Neue Brücke Bern Wankdorf

Elegant über die Autobahn
Conzett Bronzini Partner, Diggelmann+Partner und Holzhausen Zweifel Architekten gewinnen den Wettbewerb für die Überquerung der A6 in Bern. Ihre filigrane Brücke zitiert die Wirtschaftswunderjahre.

Daniela Dietsche Fachjournalistin Ingenieurwesen / Verkehr

Marko Sauer Architekt, Korrespondent TEC21

Sachpreisrichter

  • Mark Werren (Stadtplaner, Bern)
  • Ueli Weber (Kreisoberingenieur II, Bern)
  • Martin Rösti (NS-Betrieb Leiter GE I, Bern)
  • Andri Sinzig (Projektleiter ASTRA, Thun)

Fachpreisrichter

  • David Wetter (Filialleiter ASTRA, Thun (Präsident))
  • Rolf Mühlethaler (Architekt, Bern)
  • Roman Lehmann (Architekt, Biel)
  • Maurus Schifferli (Landschaftsarchitekt, Bern)
  • M. Fontana (Bauingenieur, Zürich)

Auslober

Bundesamt für Strassen ASTRA Infrastrukturfiliale Thun


Resultat

Der Anschluss Bern Wankdorf soll komplett neu gebaut werden. Im Rahmen des kantonalen Entwicklungsschwerpunkts «ESP Wankdorf» ist die Verkehrsinfrastruktur gefordert: Neue Unterführungen werden entstehen, zwei Rampenbrücken zur niveau­freien Führung der links abbiegenden Verkehrsströme und zusätzlich die niveaufreie Führung der Ausfahrt N1 in Richtung Bolligenstrasse.

Diese Massnahmen beeinträchtigen die heutigen Verbindungen für Fussgänger und Fahrrad­fahrende. Deshalb hat die Thuner Infrastrukturfiliale des Bundesamts für Strassen (Astra) einen Projektwettbewerb im selektiven Verfahren durchgeführt. Das Ziel: eine attraktive Verbindung für den Langsamverkehr über die Nationalstrasse A6.

Um die anspruchsvolle Aufgabe bewältigen zu können, mussten die Teams die Bereiche Ingenieurwesen (Brückenbau), Architektur und Landschaftsarchitektur abdecken, denn die neue Brücke muss sich in die Landschaft ebenso einfügen, wie sie die Vorgaben bezüglich Sicherheit und Verkehrsführung zu erfüllen hat. Der wichtigste Faktor für den Entwurf waren die Anschlüsse an das bestehende Strassen- und Fusswegnetz. Dabei mussten verschiedene Höhen und Fluchten zu einer leistungsfähigen und flüssigen Verkehrsführung vervollständigt werden. Die formale Umsetzung der Brücke und ihrer Anschlüsse weist eine grosse Bandbreite auf: von einem riesigen Ring und einen hufeisenförmigen Bogen über eine «offene Hand» bis hin zu weit ausholenden Bögen, die sich in einem Punkt berühren.

Das favorisierte Konzept war die Kreuzung zweier geschwungener Verkehrswege in luftiger Höhe. Die beiden erstrangierten Projekte folgen diesem Schema. Allerdings genügten sie in der ersten Runde nicht allen Ansprüchen der Bauherrschaft. Sie mussten die offenen Fragen in einer Überarbeitung klären.

Das Rennen machte am Ende das Projekt «Sinus». Die filigrane Stahlkonstruktion knüpft schlüssig an die bestehenden Wege an und wahrt die landschaftlichen Qualitäten. Auch ökonomisch ragt das Projekt heraus, denn das statische Konzept ist einfach, günstig und bei laufendem Verkehr umzusetzen.

Das auffälligste Element ist ein kreisrundes Rampenbauwerk auf der Seite der kleinen Allmend – die Jury ist davon nicht restlos überzeugt. Es bedarf noch einiger Klärung bei der Detaillierung und Aussagen bezüglich Unterhalt und Anschluss an die Bolligenallee.

Der Name des Projekts gibt einen Hinweis auf die Quali­täten, die wohl den Ausschlag für «Sinus» gaben: Es fügt sich gekonnt in die Radien der bestehenden Verkehrslandschaft ein. Die Verfassenden beziehen sich auf Infrastrukturbauwerke aus der Zeit des Wirtschaftswunders. Sie verweisen in ihrem Bericht auf die Fussgänger- und Velopassagen, die mit «angemessener Zurückhaltung, fein detailliert und mit leichtem Schwung die damals entstehenden grossen Verkehrsachsen überspannten».

Soweit man es aus den Plänen herauslesen kann, ist ihnen dies mit Bravour gelungen.

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