Schulraumerweiterung Primarschule und Kindergarten Neugasse Bazenheid

Einstufiger Projektwettbewerb im selektiven, anonymen Verfahren

Sachpreisrichter

  • Roman Habrik (Vorsitz, Gemeindepräsident, Gemeinde Kirchberg)
  • Thomas Wiederkehr (Schulrats-Vizepräsident, Gemeinde Kirchberg)
  • Michael Sutter (Gemeinderat, Gemeinde Kirchberg)

Fachpreisrichter

  • Silvio Ammann (dipl. Architekt ETH SIA OTIA Reg A , Ammann Architekten AG, Zürich)
  • Peter Buschor (dipl. Architekt HTL, plan b architekten GmbH, Goldach)
  • Bruno Bossart (dipl. Architekt HBK/BSA/SIA, Bruno Bossart Architekturbüro, St. Gallen)

Auslober

Politische Gemeinde Kirchberg


Aufgabenstellung

Am Standort Neugasse in Bazenheid werden aktuell 3 Kindergartenklassen (im Altbau) und 7 Primarschulklassen unterrichtet. Im bestehenden Schulhaus Neugasse befinden sich zusätzlich Räume, die von der nahegelegenen Oberstufe Flurstrasse genutzt werden. Aufgrund der gestiegenen Schülerzahlen wurde bereits 2015 ein Kindergartenprovisorium für eine Klasse errichtet.

Im Rahmen einer Schulraumplanung wurde der künftige Raumbedarf definiert, welcher sich auf die ganze Schulanlage Neugasse bezieht. Ausgehend von den bestehenden Räumen ergibt sich ein zusätzlicher Bedarf von rund 20 Schulraum-Einheiten (à ca. 75 m2), wovon 17 Einheiten für die Primarschule und 3 Einheiten für den Kindergarten vorgesehen sind.

Die fehlenden Raumeinheiten sollen in einem Neubauvolumen auf Stufe Kindergarten und Primarschule umgesetzt werden. Die neuen Schulräume sollen mit den bereits bestehenden Strukturen eine funktionale Einheit bilden, welche sich gegenseitig ergänzen.

Empfehlung des Beurteilungsgremiums

Das Beurteilungsgremium empfiehlt der Veranstalterin einstimmig, das erstrangierte Projekt «Dino» zur Weiterbearbeitung und Ausführung.

Für die Weiterbearbeitung des Projektes sind insbesondere folgende Punkte sowie der Projektbeschrieb im Anhang zu berücksichtigen:

- Der Zugang zum neuen Pausenplatz von der Neugasse her sollte breiter gestaltet und damit aufgewertet werden.

- Der neue Parkplatz sollte nicht vor dem bestehenden Primarschulhaus zu liegen kommen. Besser wäre eine Erweiterung des bestehenden Parkplatzes.

- Es ist zu prüfen, ob mit einer Spiegelung des Kindergarten-Grundrisses die Eingangssituation in Bezug auf den bestehenden Kindergarten verbessert werden kann.

- Die Erschliessung des Kindergartens ist besser zu trennen von der Zufahrt zum Parkplatz.

Rangierte Projekte

1. Rang «Dino»

ARGE Schwabe Suter Architekten | Caretta + Weidmann Baumanagement

Als naheliegende ortsbauliche Massnahme konzentrieren die Verfasser die baulichen Eingriffe entlang der Neugasse und schaffen so den gewünschten Freiraum für zukünftige bauliche Entwicklungen. Bauten und Plätze reihen sich in einer starken Längsrichtung auf wie Perlen an einer Kette. Den Auftakt bildet das neue Primarschulhaus, das die Ecke zwischen Neugasse und Flurstrasse besetzt und so einen ortsbaulich folgerichtigen Markstein setzt. Zwischen dem Neubau und dem bestehenden Schulhaus führt ein neuer - eher zu knapp bemessener - Hauptzugang zu den Eingängen der beiden Schulhäuser und zum grosszügigen Pausenplatz. Mit dieser Disposition bekommt die Schule eine angemessenere Adresse. Der von der Strasse abgeschirmte Pausenplatz dagegen erhält eine für Primarschüler adäquate private Note. Der irritierend gleichwertige Westeingang im bestehenden Schulhaus erfährt durch die neue Erschliessung eine folgerichtige Aufwertung. Erst jetzt macht die Gleichartigkeit der beiden Eingänge Sinn. Schön ist der Blick vom Osteingang durch die zentrale Halle zum neuen Pausenplatz mit seinen Bäumen. Auf dem bestehenden ostseitigen Pausenplatz wird entlang des Hangfusses ein neuer Kindergarten vorgeschlagen. Diese Situierung ergibt zusammen mit dem stattlichen Altbau einen Freiraum, der die für Kindergärtner erwünschte Abgeschiedenheit aufweist. Mit der Verlagerung des PW-Parkplatzes erfährt der historische Altbau eine begrüssenswerte Aufwertung, der neue prominente Standort vor dem bestehenden Schulhaus vermag gleichwohl nicht zu überzeugen.

