Neubau Hochschule für Wirtschaft FHNW Dreispitz Basel

Gesamtleistungswettbewerb im selektiven Verfahren

Sachpreisrichter

  • Barbara Rentsch (Leiterin Portfoliomanagement, Immobilien Basel-Stadt)
  • Martin Weis (Leiter Liegenschaften, Christoph Merian Stiftung, Basel)
  • Raymond Weisskopf (Vizepräsident FHNW)
  • Christian Mehlisch (Leiter Verwaltungsvermögen, Portfoliomanagement, Immobilien Basel-Stadt)

Fachpreisrichter

  • Beat Aeberhard (Kantonsbaumeister Basel-Stadt, Vorsitz)
  • David Leuthold (pool Architekten, Zürich)
  • Meinrad Morger (Morger Partner Architekten, Basel)
  • Rainer Klostermann (Feddersen & Klostermann Architekten, Zürich)
  • Daniel Wentzlaff (Nissen Wentzlaff Architekten, Basel)
  • Thomas Blanckarts (Leiter Hochbauamt Basel-Stadt)

Auslober

Finanzdepartement des Kantons Basel-StadtImmobilien Basel-Stadt, Portfoliomanagement


Für die Hochschule für Wirtschaft (HSW) der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) soll in Basel ein neuer Standort erstellt werden, da die heute am Peter-Merian-Weg 86 belegten Flächen knapp sind und der Mietvertrag ausläuft. Als neuer Standort ist das aktuell noch von der Firma Thüring AG belegte Areal an der Reinacherstrasse 111 in Basel vorgesehen. Knapp 1‘200 Studierende in den Studiengängen Betriebsökonomie, Business Information Technology und International Business Management und rund 150 Mitarbeitende sollen dort in einem Neubau einen Arbeits- oder Studienplatz finden.

Das Konkurrenzverfahren wurde in Form eines anonymen, selektiven Gesamtleistungswettbewerbes für Totalunternehmerteams mit offener Ausschreibung nach GATT/WTO durchgeführt. Aus zehn Bewerbungen wurden fünf Teams präqualifiziert und zur Teilnahme am Gesamtleistungswettbewerb eingeladen.

Rangierte Projekte

1. Rang «Ideenwerkstatt»

Mit dem Charme einer riesigen, gestapelten Kiste sucht sich das Schulgebäude seinen Platz in den engen Gassen des ehemaligen Industriequartiers Dreispitz. An den strukturell vorgegebenen Zugangsorten werden zwei Plätze geschaffen. Besonders fällt die Seite zur Reinacherstrasse auf, wo mit dem Teilerhalt der alten Bebauung eine lokale Identität mit Vergangenheitsbezug gesichert wird. Die im kleinen Altbau vorgeschlagene Nutzung mit Startup Cluster mag etwas ironisch gemeint sein, atmosphärisch ist das immerhin ein guter Vorsatz. Die beiden Haupteingänge der Schule öffnen sich grosszügig und einladend zu studentischen Arbeitsräumen im Osten und einem Gästeraum mit dem gastronomischen Angebot im Westen.

Dazwischen erstreckt sich über die ganze Südseite ein Foyer mit Empfang und den Vorbereichen zur Aula und zwei Vorlesungssälen. Umrahmt werden diese von den beiden Treppentürmen, die als Raumskulpturen gedacht zwei sehr schöne Akzente in der Längsstruktur setzen. Das Erdgeschoss erfährt damit eine Überlagerung von einer symmetrischen Anordnung mit den repräsentativen Haupträumen und der seriellen Aufreihung der kleineren Gruppenräume bis hin zu den Büros im obersten Geschoss. Trotzdem spiegelt sich die symmetrische Anordnung der Schule durch alle Geschosse hindurch. Es ergibt sich so ein einfacher Aufbau mit hohen Räumen im Erdgeschoss für grosse Personenansammlungen und einer stufenweisen Vereinzelung in die niedrigeren Obergeschosse, von Unterrichts- über Gruppenräumen, bis hin zu den kleinen Büros ganz oben.

2. Rang «Zwischen Prag und Bordeaux»

Die Setzung des Gebäudes mit zwei etwa gleichwertigen Vorplätzen an der Reinacherstrasse und in Richtung Münchensteinerstrasse ist überzeugend. Die Unterrichtsräume im Erdgeschoss liegen unter der Eingangsebene und sind über einen Mittelflur erschlossen. Das Gebäude hat somit entlang der Bordeaux- und der Pragstrasse kaum Interaktion mit seinem Umfeld. Eine Entscheidung, die vor dem Hintergrund der angestrebten Transformation des Gevierts eingehend diskutiert wird. Die Fassaden überschreiten jeweils an der Giebelseite und im Bereich des obersten, umlaufenden Betonbandes das zulässige Gebäudeprofil. Dies kann jedoch geheilt werden.

