Neubau mit Bahnzugang Bubenbergzentrum 10-12 Bern

Einstufiger Projektwettbewerb im selektiven Verfahren

Sachpreisrichter

  • Yves Jacot (SBB Immobilien Development, Leiter Bahnhöfe)
  • Christian Eggenberger (SBB Portfoliomanagement, Leiter Bahnhöfe)
  • Mark Werren (Stadtplaner Bern)
  • Thomas Pfluger (Stadtbaumeister Bern)
  • Claudio Jäggi (SBB Immobilien Portfoliomanagement)
  • Mark Schaffner (SBB Immobilien)

Fachpreisrichter

  • Fritz Schär (Bern, Vorsitz)
  • Ute Schneider (Zürich)
  • Doris Wälchli (Lausanne)
  • Andrea Roost (Bern)
  • Regula Harder (Zürich)
  • Anouk Kuitenbrouwer (Zürich)

Auslober

Schweizerische Bundesbahnen SBB - Division Immobilien


Organisation

F. Preisig, 8050 Zürich

Baukontext, 3008 Bern

Ausgangslage

Der Bahnhof Bern hat seine Kapazitätsgrenzen im Bereich des Publikumsverkehrs erreicht. Zur Anpassung der Infrastruktur werden im ersten Ausbauschritt «Zukunft Bahnhof Bern» ein neuer RBS-Tiefbahnhof sowie eine neue SBB-Personenunterführung (Unterführung Mitte) erstellt. Die neue Personenunterführung, welche mit der bestehenden Unterführung verbunden wird, wird durch einen zweiten Hauptzugang, dem Zugang Bubenberg beim heutigen Bubenbergzentrum erschlossen.

Der vom neuen Zugang Bubenberg betroffene westliche Gebäudeteil des Bubenbergzentrums (Bubenbergplatz 10-12) wurde Ende 2015 durch die SBB Immobilien erworben. Die SBB Immobilien beabsichtigen, das Gebäude durch einen Neubau innerhalb der bestehenden Überbauungsordnung zu ersetzen. Nebst dem neuen Bahnzugang sind Dienstleistungs- und Büronutzungen vorgesehen.

Präqualifikation

Im Rahmen der öffentlich ausgeschriebenen Präqualifikation wurden durch das Preisgericht 15 Generalplanerteams bestehend aus Architekten (Gesamtleitung), Bauingenieur, HLKSE-Ingenieur und Fassadenplaner für die Teilnahme am Projektwettbewerb selektioniert.

Empfehlung

Das Preisgericht empfiehlt der Auftraggeberin, die Verfasser des erstrangierten Projektes Nr. 6 «Alexander» mit der Weiterbearbeitung zu beauftragen. Bei der Weiterbearbeitung sollen insbesondere folgende Aspekte berücksichtigt werden:

- Die Wirtschaftlichkeit (Kosten/m² Hauptnutzfläche) muss im Dialog mit der Bauherrschaft wesentlich optimiert werden.

- Die Angleichung der Traufhöhe an das Nachbargebäude ist ein wesentliches überzeugendes Merkmal des Beitrages und soll auch bei wirtschaftlichen Optimierungen nach Möglichkeit beibehalten werden.

- Die Fassade muss im gestalterischen Ausdruck konkretisiert werden. Hierbei ist der Signaletik, allfälliger Werbung sowie technischer Anforderungen zur Befestigung von Fahrleitungen sorgfältig Rechnung zu tragen.

- Die neue Situation der Bogenschützenstrasse als aufgewerteter Stadtraum ist (unter Einbezug der Stadt) in die Betrachtungen einzubeziehen.

- Die Haustechnikanlage für das Projekt Ausbau Publikumsanlage sowie das Gebäude BBZ 10-12 selbst, muss überarbeitet werden.

- Im Erd- und Untergeschoss ist zwingend ein Zugang zum Gebäudeteil BBZ 8 zu gewährleisten.

Rangierte Projekte

1. Rang / 1. Preis «Alexander»

Büro B Architekten, Bern

Mittels einer stützenfreien Halle, die alle Verkehrsströme aufnimmt, werden die momentan getrennten Stadtbereiche visuell und räumlich verknüpft, und sowohl die Bogenschützenstrasse als auch der PostParc an den Bubenbergplatz sowie den Hirschengraben angebunden.

Die maximale Vernetzung der Wegebeziehungen in diesem hochfrequentierten Bereich sowohl in Nord-Südrichtung, als auch in West-Ostrichtung, integriert den neuen Bahnhofszugang adäquat in seinen Kontext. Eine hieraus resultierende Verteilung der Ströme im engeren Bahnhofskontext eröffnet diverse neue Zugangssituationen in den umgebenen Stadtraum sowie zu den unterschiedlichen Bahnhofsnutzungen.

