Erweiterung Schulcampus Dorf Binningen

Anonymer, einstufiger Projektwettbewerb im offenen Verfahren

Sachpreisrichter

  • Philippe Meerwein (Architekt Gemeinderat Bildung)
  • Eva-Maria Bonetti (Ökonomin Gemeinderätin Hochbau und Ortsplanung)
  • Stefan Brugger (Ökonom Gemeinde, Leiter Bildung, Kultur und Sport)
  • Rolf Kämpf (Pädagoge ehemaliger Schulraumplaner Kanton BL)
  • Lukas Beglinger (Vorsteher Meiriackerschulhaus)

Fachpreisrichter

  • Monika Jauch-Stolz (Architektin, Luzern)
  • Marco Frigerio (Kantonsarchitekt BL)
  • Paola Maranta (Architektin, Basel)
  • Luca Selva (Architekt, Basel)
  • Rainer Zulauf (Landschaftsarchitekt, Baden)
  • Andreas Reuter (Architekt, Basel)

Auslober

Gemeinde Binningen, Abteilung Bildung, Kultur und Sport




Nach der vom Einwohnerrat angestossenen Testplanung für die Neugestaltung des Dorfkerns und Realisierung eines Schulhauses mit Kindergärten wurde ab Sommer 2016 ein offener Wettbewerb vorbereitet, welcher anfangs Februar 2017 zur Teilnahme publiziert wurde. Im August und September 2017 nahm die Jury die Beurteilung der eingereichten Projekte vor. Die Jury hat in vier Schritten die 58 eingereichten Projekte beurteilt.

Das Projekt «Enno» des Planerteams ARGE Weyell Zipse Architekten & Hörner Architekten, Basel und August + Margrit Künzel Landschaftsarchitekten AG, Binningen wurde von der Jury zum Gewinner erkoren. Das Projekt weist mit Abstand die besten Qualitäten und genügend Robustheit für die weiteren Bearbeitungsschritte auf. Das Projekt, am Nordende des heutigen Kunstrasenfeldes positioniert, überzeugt durch seine städtebauliche Lage und die Kompaktheit der Konstruktion.

Rangierte Projekte

1. Rang «Enno»

Der Projektvorschlag zeichnet sich durch wenige, präzise bauliche und landschaftsarchitektonische Eingriffe aus, welche die städtebauliche Situation im Dorfzentrum von Binningen klären. Die bestehenden Schulhäuser Pestalozzi und Margarethen bleiben in ihrer Form bestehen und bilden die Ausgangslage. Ein sämtliche Nutzungen integrierender Neubau wird sorgfältig in das bestehende Gefüge eingepasst und bildet mit den beiden Schulhäusern ein stimmiges Ensemble.

Die heutigen Grünelemente, Bäume und Hecken werden ergänzt und zu einem neuen Ganzen zusammengefügt. Mit der geschickten Platzierung des Neubaus im Nordosten des Perimeters werden vielfältige Plätze und Freiräume geschaffen. Sie lassen unterschiedliche öffentliche Nutzungen wie Wochenmarkt, Dorfanlässe oder ein Boulespiel zu. Für die Schulnutzung bieten sie angemessene Spiel- und Rückzugsmöglichkeiten und sind in ihrer Stimmung vielversprechend. Der vorgeschlagene baumbestandene Platz zwischen Pestalozzi- und Margarethen Schulhaus verbindet letztere und stellt deren identitätsstiftende Wirkung wieder her. Die für Binningen typische Terrassierung bleibt erhalten und Dorfplatz- und Rasenfeldterrasse werden durch eine langgezogene Rampe sinnfällig verbunden. Die vorgeschlagenen Sitzstufen zum Rasenplatz sind eine im Dorfleben wichtige Ergänzung im vorgeschlagenen Aussenraumangebot.