Das Projekt «Dino» besticht durch seine ortsbaulichen Qualitäten, den sensiblen Umgang mit der Topografie und der feinen Verwebung der bestehenden Gebäude und Freiräume zu einem stimmigen Ganzen. Auch die Gestaltung der Gebäude und Plätze zeugen von grossem Einfühlungsvermögen in die Belange der jeweiligen Altersstufen in der Schule. Die Jury sieht noch Verbesserungspotential in den Fassadengestaltungen, insbesondere im Hinblick auf die bestehenden Gebäude. Weiter ist die Verlagerung des prominent situierten Parkplatzes vor dem bestehenden Schulhauses zu prüfen. Vielleicht stellt eine modifizierte Ausgestaltung am bisherigen Standort das kleinere Übel dar.

2. Rang «Prosciutto e Funghi»

ARGE Soppelsa Architekten | Laterza Graf Baupartner

Das Projekt weist eine klare ortsbauliche Setzung aus: der Neubau zum Primarschulhaus schliesst in der südlichen Ecke das Areal räumlich ab und bildet im Zwischenraum zum bestehenden Schulhaus eine neue, selbstbewusste Zugangssituation. Der neue Kindergarten definiert in seiner Position neben dem Altbau die Aussenraumbeziehungen zwischen den bestehenden Bauten neu, was insbesondere durch die gekonnte aussenraumgestaltung zu qualitätsvollen und stufengerechten Aussenräumen führt. Sämtliche Zugänge scheinen logisch platziert und die Wege - selbstverständlich geführt - verbinden die unterschiedlichen Bauten auf einfachste Weise. Die Freilegung und Renaturierung des Baches wird thematisiert und ergänzt atmosphärisch die differenzierte Bespielung der Aussenräume. Die Schulhauserweiterung scheint volumetrisch und technisch möglich zu sein, ohne räumliche Einbussen für den vorgeschlagenen Hallentyp. Die Erweiterung zur Turnhalle ergänzt das Ganze und bindet die Oberstufe räumlich in das Ensemble ein.

3. Rang «Rubiks Würfel»

Furrer Jud Architekten

In Form und Ausdruck wird mit dem Projekt die Tradition der unterschiedlichen Schulhäuser mit eigenem Charakter, der die Zeit der Entstehung der Gebäude datiert, fortgesetzt. Der würfelförmige Solitärbau ist ein Kontrast zum länglichen Neubau und schliesst die Schulanlage im Westen markant ab. Das Äussere des neuen Schulhauses wiederspiegelt auf angemessene Weise was das Haus ist – ein Primarschulhaus. Mit den beiden eingezogenen Ecken in den Obergeschossen reagiert der Baukörper auf das bestehende Schulhaus wie auch auf die Strassenecksituation. Der gut nutzbare Schulhof wird durch die beiden Schulhäuser und den in die Böschung gebauten Unterstand gebildet. Eine neue Zufahrt zu den Parkplätzen soll den heutigen gemeinsamen Zugang zu Schule und Parkplatz entflechten. Die Längsparkierung über das Trottoir an der Neugasse ist verkehrstechnisch nicht realistisch. Die Erweiterung ist auf dem zweiten Plateau südwestlich der beiden Schulhäuser denkbar und wird stimmig am neuen Pausenhof situiert. Die zukünftige Schulanlage wird an zwei Stellen von der Neugasse aus erschlossen. Das Freiraum-Konzept nimmt Bezug zum Bestehenden und integriert die beiden neuen Baukörper in selbstverständlicher Art in ein neues Ensemble. Sehr gut nutzbare Aussenräume gehen auf die verschiedenen Stufen und Bedürfnisse der Ausbildungsstätte ein. Die Verkürzung des grossen Pausenplatzes schafft Raum für den Kindergarten im zweigeschossigen, gut strukturierten Baukörper. Der klar begrenzte, gut gestaltete Freiraum entspricht dem Alter der Kleinkinder.