Das Projekt überzeugt insgesamt durch die klare städtebauliche und volumetrische Integration in den stadträumlichen wie infrastrukturellen Kontext. Die architektonische Ausformulierung der Fassade vermag die Jury noch nicht zu überzeugen und muss im weiteren Verlauf überarbeitet werden.

2. Rang / 2. Preis «Jeanne»

Armon Semadeni Architekten, Zürich

Die Projektverfasser attestieren dem Ensemble aus den 60er Jahren, welches Wohn- und Geschäftshäuser aus dem späten 19. Jahrhundert ersetzte, eine hohe städtebauliche Relevanz. Die Ausgangslage, dass die Gebäude Bubenbergstrasse 8 und 10/12 nicht gleichzeitig einer umfassenden Transformation zugeführt werden können, veranlasst die Projektverfasser den Ersatzbau als neuen Teil des bestehenden Ensembles zu entwickeln. Prägende Elemente wie das Mezzaningeschoss werden weitergeführt, neue Elemente, welche der zukünftigen Bedeutung und Funktion geschuldet sind, hinzugefügt.

Das Projekt «Jeanne» überzeugt durch die gewählte, städtebauliche Strategie sowie durch deren stringente Umsetzung mit hoher Wirtschaftlichkeit. Das Projekt vermag jedoch das konzeptionelle Potential in unterschiedlichen Bereichen nicht vollumfänglich auszuschöpfen.

3. Rang / 3. Preis «Schanzenstern»

Kast Kaeppeli Architekten, Bern

Das Projekt «Schanzenstern» nimmt in seiner Gestalt und Farbigkeit Bezug auf die Bauten des späten 19. Jahrhunderts, die den Bubenbergplatz und den Hirschengraben prägen. Sein architektonischer Ausdruck, eine gegliederte Lochfassade aus Sandstein, belebt die Erinnerung an die historische Bebauung dieser Seite des Bahnhofsviertels.

Das Projekt überzeugt das Preisgericht durch seine hohe architektonische und gestalterische Qualität und durch die konsequente Umsetzung der Idee «Haus in der Stadt» im Dialog mit der historischen Bebauung des Bubenbergplatzes. Die Jury kommt jedoch zum Schluss, dass die zentrale Anforderung der Aufgabe, als Bahnhof in der Stadt lesbar zu sein, nicht erfüllt wird.

4. Rang / 1. Ankauf «Nume nöd gsprängt»

Dürig, Zürich

Das Projekt «Nume nöd gsprängt» ist ein lobenswerter Versuch, den bestehenden Bau doch noch vor dem Abbruch zu retten und zu beweisen, dass auch ein Umbau die für den Bahnzugang notwendige räumliche und gestalterische Grosszügigkeit bieten kann.

Die Projektverfasser sind überzeugt, dass das Bubenbergzentrum nur als zusammenhängendes, architektonisch einheitliches Gebäude gegenüber der historischen Umgebung Stand halten kann.

Das Projekt bietet einen hohen Anteil an Hauptnutzflächen, hat vergleichsweise weniger Abbruchkosten, führt aber durch die komplexen Rohbauarbeiten mit Unterfangungen ökonomisch gesehen gesamthaft nicht zu einem besonders interessanten Projekt.

Der Umbau der Liegenschaft wird im vorliegenden Projekt auf meisterhafte Weise umgesetzt. Trotz grosser Sympathie für diesen Ansatz bleiben aber vor allem seitens Benutzer viele Zweifel bestehen.

5. Rang / 4. Preis «Schanzenegg»

Boltshauser Architekten, Zürich

Mit einem markanten Treppenturm nimmt das Projekt Bezug zu den früheren und noch bestehenden Türmen der Stadt sowie zur turmartigen Kopfausbildung des historistischen Vorgängerbaus.

Der Beitrag «Schanzenegg» ist gleichzeitig ein modernes Gebäude, stimmig im Geiste des Berner Bahnhofkomplexes, und ein massives Haus, das sich selbstverständlich in den von historischen Steinbauten geprägtem Stadtraum einfügt. Es vermag aber mit der gedrungenen Eingangssituation seine funktionale Bedeutung als wesentlicher Zugang zur enormen unterirdischen Bahnhofserweiterung nicht genügend zu repräsentieren und weist räumlich strukturelle Mängel auf.

6. Rang / 2. Ankauf «Involvere»

mlzd planer, Biel

Die augenfällige Markierung des neuen Bahnhofzugangs erfolgt durch einen Neubau mit einem gewählten architektonischen Ausdruck, der sich im städtebaulichen Kontext deutlich von den angrenzenden Bauten absetzt. Gesucht wird ein dezidierter Kontrast zu den sandsteinverkleideten Bauten der Altstadt sowie denjenigen der näheren Umgebung.

Mittel dazu ist ein umhüllendes Regelwerk in Form einer vorgehängten Schicht mit umlaufenden Metallprofilen und eingesetzten Glasstreifen, teils aus klarem oder eingefärbtem Glas mit vertikaler Struktur und daraus resultierender Tiefenwirkung.

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