörpers gemildert, und man hat nicht mehr das Gefühl der direkten Einsicht in die Nachbarwohnung, wie sie vom Beurteilungsgremium beim ersten Vorschlag kritisiert wurde...

Karin und Kuchen (Überarbeitung)

Auch die überarbeitete Projektstudie führt mit der Setzung der zwei Steiner-Wohnbauten am Sihlufer das übergeordnete städtebauliche Konzept überzeugend weiter und entspricht damit dem Leitbild des Gestaltungsplans Manegg. Entlang der Sihl wird bis ins Erdgeschoss gewohnt, was der Aussenraumqualität gerecht wird. Auf der flussabgewandten Erschliessungsseite wird neu eine Hochparterresituation geschaffen; damit erhöht das überarbeitete Projekt die Wohnqualität in der Siedlung deutlich. Nicht ganz geklärt ist die baurechtliche Fragestellung der Geschossigkeit: Mit dem Hochparterre kann die Zürcher Untergeschossregelung nicht mehr geltend gemacht werden; damit würde die zulässige Anzahl an Vollgeschossen überschritten...

Marismas (Überarbeitung)

Die Typologie einer hofbildenden Randbebauung, die durch den kammartigen Baukörper der BEP in zwei Teilräume gegliedert ist, wird auch im überarbeiteten Projekt beibehalten. Damit bleibt der Vorschlag typologisch undifferenziert, seine Lesbarkeit mäandert zwischen Solitär- und Blockrandbebauung. Der Baukörper von Steiner entlang der Sihl wird durch einen zusätzlichen Knick etwas länger abgewickelt und gleichzeitig schlanker ausgebildet.

Das zur Flächenkompensation erforderliche zusätzliche Attikageschoss ist im städtebaulichen Kontext der Manegg allerdings fremd. Mit ihrer Positionierung und Geometrie wirkt die Gebäudezeile an der Sihl nach wie vor als räumliche Barriere, die den östlichen Teil des Areals vom Flussraum abtrennt. Die Durchlässigkeit in Nord-Süd-Richtung ist zwar gewährleistet, aber es fehlt die Anbindung an den Landschaftsraum der Sihl, was an diesem herausragenden Standort eine verpasste Chance ist. Aus Sicht des Beurteilungsgremiums strapaziert der Vorschlag die Grenzen des Interpretationsspielraumes, den das städtebauliche Leitbild des Gestaltungsplans zulässt, in fragwürdigem Masse. Der grosszügige, sehr überzeugend gestaltete Hofraum vermag diesen Mangel nicht ausreichend zu kompensieren...

Amarone (Stufe 1)

Die Projektstudie schlägt als städtebauliche Setzung einen Blockrand vor. Damit schafft sie eine typologisch eindeutige und räumlich leicht überschaubare Situation – mit einem klar ablesbaren Aussenraum, der ein Gefühl von Sicherheit und Orientierung vermittelt. Diese Lösung hat das Potenzial, eine starke Identität zu entwickeln. Allerdings ist eine Blockrandbebauung an diesem Standort fremd und verstösst gegen das städtebauliche Leitbild des Gestaltungsplans Manegg: Die starke Figur des Blockrands bedrängt an der Haspel- und an der Spindelstrasse die vorgegebenen Freiraum-Achsen zu stark; ausserdem verunmöglicht sie die erwünschte Durchlässigkeit durch die Wohnsiedlung in Nord-Süd-Richtung...

Charlotte (Stufe 1)

Der Vorschlag lehnt sich städtebaulich an die Typologie eines Blockrands an, setzt diesen jedoch an den verschiedenen Seiten des Projektperimeters differenziert um – passend zu den jeweiligen Aussenräumen: Entlang der Sihl hebt sich der Baukörper über zwei Geschosse vom gewachsenen Terrain ab; dadurch fliesst der Innenhof der Bebauung weiter bis ans Flussufer. An der Allmendstrasse wird der Blockrand vor dem bestehenden GDZ-Gebäude aufgebrochen – damit bildet sich hier das Tor zum neuen Quartier. Der öffentliche Charakter dieses Hauptzugangs wird unterstrichen, indem hier, am Kopf der Gebäudezeile, im Erdgeschoss die Gemeinschaftsnutzungen angesiedelt sind. Auf der Südseite des Perimeters wächst am westlichen Ende des GDZ-Baus ein markanter Gebäudekörper in den Innenhof hinein und zoniert diesen – allerdings ohne dadurch den Öffentlichkeitsgrad zu differenzieren...

Deux frères (Stufe 1)

Das Projekt präsentiert eine äusserst dichte Bebauungsfigur – entsprechend kontrovers diskutierte die Jury, ob eine derart urbane Anlage vereinbar sei mit der eher suburbanen Situation der Manegg, am Rande des Landschaftsraums der Sihl. Zudem suggeriert die Ausbildung von Ecken nach Norden eine Blockrandbebauung, was nicht im Sinne der Leitlinien im Gestaltungsplan Manegg ist...

Marle (Stufe 1)

Die Verfasser der Projektstudie strukturieren den Projektperimeter städtebaulich mit zwei Bautypologien, die das bestehende GDZ-Gebäude ergänzen: Ein achtgeschossiger T-förmiger Bau schliesst das Areal zur Allmendstrasse hin konsequent ab und schützt damit die Siedlung im Innern vor den Lärmemissionen der Strasse. Gegen die Sihl und entlang der Haspelstrasse öffnet sich die Bebauung: Es wird eine zweite Bautypologie mit grossmassstäblichen Einzelbauten vorgeschlagen. Dank der geschickten Verteilung der Volumen auf dem Grundstück und dem T-förmigen Gebäudekomplex an der Allmendstrasse bilden sich im Herzen der Siedlung zwei grosszügige hofartige Gartenanlagen. Diese beiden Höfe werden mit mehreren Durchgängen im Erdgeschoss des T-förmigen Baus ans Quartier angebunden. Im Süden werden sie vom Bestandesbau der GDZ an der Spindelstrasse abgeschlossen...

Vier Plus L (Stufe 1)

Der Vorschlag sieht eine Konzentration der Volumen an den Rändern des Projektperimeters vor. Dadurch wird zur Sihl hin viel Raum geschaffen, in den vier grosse Punktbauten mit den Eigentumswohnungen von Steiner gesetzt werden...



(Textquelle: Auszug aus dem Jurybericht)

Weitere Informationen auf www.konkurado.ch

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