Die Verfasser verteilen die Schulnutzungen auf die drei Schulhäuser. Die Tagesstruktur im Pestalozzi-Schulhaus unterzubringen ist sinnvoll. Aufwendige Umbauten können damit umgangen werden und es entsteht eine klare Adressbildung. Die Konzentration der Unterrichtsnutzungen im Margarethen Schulhaus und im gegenüberliegenden Neubau vereinfachen die Orientierung auf dem Schulcampus.

In überzeugender Weise zeigt der Vorschlag auf, wie mit wenigen Massnahmen aus einer städtebaulichen Problemsituation, eine neue räumliche Qualität geschaffen werden kann. Der Neubau wird zum Zentrum für die Kindergarten- und Schulkinder mit entsprechend interessanten Aussenräumen. Das neue Schulhaus schafft es, zum zeitgemässen identitätsstiftenden Bezugsort zu werden und mischt sich gleichwertig unter die Schulhäuser früherer Generationen.

Der architektonische Ausdruck des Neubaus in Beton und Holz, sowie die spezifische Befensterung und Farbigkeit widerspiegeln die Nutzung und verorten den Vorschlag im qualitätsvollen Bestand vorbildlich. In diesem Sinn vertritt der Entwurf eine klare architektonisch städtebauliche Haltung, die in selbstverständlicher Weise das Dorfzentrum von Binningen aufwertet.

2. Rang «Arne»

Zwei Baukörper spannen gemeinsam mit dem bestehenden Margarethen Schulhaus verschiedene Freiräume auf. Durch die Setzung der Neubauten an die Geländekante wird zudem die markante Terrassierung zusätzlich akzentuiert. Dorfplatz, Pausenplatz und Rasenfeld bilden individuelle, voneinander abgegrenzte Freiräume, deren Situierung im Zentrum von Binningen sinnvoll erscheint. Die Anbindung des Dorfplatzes vermag aufgrund der trennenden Wirkung des Schulgebäudes hingegen nicht zu überzeugen. Als Auftakt im Süden wirkt er isoliert und wird seiner zentralen Rolle im öffentlichen Raum kaum gerecht.

Die Qualität des Projekts liegt in der Vielfalt und Funktionalität der sorgfältig bearbeiteten Grundrisse. Die Setzung der beiden Neubauten schafft abwechslungsreiche Freiräume, wobei jedoch insbesondere die Trennung von Pausenplatz und Dorfplatz die Jury nicht zu überzeugen vermag.

3. Rang «Die drei Musketiere»

Die Verfasserinnen und Verfasser des vorliegenden Projektes unternehmen den anspruchsvollen Versuch, das ganze Bauvolumen für die Schule, den Kindergarten und die beiden Turnhallen in einem grossen Volumen im westlichen Bereich der mittleren Terrasse anzuordnen um damit die vorgefundene Topographie auf nachvollziehbare Weise zu thematisieren und in ihrem Wesen zu stärken.

Folgerichtig liegen die Eingänge zu Schule und Aula auf Platzniveau, wo sie zur Stärkung der Idee des Dorfplatzes beitragen. Auf der Basis dieser klaren Haltung entsteht bezüglich des Dorfplatzes eine selbstverständliche und städtebaulich richtige Setzung, die sich als Teil der vorhandenen räumlichen Ordnung versteht, in der auch die Zufahrt zur (erweiterbaren) Einstellhalle zweckmässig gelöst ist und den notwendigen Nutzungsspielraum lässt. Auch die weiteren geforderten Aussenräume sowie die bestehenden beiden Schulhäuser weben sich entspannt in den Entwurf ein und versprechen eine stabile Grundlage für die neuen Programmteile.

Hier zeigt sich, dass ein faszinierendes Konzept mit einer vielversprechenden Ausgangslage auf der Ebene der Umsetzung des Programmes bedauerlicherweise gewichtige offene Fragen aufweist. Die Grundrisse sind leider teilweise ungelöst, führen zu betrieblichen Inkonvenienzen und relativieren somit die offensichtlichen städtebaulichen Qualitäten in einem erheblichen Mass und können in der vorliegenden Form den gestellten Anforderungen nicht folgen.

