Alterssiedlung «OMA 2020» Lenzburg

Einstufiger, anonymer Projektwettbewerb auf Einladung

Fachpreisrichter

  • Fred Zimmerli (dipl. Arch. FH / REG A / SIA, Verwaltungsrat OMA AG, Vorsitz Jury)
  • Helen Bisang (dipl. Arch. ETH / SIA / FSU, MAS Raumplanerin ETH, Leiterin Stadtbauamt Lenzburg, Stadtplanerin)
  • Barbara Burren (dipl. Arch. ETH / SIA / BSA)
  • Benedikt Graf (dipl. Arch. ETH / SIA)

Auslober

Obere Mühle Alterswohnungen AG


Organisation

Zimmerli + Partner Architekten AG

5600 Lenzburg

Aufgabenstellung

Die Mietwohnungen der Alterssiedlung Mühleweg 14-18 sind im Eigentum der Obere Mühle Alterswohnungen AG (OMA AG).

Die OMA AG verwaltet und vermietet Immobilien im Bereich des Wohnens im Alter zu moderaten Mietzinsen in enger Zusammenarbeit mit der Alterszentrum Obere Mühle AG (AZOM AG), welche das benachbarte Alterszentrum führt.

Die Alterssiedlung bestand ursprünglich aus vier pavillonartigen Wohnhäusern. Das Gebäude Mühleweg 12 musste dem Neubau des Alterszentrums weichen.

Die drei Wohnbauten Mühleweg 14-18 sowie die bereits abgebrochenen Wohnungen des Hauses Nr. 12 sollen etappenweise durch Neubauten ersetzt werden. Die heutigen Qualitäten (Weitblick aus allen Wohnungen, Massstäblichkeit, angenehme Atmosphäre) sollen erhalten bzw. gleichwertig neue gestaltet werden.

Es war folgender Wohnungsmix zu projektieren:

- 9 Einzimmerwohnungen

- 30 Zweizimmerwohnungen

Die spätere Zusammenlegung von jeweils drei Einzimmerwohnungen zu zwei Zweizimmerwohnungen soll möglich sein, um auf eine veränderte Nachfrage des Wohnungsmarktes reagieren zu können.

Empfehlung

Das Preisgericht empfiehlt der Bauherrschaft einstimmig das Projekt im 1. Rang «Opa Mühler» zur Weiterbearbeitung und Ausführung. In der Weiterbearbeitung sollten folgende Punkte verbessert werden:

- Das vorgeschlagene Vordach verträgt sich nicht mit der polygonalen Form des Baukörpers, eine Lösung mit einem Einzug in den Baukörper wäre zu bevorzugen.

- Die Wohnungen im Erdgeschoss sollten gegenüber dem Terrain leicht angehoben werden (Hochparterre).

- Für die beiden Eckwohnungen soll eine spezifische Lösung gesucht werden, mit einem Zugang ab der Halle sowie dem Einbezug der Seitenfassade für die Belichtung.

- Der Vorbereich vor dem Lift ist zu knapp und ungünstig gelegen (Kollision zwischen Eingang und Liftvorplatz).

- Die räumliche Verbindung zwischen der Halle und den beiden Terrassen soll verstärkt werden. Es soll geprüft werden, ob die engen Durchgänge nicht verbreitert werden müssen. Die Atmosphäre der Halle soll verbessert und der wohnliche Charakter verstärkt werden.

Siegerprojekt «Opa Mühler»

Einfügung ins Ortsbild und Freiraumqualitäten

Das Projekt überrascht mit dem Vorschlag, das ganze Raumprogramm in einem kompakten Volumen unterzubringen. Der Neubau, der durch seine Höhe und seine polygonale Form ein Gegenstück zum Altersheim bildet, wird ganz im Süden der Parzelle platziert, so dass zwischen den beiden ein maximal grosser Aussenraum aufgespannt wird, der auch die Obere Mühle und die Wohnbauten an der Wylgasse miteinbezieht. Durch die formale Verwandtschaft zwischen Pflegeheim und Neubau, setzten sich die beiden jedoch klar ab, von den Bauten der Mühle und der Hangbebauung und stärken so die Wahrnehmung der Auenlandschaft entlang des Aabachs. Trotz seiner Grösse verhält sich der Neubau wie ein abgeschliffener Stein im Fluss und lässt den Aussenraum fast ungehindert durchfliessen.

Architektonische Qualität

Der Zugang zum Gebäude erfolgt folgerichtig von der Nordseite her und führt über eine räumliche Verengung in eine innere Halle, die das Zentrum der Anlage bildet.

