Stählerne Präsenz

Studienwettbewerb Ziviler Flugplatz Dübendorf
Die Entwürfe für den Flugplatz Dübendorf werden sowohl der temporären als auch der repräsentativen Anforderung der Bauaufgabe mit unterschiedlichen Mitteln gerecht.

Mira Heiser Architektin

Sachpreisrichter

  • Fabio Hausmann (Verwaltungsratspräsident Flugplatz Dübendorf AG, Vorsitz, Geschäftsführer Premium Jet AG)
  • Claudio Lasagni (Verwaltungsrat Flugplatz Dübendorf AG, CEO Air Service Basel)
  • Andreas Lüthi (Verwaltungsrat Flugplatz Dübendorf AG, CFO und Mitglied GL Rega)

Fachpreisrichter

  • Peter C. Jakob (Bauart Architekten, Bern Zürich Neuenburg)
  • Gian-Marco Jenatsch (Staufer & Hasler Architekten, Frauenfeld)
  • Martin Keller (égü Landschaftsarchitekten, Zürich)

Auslober

Flugplatz Dübendorf AG


Mit der Verlagerung des zivilen Flugverkehrs nach Kloten wurde der im Jahre 1910 gegründete Flugplatz Dübendorf ab 1948 nur noch militärisch genutzt. Im September 2014 entschied der Bundesrat, den Flugplatz vorläufig auf 30 Jahre begrenzt «als ziviles Flugfeld mit Bundesbasis» zu nutzen, und ernannte die Flugplatz Dübendorf AG (FDAG) als Betreiberin. Im ehemaligen Flughafenkopf wird zwischen 2020 und 2050 zudem der Innovationspark entwickelt. Beide Nutzungen seien gemäss Bund und FDAG «sowohl räumlich als auch funktional miteinander vereinbar» und wiesen «erhebliche Synergiepotenziale» auf.

Der durch die Flugplatz Dübendorf AG entwickelte Masterplan formuliert einen Nord-Süd-orientierten, über 1 km langen «Strip» zwischen bestehender Flugpiste und neuer Erschliessungsstrasse. Als Terminalgebäude stellt das Business Aviation Center (BAC) das zentrale Element des Flughafens dar; das Betriebszentrum (BZ) ist das Hauptgebäude des luftseitigen Flugplatzbetriebs und steht in direkter Verbindung zum Tanklager. Östlich und westlich gliedern sich die Hangars an. Ein Gastronomiegebäude fungiert als öffentlicher Begegnungsort und als Bindeglied zwischen Geschäftsfliegerei und Leichtaviatik.

Den Unterbaurechtsnehmern stehen weitere Anlagen zur Verfügung: Gebäude der Unterhaltsbetriebe (MRO) im Westen, das General Aviation Center (GAC) im Osten und das Rega Center ganz im Westen. Anhand dieses im Masterplan formulierten Programms solle ein «unverwechselbares und identitätsstiftendes Gesamtkonzept» entstehen, das in Ausdruck und Konzeption die «Begeisterung und Inspiration an Technik, Mobilität und Fliegerei verkörpert». Für die Ausformulierung lud die FDAG sechs Architekturbüros ein, im Rahmen eines nicht anonymen einstufigen Studienwettbewerbs Projekte im Generalplanerteam zu entwickeln.

Die drei Projekte der zweiten Runde gehen mit ihren klaren Konstruktionsweisen auf die wichtige Anforderung des möglichen Rückbaus ein und entsprechen weitgehend der Nutzungsverteilung des Masterplans. Neben dem Zeichen des auskragenden Vordachs für Terminal- und Gastronomiegebäude formuliert jedes Projekt einen architektonischen Schwerpunkt, um dem Wunsch nach einer «unverwechselbaren Identität» nahe zu kommen.



Geformte Hülle

Das Siegerprojekt von Meier Hug schafft eine Akzentuierung der kompakten Einzelkörper über die Gliederung der Fassadenhülle. Der beidseitig der Erschliessungsstrasse «inszenierte Vegetationskörper» soll Teil des geplanten Flugplatzrundgangs (Fil-vert) werden und sich mit dem Innovationspark verbinden.

