Neubau Oberhaus Münsterlingen

Projektwettbewerb im selektiven Verfahren

Sachpreisrichter

  • Fritz Zweifel ( Stiftung Mansio)
  • Christa Thorner-Derher (Mitglied Stiftungsrat)
  • Marcel Baumgartner (Heimleitung)
  • Urs Steppacher (Vertreter Kantonales Hochbauamt)

Fachpreisrichter

  • Erol Doguoglu (Kantonsbaumeister)
  • Corinna Menn (dipl. Arch. ETH / SIA, Zürich)
  • Astrid Staufer (dipl. Arch. BSA / ETH, Frauenfeld)
  • Jakob Steib (dipl. Arch. ETH, Zürich)
  • Christian Peter (dipl. Arch. ETH / SIA)

Auslober

Stiftung Mansio


Organisation

PPM Projektmanagement

Gegenstand

Das Areal des Kantonsspitals Münsterlingen wird um ein Haus für 30 weitere Bewohner der Stiftung Mansio erweitert. Im geplanten Neubau sind drei Wohngruppen für unselbständige Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen geplant. Es ist vorgesehen, im Heim eine Beschäftigung für Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen zu integrieren. Das Heim soll als geschlossenes Heim mit einem geschützten Aussenraum gestaltet werden.

Empfehlung

Das Preisgericht empfiehlt, bei der Weiterbearbeitung des Projektes «Initium» die folgenden Punkte noch weiter zu vertiefen:

- Das Projekt sollte vor allem im Erschliessungsbereich räumlich grosszügiger gestaltet werden.

- Zusätzlich sollte die Belichtungssituation der Erschliessungsflächen noch verbessert werden.

Rangierte Projekte

1. Rang «Initium»

Das präzis geschnittene Volumen von «Initium» bindet sich durch die Aufnahme von verschiedenen Bezügen der benachbarten, heterogenen Bebauung gut in die Situation und die Topographie ein. Der zweiteilige Gebäudekörper gliedert den Aussenraum nachvollziehbar und schafft die richtigen Orte für das Ankommen, die Zufahrten und den Garten. Die optionale direkte Zufahrt vom Waldhausweg in die Tiefgarage ist im Motiv zwar verständlich, wird aber wohl auch längerfristig aus verkehrlichen Gründen nicht realisierbar sein. Das in Holz materialisierte Gebäude weist zwei bis drei Geschosse auf und fügt sich in die ortsbauliche Situation ein.

Das Raumprogramm wird diszipliniert organsiert und betrieblich perfekt umgesetzt. Über einen grosszügigen Vorplatz erreicht man den Eingang, welcher mit einer Arkade für die Fussgänger, einer gedeckten Vorfahrt für die Heimbusse und einem Raum mit Veloabstellplätzen für sämtliche Nutzenden eine gute Infrastruktur bereitstellt.

Über den Windfang betritt man die Eingangshalle, die das Zentrum des Erdgeschosses mit einer Raumhöhe von drei Metern bildet. Im nördlichen Teil sind die Verwaltung, Therapieräume und der Mehrzwecksaal, im südlichen Teil die Beschäftigungsräume angesiedelt. Dazwischen liegt ein Treppenhaus, welches alle Geschosse auf einfache und zweckmässige Weise und im Sinne direkter Wege erschliesst.

2. Rang «Mia»

Auf einfache Weise positioniert sich der Neubau im landschaftlichen Umfeld als autonomes und dennoch subtil auf seine Nachbarschaft zugeschnittenes «Geviert». Seine Nordseite bildet eine ruhige Empfangsfront zum baulichen Umfeld. Drei unterschiedliche Flügel formen auf einem Plateau einen proportionierten und gegen Westen offenen Gartenhof, auf den alle weiteren Elemente des Entwurfs ausgerichtet sind.

Ein arkadenförmiger Hofumgang bildet den Filter zwischen Garten- und Innenwelt.

3. Rang «Kleeblatt»

Dem Projekt liegt die Absicht zugrunde, das Bauvolumen sanft in die Topografie einzubetten. Dies führt zu einem flächigen Bau, der basierend auf den Wohneinheiten in drei Teilkörper gegliedert ist, die in Halbgeschossen zueinander versetzt liegen und je einen Innenhof aufweisen. Es entsteht eine pavillonartige Figur, die sich parallel zum Hang, leicht ansteigend an die Neigung, schmiegt. Konsequent wird der flächige Baukörper unmittelbar vom Wiesland umgeben.

Die Gartenanlage liegt als unabhängige Figur darin eingebettet in der südwestlichen Ecke des Perimeters. Die Zufahrts- und Eingangssituation ist klar und selbstverständlich. Der Waldhausweg führt von Westen zu einem Vorplatz, der den Haupteingang markiert, während die Garagenzufahrt am tiefsten Punkt im Nordosten unscheinbar unter den Baukörper geführt wird. Die Haltung der Verfasser zum Ort und die aussenräumliche und volumetrische Setzung überzeugen.

4. Rang «Weisses Rauschen»

Die Kontur des Hauses, welche die Topographie des Nordhangs mit unterschiedlichen Gebäudehöhen nachzeichnet und im Süden mit einer Staffelung der Fassade die Verzahnung mit dem Gelände schafft, erreicht mit seinen vier Geschossen am obersten Punkt ein Mass, welches in Bezug zu den direkt angrenzenden Personalbauten als zu hoch empfunden wird.

Ein grosser Vorplatz im Innenwinkel der beiden Gebäudeflügel bedient den Haupteingang und die seitlich platzierte Anlieferung.

Der innere Aufbau und die Organisation des Raumprogramms weisen eine Kohärenz auf. So sind die Wohngruppen im südlichen Gebäudeflügel über drei identische Geschosse angelegt und profitieren dort von einer guten Ausrichtung und einem direkten Bezug zum Garten. Im Nordflügel, wo die Struktur des Hauses mehr Raumhöhe zulässt, liegen dann zu einer geschlossenen Einheit zusammengefasst die Administration, die Beschäftigungsräume und der Mehrzweckraum im Erdgeschoss. Dieser ist dort direkt an die Eingangshalle angebunden und über diese auch an den grossen Vorplatz.

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