Schulraumerweiterung Wabern Dorf Köniz

Gesamtleistungswettbewerb im selektiven Verfahren

Sachpreisrichter

  • Urs Wilk (Vorsitz, Gemeinderat, Direktionsvorsteher Sicherheit und Liegenschaften)
  • Thomas Brönnimann (Gemeinderat, Direktionsvorsteher Bildung und Soziales)
  • Hannes Wyss (Abteilungsleitung Abteilung Gemeindebauten)

Fachpreisrichter

  • Valérie Jomini (Dipl. Architektin ETH/SIA/BSA)
  • Ron Edelaar (Architekt BSA)
  • Markus Zimmermann (Holzbau-Ingenieur FH/SIA)
  • Stefan Dellenbach (Dipl. Architekt ETH/SIA)

Auslober

Gemeinde Köniz, Abteilung Gemeindebauten


Ausgangslage

In der Gemeinde Köniz steigen die Schülerzahlen weiterhin stark an, so dass bauliche Massnahmen am Schulstandort Wabern unumgänglich sind. Statistiken lassen den Schluss zu, dass die Schülerzahlen auch längerfristig hoch bleiben werden. Weiter erfordert die zunehmende Nachfrage nach Tagesschulangeboten ebenfalls zusätzliche Räume.

Vorstudien haben gezeigt, dass das Areal des Dorfschulhauses Wabern gut geeignet ist, den zusätzlichen Raumbedarf im Zentrum aufzunehmen. Die Gemeinde Köniz beabsichtigt deshalb, das bestehende Schulhaus aus dem Jahre 1908 mit einem Neubau zu erweitern. Dieser soll Raum schaffen für das Tagesschulangebot, für eine Basisstufeneinheit, für Psychomotorik sowie für zusätzliche Klassenzimmer mit Nebenräumen.

Im Rahmen der Präqualifikation haben sich sechs Bewerber für die Bearbeitung der Wettbewerbsaufgabe qualifiziert.

Empfehlungen für die Weiterbearbeitung

Das Preisgericht verweist auf den detaillierten Projektbeschrieb des zur Weiterbearbeitung vorgeschlagenen Projekts «Zündhölzli» und empfiehlt der Veranstalterin und den Projektverfassern, bei der weiteren Bearbeitung des Projekts die kritisch vermerkten Punkte zu prüfen und im Dialog zu bereinigen.

Empfohlenes Projekt «Zündhölzli»

ERNE AG Holzbau, Laufenburg | Boegli Kramp Architekten AG, Fribourg

Das neue Schulhaus soll als identitätsstiftendes und belebendes Element im Quartier verankert werden. Das Projekt steht im südwestlichen Teil des Perimeters und orientiert sich am ursprünglichen Dorfkern und am Wabernstock. Zur schützenswerten Bausubstand der nahen Umgebung hält der Neubau eine angemessene Distanz und schafft an diesem komplexen Ort einen öffentlichen Raum. Der gewonnene Abstand wertet den Wabernstock auf und lässt diesen durch den neu geschaffenen Freiraum besser zur Geltung kommen. Der Erweiterungsbau bildet ein vermittelndes Element zwischen Dorfstrasse und Schulhof und schafft mit seiner Setzung eine räumliche Kontinuität. Gestärkt wird diese Absicht durch die Gesamtvolumetrie des Gebäudes, die überlegte Dachform, den Laubengang und den Splitlevel im Gebäudeinnern. Diese städtebauliche Haltung des Projektes Zündhölzli hat die Jury überzeugt.

Der Allwetterplatz situiert sich zwischen Schulhaus und Neubau. Seitlich des Platzes erstrecken sich funktionale Grünräume, welche als Spielfläche ausgestattet werden: Im Süden wird die Böschung mit versetzten hohen Mauerelementen gegliedert. Es ergibt sich ein spielerisches Miteinander zwischen den Spielbereichen und der Topografie (Rutsche, Kletter- und Seilgeräte, Sandanlage mit kleinem Wasserlauf).

Architektonisches Konzept

Die innere Organisation wird mit einem Splitlevel gegliedert. Somit kann der Erweiterungsbau die unterschiedlichen Niveaus geschickt in den Grundriss einfliessen lassen. Der Splitlevel organisiert sich spielerisch um einen zentralen, offenen Erschliessungsraum und ermöglicht somit spannende Ausblicke und räumliche Verbindungen zwischen den Klassenzimmern.

Identifikation und architektonischer Ausdruck

Im Inneren wird die Hybridkonstruktion sichtbar: die Wände der Erschliessungsräume sind aus tragenden Betonscheiben. In den Klassenzimmern ist die Tragstruktur aus Holz sichtbar.

Die Fassade wird durch eine vertikale Holzstruktur gliedert. Die Holzschalung bleibt in ihrer natürlichen Materialisierung weitgehend erfahrbar, wird druckimprägniert und mit einem Holzschutzmittel behandelt.

Die Jury ist der Meinung, dass der Ausdruck des Erweiterungsbaus in Bezug zum bestehenden Schulgebäude und dessen muralem Ausdruck noch präzisiert werden sollte.

Konstruktive Konzepte von Statik und Gebäudehülle

Mit dieser Massnahme kann überdies die städtebauliche Haltung unterstützt werden.