Auf der Südseite gelangt man über eine zweite Verengung wieder ins Freie. Die Idee, dass die innere Halle nicht abgeschlossen ist, sondern eine Ausweitung des Weges, der durch das Gebäude führt, wird sehr positiv beurteilt. Allerdings sind die beiden Verengungen zu knapp bemessen, so dass der Bezug der Halle nach aussen zu wenig wahrgenommen wird. Auch wenn vermutlich vorwiegend der Lift benutzt werden wird, ist die Anordnung der Treppen wichtig für die Attraktivität der Halle. Sie laden zum Begehen ein und verbinden die Geschosse räumlich miteinander.

Die Halle ist zwar räumlich von hoher Qualität, kann aber atmosphärisch nicht überzeugen. Die Materialisierung ist zu nüchtern und die Oberlichter sind für ein Wohngebäude unpassend. Eine stärkere räumliche Verbindung zwischen der Halle und den Wohnungen wäre zudem wünschenswert.

Das einfache Layout der Wohnungen erhält durch wenige geschickte Massnahmen Raffinesse und Grosszügigkeit: Die in die Wand eingelassene Küche, die Schiebetüre, welche die Verbindung von Wohnraum und Zimmer entlang der Fassade ermöglicht sowie der Rundlauf, der dadurch ermöglicht wird, führen zu einer überzeugenden Lösung.

Der Vorschlag für die Fassade mit vorgefertigten Holzelementen wird begrüsst, allerdings ist von dieser Konstruktionsweise in den dargestellten Ansichten noch sehr wenig zu erkennen. Generell wirkt die Fassade noch sehr schematisch, so ist es unverständlich, wieso an der Nord- und Südfassade keine Fenster zu den Wohnungen vorgesehen sind. Die tiefen Leibungen verstärken zwar die Plastizität der Fassade, die resultierenden glatten Fensterfronten zur Raumseite können hingegen nicht überzeugen. Das vorgeschlagene Vordach verträgt sich schlecht mit der polygonalen Form des Baukörpers.

Umsetzung Raumprogramm und funktionelle Vorgaben

Das verlangte Raumprogramm ist weitgehend erfüllt und attraktiv umgesetzt. Die Eingangssituation ist etwas knapp bemessen, insbesondere ist der Durchgang zwischen Windfang und Halle viel zu eng. Auch der Vorplatz vor dem Lift ist knapp und zudem ungünstig gelegen.

Die Wohnungen sind funktional, gut orientiert und erfüllen die Anforderungen an barrierefreies Wohnen. Allerdings sind die Reduits zu knapp bemessen und ungünstig proportioniert. Das Angebot von zwei Terrassen in den Obergeschossen als Erweiterung der Halle ist attraktiv, allerdings ist es nicht vertretbar, dass Wohnungen über die Terrassen erschlossen werden.

Wirtschaftlichkeit

Die sehr kompakte Anordnung des Raumprogramms in einem einzigen viergeschossigen Gebäude ist ausgesprochen effizient. Auch der Vorschlag für die Konstruktion mit Decken und Stützen aus Beton und einer Fassade aus vorgefertigten Holzelementen lässt eine wirtschaftliche Realisierung erwarten. In Bezug auf die erhobenen Realisierungskosten liegt das Projekt im Vergleich mit den übrigen Projekten im unteren Bereich.

Bauablauf und Etappierung

Die Positionierung des Neubaus im Süden ist betreffend Etappierung ungünstig, weil während der Bauzeit nur einer der bestehenden Bauten weiter betrieben werden kann. Auf der anderen Seite ist sehr positiv zu bewerten, dass mit dem kompakten Neubau ein effizienter Bauablauf und längerfristig günstige Betriebskosten erwartet werden können. Nach sorgfältiger Abwägung der Vor- und Nachteile kam die Jury zum Schluss, dass die längerfristigen Vorteile des Vorschlags überwiegen.

Gesamtwürdigung

Insgesamt besticht das Projekt durch eine überzeugende ortsbauliche Lösung und eine hohe Qualität der Aussenräume, die mit dem kompakten Baukörper erreicht werden.

Räumlich und für den sozialen Austausch interessant ist die Idee der inneren Halle, die als Ausweitung eines Weges durch das Haus formuliert ist und durch zwei Terrassen ergänzt wird.

Die Wohnungen sind einfach und funktional organisiert und erhalten durch wenige geschickte Massnahmen Raffinesse. Durch den kompakten Baukörper ist eine wirtschaftliche Realisierung zu erwarten.

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