Indem die Eingangsebene in das erste Obergeschoss, das «Piano Nobile» gelegt wird, hebt sich die neue HSW als öffentliche Bildungsinstitution aus ihrem unmittelbaren Kontext und gewinnt an Ausstrahlung. Die Darstellungen zeigen eindrücklich, welches Potential in dieser Idee steckt: Die beiden Giebelfassaden werden als transparente Eingangsfassaden mit attraktiven, vorgelagerten Terrassen formuliert. Hier sind jeweils die Cafeteria (Osten) und Restaurant (Westen) sowie die Vortragsräume und der Hörsaal angeordnet. Vom Eingangsgeschoss aus sind die nächsten drei Obergeschosse über ein zentrales Atrium erschlossen. Somit erfasst der Besucher das Gebäude auf einen Blick, das «Piano Nobile» wird auch im Gebäudeinneren zur Plattform für Kommunikation und Orientierung.

3. Rang «Economarium®»

Das neue Schulgebäude, ein sehr langgestrecktes, sechsgeschossiges Volumen, belegt die schmale Baupar- zelle mit beachtlich grossem Fussabdruck. Die Grossform, ein einfaches Rechteck mit dem Seitenverhältnis von 7 zu 1, verzichtet auf jegliche volumetrische Reaktion auf die gebaute Stadt. Bedingt durch seine enorme Länge verbleibt an den beiden Stirnseiten nur wenig Raum, um dieses neue Haus ins städtische Gefüge einzubinden. Mit nahezu identischen Stirnfassaden zeigt sich die neue Schule sowohl an der Reinacherstrasse wie auch am Bordeaux-Platz. Hier soll der primäre Auftritt der Fachhochschule erfolgen, an der Reinacherstrasse wird mit einer minimalen Erweiterung des Strassenraumes, einer fast zufälligen Vorzone, der Auftakt zum zweiten Haupteingang formuliert. Die Verfasser konzipieren eine janusköpfige Struktur, in der sie die Schule als Cluster von Strassen, Plätzen und Häusern inhouse stapeln.

4. Rang «Startup»

In Anlehnung an die gewerblich industrielle Vergangenheit des Dreispitzareals wird ein Projekt entwickelt, das konsequent und bei jedem Entscheidungsschritt an das Wesen und die Handlungsweisen des Ortes referenziert. Volumetrie, Ausdruck, Struktur, Fertigungsmethoden und Typologie folgen den rationalen Prinzipien eines Gewerbebaues.

Der unter einem markanten Doppel-Shed liegende, langgezogene Baukörper nimmt sich auf Seiten der Reinacherstrasse vornehm zugunsten des bestehenden Direktorenhauses zurück und schafft so einen städtischen Aussenraum mit hohen räumlichen und atmosphärischen Qualitäten am Zweiteingang der Schule. Dass die Gastronomie auf diesen Platz ausgerichtet wird und die Besonnung optimal ist, weist auf die Bedeutung und die hohe aussenräumliche Attraktivität hin, die an dieser Schnittstelle zum Wohnquartier entstehen kann.

5. Rang «Thinktank»

"Ein langgestreckter vier- bzw. fünfgeschossiger (Erweiterung) Baukörper folgt dreiseitig den vorgegebenen Baulinien. Einzig zur Ostseite nimmt er sich zurück, um einen Vorplatz zu schaffen, der jedoch durch Treppen und Rampen seine Grosszügigkeit ein wenig verliert. Das Gebäude bildet keinen reinen Quader. Seine kubische Erscheinung zeichnet sich vielmehr durch intuitiv gesetzte Rück-Staffelungen aus, deren Setzungen teilweise nicht nachvollziehbar sind. Die vom Äusseren her bestimmte Form findet im Innern keine logische Entsprechung. Dies zeigt sich vor allem in den Raum-Geometrien an den beiden Kopfenden.

Die Fassade besteht aus modularen Fassadenelementen mit Holz-Metallfenstern und aluminiumverkleideten vertikalen Lisenen und horizontalen Bändern. In ihrer Gestalt und Materialwahl schafft sie, entgegen dem Erläuterungsbericht der Autoren, kaum einen Bezug zur Ästhetik industrieller Bauten. Im Gegenteil: der architektonische Ausdruck erscheint ortsfremd, unspezifisch und in ihrem «auflockernden» Spiel ein wenig beliebig.

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