Das sorgfältig konstruierte Gebäude bietet sowohl in den Holzbaubereichen sowie in den Massivbauteilen gute Lösungen. Im Besonderen in der Fundation wird dem differenzierten Untergrund genügend Beachtung geschenkt. Für eine optimale Bauzeit ist der Anteil an Stahlbeton leicht negativ zu betrachten, kann aber über einen hohen Vorfertigungsgrad des Holzsystembaus teilweise kompensiert werden.

Die Vermischung der Fassadenkonstruktion, mit den tragenden Bauteilen in der Auskragung, wird in der weiteren Bearbeitung sorgfältig zu detaillieren sein. Der schützende Sockel, welcher das Holz gegen Spritzwasser und Schmutz schützt, fügt sich optisch gut ins Gesamtbild ein.

Funktionalität und Betrieb

Die beiden seitlichen Zugänge zur Schulhauserweiterung, am Weg zwischen Dorfstrasse und Bestandsgebäude, werden von den Benutzern sehr geschätzt. Ein Zugang kann bei Bedarf für die Tagesschule bzw. für die Anlieferung separat genutzt werden, während der andere als Haupteingang für die Schule dient. Der überdachte Aussenbereich ist von der Grösse angemessen und gut positioniert.

Die Aussenraumerweiterung südlich des Neubaus wirkt sorgfältig und altersgerecht gestaltet und die direkte Erschliessung von der Tagesschule und der Basisstufe zum Aussenbereich wird von den Benutzern geschätzt. Der westlich situierte Aussenraum zur Dorfstrasse erscheint jedoch zur Strasse hin zu «offen» und müsste für den Betrieb durch eine geeignete Massnahme vom Strassenraum abgetrennt werden.

Die innere Organisation des Erweiterungsbau wirkt schlüssig: die beiden Basisstufen sind nach Süden und Osten orientiert, die Tagesschule und die Aula nach Süden und Westen. Die Verteilung der Schulräume – jeweils kombiniert mit einem Gruppenraum – auf verschiedenen Ebenen fördert die Autonomie einzelner Klassen oder Tagesschulgruppen. Die kurzen Erschliessungswege zwischen den einzelnen Ebenen über je ein Halbgeschoss werden sehr geschätzt. Das Treppenhaus ist durch das grosse Oberlicht und den seitlichen Lichteinfall angenehm ausgeleuchtet. Die Aula erscheint gut proportioniert und wird durch die ansteigende Raumhöhe noch aufgewertet. Dasselbe gilt für den benachbarten Psychomotorikraum. Die verbindende Schiebetüre zwischen den beiden Räumen kann bei Klassenproduktionen als «Bühnenaufgang» genutzt werden.

Es besteht zudem die Möglichkeit, bei Bedarf später die beiden Räume zu einem einzigen grossen Saal zusammenzulegen. Im Erdgeschoss ist die Garderobe für die Basisstufe zu knapp dimensioniert.

Résumé

Das Projekt «Zündhöltzli» überzeugt durch seine städtebauliche Haltung und den Umgang mit dem denkmalgeschützten Kontext. Es schafft eine neue, verbindende starke Mitte zwischen Dorfkern und Schulanlage ohne die umliegenden bestehenden Gebäude zu konkurrenzieren. Im Inneren ist das architektonische Konzept sehr geschickt gelöst. Der Splitlevel vermag sowohl funktionell als auch bezüglich der hohen räumlichen Qualitäten zu überzeugen.

1. Rang / Ankauf «Neue Mitte»

Häring Holz- und Systembau AG, Eiken | MKCR Architekten, Zürich

Das erstrangierte Projekt «Neue Mitte» ist aufgrund wesentlicher Abweichungen von den Programmbestimmungen von der Preiserteilung ausgeschlossen. Es wird aufgrund der Qualität des Projektvorschlags von der Veranstalterin angekauft.

Mit eigentlich quartieruntypischen Seitenverhältnissen fügt sich der sehr gut proportionierte Körper des Neubaus selbstverständlich in die Situation ein und definiert respektive klärt zwei städtische Räume: der nach Süden hin offene Schulhof und der Strassenraum um den denkmalgeschützten Wohnstock. Es entsteht – dieser Haltung entsprechend – in Ost-West-Richtung eine reichhaltige Raumabfolge durch das Schulareal von schmaleren, längsgerichteten «Gassen» und quer dazu liegenden, weiten Plätzen. Die topografisch schwierige Stelle im Anschluss an die Dorfstrasse und zum Wabernstock hin lösen die Verfassenden im südlichen, oberen Bereich mit dem Erhalt der bestehenden Stützmauer, im nördlichen Bereich mit einer kleinen, platzartigen Mündung des Zugangsweges ins Schulareal. Durch den niedrig gehaltenen, zweigeschossigen Neubau mit einem flach geneigten Walmdach wird dem Wabernstock ausreichend Raum und Respekt geboten.

Die im Programm geforderten Nutzflächen für den Aussenraum sind effizient zugeordnet und grundsätzlich gut organisiert. Zudem bietet die Aussenraumgestaltung mit einfachen Mitteln eine hohe räumliche Qualität.

Die Jury ist zunächst angetan von diesem bescheidenen und gleichzeitig charaktervollen und aufgeräumten Entwurf der trotz seines rationellen Aufbaus eine sehr gute Einordnung findet. Aufgrund eines baurechtlichen Verstosses in der Bautiefe ist die Jury zur Einsicht gekommen, dass die notwendigen Anpassungen in der empfindlichen ortsbaulichen Einbindung eine gravierende Entkräftigung der beschriebenen Qualitäten erfährt.

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