4. Rang «Jim und Knopf»

Ernst Niklaus Fausch Partner

Auf naheliegende Art und Weise wird ein ortsbauliches Konzept verfolgt, wonach die neuen Gebäude entlang der Neugasse gruppiert werden. Damit wird der Strassenraum in verständlicher Manier verdichtet und das nördliche Schulareal freigehalten für zukünftige Entwicklungen.

Das neue Primarschulgebäude mit seinen beiden höhenmässig versetzten Eingängen bildet den sinnvollen Markstein an der Ecke Neugasse/Flurstrasse. Im Zwischenraum zum bestehenden Schulhaus wird ein Platz mit neuem Zugang angelegt. Abgeschlossen wird dieser Platz durch eine tribünenartige Anlage, die zum oberen Platzniveau führt. Dieser obere Platz wird erkauft mittels einer markanten Terrain-Aufschüttung. Dieser Eingriff ist nachvollziehbar unter Berücksichtigung der vorgeschlagenen Turnhalle. Ohne dieses Gegenüber wirkt dieser obere Platz mit dem Schulhauseingang aber gekünstelt.

Das bestehende Schulhaus mit seinen beiden gleichwertigen Eingängen wird in selbstverständlicher Art integriert in das Erschliessungskonzept. Da der bestehende östliche Pausenplatz weitgehend belassen wird, stellt sich die Frage nach der Anbindung dieses Freiraums: Für die Schüler des neuen Primarschulhaus ist der Hauptplatz zu peripher gelegen und der Zugang wenig attraktiv. Der neue Kindergarten in unmittelbarer Nähe zum Hauptplatz schiebt sich bis an die Neugasse. Damit wird ein neuer Platz abgesteckt, der dem historischen Altbau einen angemessenen Vorraum zumisst. Zugleich aber erfährt der Altbau eine Abwertung durch die prominente Stellung des neuen Kindergartens. Die Verlegung des PW-Parkplatzes ist nachvollziehbar, für das bestehende Schulhaus stellt dies aber eine Beeinträchtigung dar.

5. Rang «Pinocchio»

Marcel Baumgartner Architekten

Das Projekt setzt eine klare Grenze des Schulareals gegen Westen; ein schmaler, langer Baukörper, der sich in den Hang gräbt, bildet zum bestehenden Schulhaus einen neuen grosszügigen Platz als Pausenhof mit Wasserspiel und «Monumentaltreppe», die als neue Achse eine räumliche Verbindung von der Neugasse bis hoch zur Oberstufe bildet und die Turnhallenerweiterung ebenfalls miteinbezieht. Was funktional sehr überzeugt, scheint aber räumlich übertrieben. Das Potential zur Freilegung und Renaturierung des Baches bleibt ungenutzt. Generell wirkt die Westseite des Schulhausriegels und die Anbindung an das gewachsene Terrain vernachlässigt. In der Darstellung fehlt die Westfassade mit dem Schnitt durch das Gelände, was mehr Fragen aufwirft, als Antworten liefert. Die Erweiterung als Aufstockung scheint sowohl ortsbaulich möglich wie auch technisch machbar.

6. Rang «s t e p b y s t e p»

Waeber / Dickenmann Partner Architekten

Eine umfassende Analyse der Gegebenheiten des Ortes, aber auch die drei starken Referenzbilder prägen den Entwurf für das neue Primarschulhaus. Die gekonnte Setzung des Baukörpers als baulicher Abschluss der Böschung ist die Stärke des Projektvorschlags. Es wird eine sinnvolle Nutzungszuordnung vorgeschlagen: Therapie- und Disponibel-Räume im arkadenbestückten Erdgeschoss, gut belichtete Klassenräume im Obergeschoss nach Südosten und die Handarbeitsräume ebenerdig mit gutem Bezug zum Aussenraum. Es ist fraglich, ob nach einer Aufstockung der Charakter des Sockelbaus noch so klar lesbar ist. Im übergeordneten Bebauungskonzept wird ersichtlich, dass der Neubau richtig situiert ist, weitere Entwicklungen gut möglich sind und sich als Ganzes zum campusähnlichen Ensemble erweitern kann. Die Bilder von H. Hertzbergers «nutzbarer Innenfassade» finden einen guten Niederschlag mit den raumhohen Fenstern mit Arbeitstischen und Simsen beim Oberlicht. Diese Liebe zum inneren Ausbau, der in der Schnittidee detailliert gezeigt wird, fehlt jedoch vor allem in der Durchbildung des erdgeschossigen Korridors – er ist schematisch ausgebildet, dunkel und erhält höchstens über verglaste Innenwände Tageslicht – innere Erschliess- und Aufenthaltsqualität werden vermisst.

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