Projektwettbewerb Stiftung Roth-Haus in Muri

Um- und Anbau Gebäude Nr. 187 am Südklosterrain

Sachpreisrichter

  • Harold Külling (Stiftungsrat Stiftungsrat Roth-Haus)
  • Thomas Räber (Mitglied Stiftungsrat Roth-Haus)
  • Uwe Tischer (Heimleiter)

Fachpreisrichter

  • Maja Stoos (dipl. Arch ETH / SIA)
  • Christian Zimmermann (dipl. Architekt ETH / SIA / BSA)
  • Reto Nussbaumer (kantonaler Denkmalpfleger)
  • Felix Spuler (Architekt HTL)
  • Paul Keller (Siedlungsplaner HTL/Reg. A)

Auslober

Stiftung Roth-Haus


Ausgangslage

Die Stiftung Roth-Haus bietet Wohn- und Beschäftigungsmöglichkeiten für Erwachsene ab dem 18. Altersjahr mit körperlicher und geistiger Beeinträchtigung. Im Rahmen von Leistungsverträgen mit dem kantonalen Departement Bildung, Kultur und Sport ist das Roth-Haus ein Ort mit kompetenter Begleitung. Die Stiftung beabsichtigt, am Südklosterrain in Muri einen Um- und Anbau des bestehenden Gebäudes Nr. 187 zu realisieren.

Verfahren

Durchgeführt wurde ein Projektwettbewerb im selektiven Verfahren.

Überarbeitung und Empfehlung

Die Projekte «intra muros» und «fior di latte» erreichten zusammen den ersten Rang. In einem dritten Jurytag beurteilte die Juy die beiden überarbeiteten Projekte.

Am Ende empfiehlt das Preisgericht der Veranstalterin einstimmig den Wettbewerbsbeitrag «intra muros» zur Weiterbearbeitung.

1. Rang «intra muros»

(Zur Weiterbearbeitung empfohlen)

Camponovo Baumgartner Architekten, Zürich | GG Architektur, Zürich

Als einziges Projekt thematisiert «intra muros» die Klostermauer: Die frühere Einfriedung der Klosteranlage wird aufgenommen, indem der Anbau an das Rothaus direkt aus der Umfassungsmauer wächst.

Der je nach Ansicht 3- bis 4-geschossige Bau unter Satteldach erhält so den kleinsten Fussabdruck und verbindet sich mit einem minimalen «Andockelement» mit dem historischen Bau.

Ganz in Sichtbeton mit unterschiedlichen Oberflächenbehandlungen gehalten, präsentiert sich der Bau monolithisch, wobei klar zwischen eher geschlossener Strassen- und offener Gartenseite unterschieden wird.

Die innere Organisation lässt sich einfach umschreiben: sämtliche Individualzimmer befinden sich im Altbau, wobei die Viererwohngruppe im EG, die Achterwohngruppen in den Obergeschossen Platz finden und sehr zweckmässig angeordnet sind. Die übrigen Gemeinschaftsräume liegen im Neubau, der Haupteingang und somit die Adresse bleibt im Altbau.

Der Ansatz der Planer versucht mit minimalen Flächen und Volumen auszukommen - tatsächlich ist es das volumenkleinste Projekt was sich auch im Kostenvergleich spiegelt.

Das Projekt intra muros wurde mit klar formulierten Hinweisen aus der Jury in die Überarbeitung geschickt. Kurz zusammengefasst mussten verschiedene Punkte der inneren Raumorganisation optimiert sowie die zwingend nötige ebenerdige Nord-Süd-Durchwegung aufgezeigt werden. Ebenso wurde eine Präzisierung und Plausibilisierung der Gebäudehülle und der Befensterung gefordert.

Das Überarbeitungsprojekt hat all diese Themen sehr ernsthaft aufgenommen und behandelt. Nach wie vor erscheint der Bau als monolithischer Betonbau mit fast identischem Fussabdruck mit dem grossen Vorzug, dass wenige Terrainveränderungen nötig sind.

1. Rang «fior di latte»

Knorr & Pürckhauer Architekten, Zürich | Gersbach Landschaftsarchitektur, Zürich | WT Partner, Zürich | Ferrari Gartmann, Chur | Kalt und Halbeisen Ingenieurbüro, Zürich | Bakus Bauphysik und Akustik, Zürich

Die Erweiterung des Roth-Hauses geschieht mit einem Annexbau, der Gebäudeproportion und Dachform vom Haupthaus nachzeichnet, sich aber mit seinem kleineren Gebäudevolumen vom Südklosterrain abrückend als Haus in der Parklandschaft dem bestehenden Eckhaus klar unterordnet.

Folgerichtig findet man den Haupteingang im Roth-Haus, neu mit einem Zugang frontal zum vorspringenden Treppenhauskörper. Der Neubau übernimmt parkseitig die Gebäudeflucht des Hauptvolumens, südseitig wird der Strassenabstand leicht unterschritten. Die beiden Gebäude werden durch einen verglasten Zwischenbau ab dem ersten Obergeschoss miteinander verbunden. Die Verbindung vom Südklosterrain zum Ensemble bleibt mit freibleibendem Erdgeschoss gewährleistet.

Das Projekt «fior di latte» vermag als eine ortsbaulich gut verträgliche und zurückhaltende Erweiterung des Roth-Hauses zu überzeugen, die Mängel in der Umsetzung des Raumprogrammes und in der Einbettung der Wohngruppe im Sockelgeschoss bleiben jedoch trotz Überarbeitung bestehen.

3. Rang «rosso porpora»

Schneider & Schneider Architekten, Aarau | Zwahlen + Zwahlen, Cham | Leideritz Bauleitungen, Oberglatt | Künzle Partner, Horw | Healy + Partner Engineering, Aarau

Grundlage für das ortbauliche Konzept ist eine sorgfältige und grossräumige Analyse des Bestandes und dessen Baugeschichte. Entsprechend der ursprünglichen Typologie des eingefriedeten Klostergartens mit zwei akzentuierenden östlichen Eckbauten soll das städtebaulich markante Roth-Haus durch einen mit dem Bestand verschmolzenen Anbau gestärkt werden. Die Gartenmauer bleibt damit vom Anbau weitgehend unbeeinträchtigt und schliesst mit dem Bestandsbau als ortbauliches Ensemble weiterhin den Klostergarten zur Öffentlichkeit ab. Auf Konzeptebene vermag der Vorschlag zu überzeugen - Fragen stellen sich jedoch hinsichtlich der volumetrischen Gliederung der Gebäudeübergänge und des vorgeschlagenen architektonischen Ausdruckes.



(Auszug aus dem Jurybericht)

ARCHIV: Die Ausgaben seit 2013

Abonnieren Zum Archiv