Neubau Schulhaus Brühl 3 Gebenstorf

Projektwettbewerb im selektiven Verfahren für Generalplaner

Sachpreisrichter

  • Cécile Anner (Vertreterin Gemeinderat)
  • Urs Bätschmann (Ersatz)
  • Sven Geissler (Vertreter Schulpflege)
  • André Heim (Ersatz)
  • George Humbel (Vertreter Bevölkerung)
  • Reto Menz (Ersatz)

Fachpreisrichter

  • Markus Fankhauser (BEM Architekten, Baden)
  • Beatrice Friedli (Klötzli Friedli Landschaftsarchitekten, Bern)
  • Rolf Meier (Meier Leder Architekten, Baden)
  • Anne Uhlmann (BUR Architekten, Zürich)
  • Marcel Stierli (Bau und Planung, Gebenstorf, Ersatz)

Auslober

Einwohnergemeinde Gebenstorf


Organisation

Metron Raumentwicklung, Brugg

Ausgangslage

Die Gemeinde Gebenstorf verzeichnet steigende Schülerzahlen. Es bedarf an zusätzlichem Schulraum. Nach der Prüfung und Bewertung von verschiedenen Varianten zur Unterbringung der erforderlichen Flächen hat der Gemeinderat entschieden, die Variante mit einem Neubau auf dem Schulareal Brühl weiterzuverfolgen.

Der Neubau soll in zwei Etappen realisiert werden. In der ersten Bauetappe sind Flächen für 10 Abteilungen (Klassen) vorgesehen, die zweite Etappe umfasst Flächen für 6 Abteilungen.

Das Schulareal Brühl umfasst heute die Schulhäuser Brühl 1 und Brühl 2 sowie die Mehrzweckhalle. Das Areal befindet sich gemäss Zonenplan der Gemeinde Gebenstorf in der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen (OeB). Derzeit steht der Schule eine Fläche von ca. 30‘000 m2 zur Verfügung. Mit dem Projektwettbewerb soll für die Erweiterung der Schulanlage Brühl eine städtebaulich, architektonisch, betrieblich und wirtschaftlich adäquate Lösung gefunden werden.

Empfehlungen

Das Preisgericht empfiehlt einstimmig das Projekt «Hotzenplotz» zur weiteren Bearbeitung und zur Ausführung. Dabei werden folgende Empfehlungen für die weitere Überarbeitung des Projektes abgegeben:

- Die genaue Positionierung des Gebäudes ist hinsichtlich der Wertigkeit der Aussenräume zu überprüfen.

- Das Projekt ist bezüglich der Erstellungskosten zu optimieren. Dabei könnten insbesondere folgende Faktoren eine Rolle spielen: Fassadengestaltung hinsichtlich der Abwicklung (Fassadenversätze), Lichthöfe, Flächenangebot / Flächeneffizienz.

- Weiterhin ist das Projekt in Hinblick auf die zukünftigen Betriebskosten zu überprüfen. In diesem Zusammenhang sollte ein besonderes Augenmerk auf die Reinigungskosten gelegt werden; ein oberer Abschluss der Lichthöfe wird empfohlen.

- Betreffend Haustechnik sollte im Zuge der weiteren Bearbeitung ein Automatisierungskonzept erstellt werden. Das Konzept der Wärmeerzeugung ist weiterzuentwickeln, die Heizraumfläche muss überprüft werden. Des Weiteren ist die Lage des Wechselrichterraums zu prüfen.

Rangierte Projekte

1. Rang «Hotzenplotz»

Das Projekt Hotzenplotz verkoppelt die beiden Etappen in ein langgezogenes Volumen parallel zur Mehrzweckhalle und orientiert sich in Körnung und ortsbaulicher Setzung an der bestehenden Anlage. Die beiden typologisch analogen Volumen der Etappe 1 und 2 werden addiert und präzise auf die Gebäudefluchten der bestehenden Mehrzweckhalle sowie des Schulhauses Brühl 2 ausgerichtet. Diese formale Strenge ist nachvollziehbar, erscheint aber nicht unbedingt zwingend. Daraus resultiert ein eher knapp bemessener mehrzweckhallenseitiger Aussenraum.

Die Körnigkeit, die fein gegliederte Volumetrie und insbesondere die Gliederung der beiden Baukörper der ersten und zweiten Etappe vermitteln angemessen, stimmig und massstäblich zwischen der Schulanlage und der südöstlich angrenzenden Wohnbebauung. Die zweite Etappe kann nahezu unabhängig von der ersten Etappe erstellt werden. Durch die obergeschossigen Verbindungen und die weitergeführte Typologie kann die Zuteilung der Räume zu den Schulstufen im Endausbau elegant variabel bespielt werden und lässt eine hohe Nutzungsflexibilität zu. Es entsteht im Endausbau betrieblich und atmosphärisch ein Schulgebäude Brühl 3 mit eigenem architektonischen Ausdruck und Identität.

Das Schulgebäude wird durch die eingeschossig in den Aussenraum ausgreifende Pausenhalle an den bestehenden, zentralen, für die jetzige Schulanlage prägenden Platzraum adressiert. Die beidseitig angegliederten Hart- und Grünaussenräume werden über weitere in das Volumen eingeschnittene Pausenhallen mit der inneren, zentralen Erschliessungswelt verbunden. Sie lassen eine stufengerechte, massstäbliche, atmosphärische Verbindung zwischen Innen- und Aussenwelt erwarten. Gleichzeitig ist diese Erschliessungsvielfalt bezüglich Übersichtlichkeit und Kontrollierbarkeit nicht unproblematisch.