Das BAC ist entsprechend seiner Stellung an der Zufahrt axialsymmetrisch aufgebaut, es dominiert durch seine Höhe und seine abgespannten Vordächer. Der mittige Eingang führt ins Foyer, seitlich gruppieren sich die Betriebsräume, nördlich öffnet sich die doppelgeschosshohe Passagierlounge zum überdachten Vorfeld.

Als zweites akzentbildendes Gebäude fungiert das Gastronomiegebäude. Ein baumbestandener Vorplatz mit Wasserbecken leitet unter ein Vordach. Die strassenseitig gelagerten Serviceräume samt Küche lassen Raum für die nördlich zur Piste ausgerichteten Restauranträume im Erdgeschoss und die darüber angeordnete Aussichtsterrasse.

Die Hangars werden durch ein Raumfachwerk überspannt, das es erlaubt, in der luftseitigen Front auf nur eine Stütze zu setzen. Der je nach Nutzung unterschiedene strukturelle Aufbau – Betonskelett und Stahlbau – schafft in Zusammenhang mit der Gebäudehülle aus perforierten Trapezblechen «formstarke Volumen».



Räumliche Inszenierung

Das Projekt von Penzel Valier formt einen klaren Gegensatz zwischen Funktions- und Repräsentationsgebäuden. Die Erschliessungsstrasse soll sich als gemeinsamer Strassenraum des zukünftigen Innovationszentrums und des neuen Flughafens zum Stadtboulevard entwickeln. Das BAC wird als Zentrum der Anlage prominent gestaltet. Die Verfasser referenzieren den Entwurf für den Torre dei Ristoranti von Mario Ridolfi (1928): Kreisrunde Geschossscheiben stapeln sich in die Höhe und schaffen eine weite Auskragung über das Vorfeld.

Eine Rampe windet sich in das erste Obergeschoss, der Blick schweift luftseitig über das Flugfeld, ehe man ins Innere des BAC tritt. Eine geschwungene Treppe leitet ins Erdgeschoss zur Passagierlounge im Atrium. Das Gastronomiegebäude entwickelt sich als zweiter Akzent der Anlage ebenfalls in einer kreisrunden Grundrissform. Es ist wie das BAC leicht ins Vorfeld geschoben, um den Blick auf das Fluggeschehen zu optimieren. Die Stahlbauten sind in Steckmetall gehüllt, die statische Höhe des Raumfachwerks wird im Bereich der Auskragungen zelebriert.



Industrieller Charme

Das Projekt von Skop entwickelt eine dezente Unterscheidung zwischen Haupt- und Funktionsgebäuden. In Referenz an die Bauten aus der Pionierzeit mit ihren auf grosse Spannweiten ausgelegten Dachkonstruktionen entwickeln die Verfasser eine bewegte Silhouette. Das BAC ist über ein gemeinsames Dach mit dem BZ zusammengefasst, wodurch der Baukörper neben den grossräumigen Hangars, an Präsenz gewinnt. Ein weit ausladendes Vordach leitet ins Foyer und in die Besucherlounge. Beidseitig von Betriebsräumen flankiert, wird der Blick auf das Flugfeld gelenkt.

Das Gastronomiegebäude steht zurückgesetzt – über eine mittige Wendeltreppe wird das Restaurant samt Terrasse im ersten Obergeschoss erschlossen, die Ausblicke über das Flugfeld gewähren. Strassenseitige Einblicke in die Hangars sowie ihre unverhüllten Dachfachwerke machen die konstruktive Dimension der Bauaufgabe ablesbar. Durch eine verfeinerte Struktur und eine veredelte Materialisierung werden die publikumsorientierten Bauten hervorgehoben.



Konstruktion und Repräsentation

Das Siegerprojekt schafft es durch das Austarieren von konstruktiven, funktionalen und repräsentativen Belangen, den komplexen Anforderungen mit einer eigenen Sprache zu antworten. Während das Projekt von Skop mit seinem «unprätentiösen, teilweise industriellen Charakter» laut Jury im architektonischen Ausdruck gestärkt werden müsste und das Projekt von Penzel Valier durch seine ikonenhafte Setzung der Hauptgebäude «den Nachweis der Funktionalität nicht zu erbringen» vermöge, schaffe das Projekt von Meier Hug eine «gelungene Verbindung von Konstruktion und Ausdruck».

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