Das Projekt Hotzenplotz weist eine durchdachte Gesamtkonzeption und eine ältige, reichhaltige und umfassende Bearbeitungstiefe auf. Die Projektverfasser haben eine zweckmässige, präzise Antwort für eine pädagogisch zeitgemässe und räumlich äusserst spannende Lernwerkstatt entwickelt, welche in hohem Masse die Anforderungen der Benutzerinnen und Benutzer erfüllt.

2. Rang «Cap & Capper»

Die Verfassenden entscheiden sich für zwei längliche, versetzt zueinander stehende viergeschossige Baukörper, die in volumetrischer Erscheinung bis auf die Höhen den bereits bestehenden Bauten angeglichen sind. Die neue Kubatur fügt sich gut in die bestehende Anlage ein und schafft ein angemessenes Verhältnis von Freiraum zu überbautem Raum.

Der konzeptionelle Entscheid, die Schule auf vier Geschossen zu organisieren, wirkt sich hingegen für die benachbarten Bauten eher negativ aus. Trotz der geschickten Staffelung der Gebäude wünschte man sich für die vier Geschosse mehr Raum.

Eine Abfolge von wohlproportionierten Pausenbereichen prägt das Wesen der Schule. Mit der Setzung der beiden neuen Schulhäuser entsteht ein gut proportionierter Pausenhof, der als Weiterentwicklung des bestehenden Pausenplatzes verstanden wird. Beide Eingänge der Schulhäuser sind auf diesen gerichtet und mit einem gedeckten Dach überspannt, das zum Verweilen einlädt.

Der eingelassene, mit Bäumen bepflanzte Kiesplatz betont die Mitte und zoniert den Raum. Zwischen den beiden Gebäuden wird der Anschluss zum Rückzugsgarten, ein mit Hügeln modellierten Naturraum für die Unterstufe, ermöglicht. Er wird von der Sportplatzstrasse mit den neuen Veloabstellplatzen abgeschirmt. Auf der Stirnseite des Schulhauses der ersten Etappe ist angrenzend der Aussensitzplatz der Lehrpersonen angeordnet. Mit wenigen Elementen wird das Aussenraumkonzept im Sinn und Geist der bestehenden Anlage vervollständigt.

Das Projekt «Cap & Capper» vermag beim ersten Blick auf ortsbaulicher als auch auf funktionaler und architektonischer Ebene zu überzeugen. Es entsteht eine übersichtliche und grosszügige Schulanlage. Die einfache Organisation der Cluster ist gut gelöst und erlaubt eine erweiterte Nutzung der Garderobenbereiche. Bei längerer Betrachtung wirkt sich jedoch der Entscheid, die Schule auf vier Geschossen zu organisieren, negativ aus. Die entspannte Höhenentwicklung der bestehenden Schulbauten kommt in ein Ungleichgewicht und die Nähe zu den benachbarten Wohnhäusern wird kritisch gelesen.

3. Rang «Gebin»

Das längliche Gebäudevolumen der 1. Etappe nimmt mit seinen drei Geschossen einen angemessenen Abstand zu den benachbarten Wohnhäusern ein. Zur bestehenden Mehrzweckhalle wird gleichzeitig ein neuer Platz freigespielt, welcher einen überzeugenden Übergang zum bestehenden Pausenplatz schafft. Das Gebäude der 2. Etappe bildet durch seine versetzte Position einen klaren, räumlichen Abschluss zur Sportplatzstrasse. Gleichzeitig wird dadurch aber eine allfällige künftige Schulentwicklung Richtung Südwesten etwas eingeschränkt.

Durch die Setzung mit Einzelvolumen können beide Etappen ohne Störungen auf den laufenden Schulbetrieb umgesetzt werden. Folgerichtig werden die beiden Neubauten über gedeckte Vorzonen vom neuen Pausenplatz aus erschlossen. Durch eine Rampe wird ein erhöhtes Erdgeschoss generiert, wodurch sich das Schulhaus sehr gut in das vorhandene Terrain einpasst.

Der längliche Pausenhof wird als Fortführung des bestehenden Pausenhofs gelesen. Er wird mit zwei ebenfalls länglichen, baumbepflanzten Plätzen je mit einem Kunststoffbelag und einem Mergelbelag zoniert und gegliedert. Der eine Platz ist mit zahlreichen Spielobjekten ausgestattet und dient der Unterstufe als Spielplatz, der andere ist leicht vertieft und dient als Aufenthaltsbereich.

Gesamthaft bietet das Projekt «Gebin» einen wertvollen Beitrag zur gestellten Aufgabe. Die städtebauliche Setzung überzeugt, obwohl der künftigen Entwicklung etwas zu wenig Beachtung geschenkt wurde. Im Innern werden die intelligenten Überlegungen zur mittleren Raumzone zwischen den Klassenzimmern gewürdigt. Die äussere Erscheinung hingegen hat zu kontroversen Diskussionen geführt. Obwohl der architektonische Ausdruck ein nachvollziehbares Abbild seiner Konstruktion zeigt, wird letztendlich seine formale Erscheinung als überzeichnet und innerhalb der gesamten Schulanlage als nicht angemessen empfunden.

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