4. Rang «Die Gebrüder Grimm»

Die Verfasser beziehen sich bei der Positionierung der neuen Gebäude auf die Testplanung. Das Schulhaus wird zwischen Margarethen Schulhaus und Pestalozzi Schulhaus gesetzt, so dass eine Dreiergruppe von Schulhäusern entsteht. Es ist allseitig gerichtet und vermittelt auch in der Fassadengestaltung einen ähnlichen Habitus wie die Margarethenschule, bleibt aber in seiner Höhenentwicklung deutlich unter den beiden Nachbargebäuden. In der Gruppe wirkt sich das etwas seltsam aus - die Mitte ist geduckt, versucht aber trotzdem eine Eigenständigkeit zu behaupten.

Die Kindergärten, auf der Ebene des Sportplatzes, sind in einem dreiflügeligen Bau auf zwei Geschossen angeordnet. Sie reagieren auf eine angenehme Art in ihrem Massstab auf die umgebenden Gebäude.

Die hintereinander geschalteten Turnhallen und die Tagesstrukturen sind im Sockel des Pausenplatzes untergebracht und orientieren sich zum Sportplatz. Somit finden die verschiedenen Schulaktivitäten auf zwei Ebenen statt, die über zwei laterale Treppenanlagen miteinander verbunden werden.

Das Layout lässt oberirdisch kleine, kompakte Volumen erscheinen. In den Untergeschossen hingegen ist das Volumenaufkommen sehr hoch - es entsteht eine Eisbergartige Situation, die sich auch negativ auf die Kosten auswirken wird.

Der Ansatz, eine Abfolge von Schulhäusern auf eine Gelände-Plattform zu stellen schliesst die anderen schulischen Nutzungen aus und verkompliziert deren Auffindbarkeiten.

5. Rang «Lina & Pietro»

Der Beitrag gründet auf einer starken städtebaulichen Entscheidung. Der bestehende Turnhallenbau wird ersetzt durch ein Haus, ein grosses Haus, das sozusagen das ganze geforderte Raumprogramm unter einem Dach vereint. Die beiden bestehenden Schulhäuser bleiben erhalten und werden sehr zurückhaltend an die neuen Bedürfnisse angepasst. Diese neue Baute überformt die Geländekante von der Schul-/ Dorfplatzebene hinunter zur Sport- terrasse. Es gelingt den Verfassern eindrücklich, auf der einen Seite einen Platzraum für die geforderten schulischen wie aber auch dorforientierten Nutzungen aufzuspannen, auf der andern Seite die ortsprägende Terrassierung unaufgeregt zu erhalten, wenn nicht sogar mit geeigneten Mitteln wie der grossen Freitreppe zu stärken.

Gut gewählte Freiraumelemente und Intarsien unterstreichen die Mechanik der entstehenden Raum- und Ebenenabfolge, der Raumübergänge und optimieren die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten. Alles eigentlich fast wie gewachsen, fehlerlos. Das abgesetzte neue Haus macht sogar der nordwestlichen Nachbarschaft ein kaum ausschlagbares Angebot an räumlicher Offenheit.

Der zweite Blick lässt doch ein paar Fragen zu. Eher störend und nur funktional an einem wichtigen Zugangspunkt gesetzt die Kleinbaute mit der TG-Einfahrt, wie aber auch der als städtebaulich Massstabsbruch taxierbare Übergang zu den klein strukturierten Bauten an der Curt Goetz-Strasse sehr hart ist. Dann die Tatsache, dass der ganze neue Platzraum unterbaut werden muss und somit die Ausgestaltung einschränkt und nur noch Grünelemente in einem Topf zulässt.

Diesem überzeugenden Beitragsteil steht ein Vorschlag für das neue Schulgebäude gegenüber, der architektonisch dieses Niveau bedauerlicherweise nicht erreicht. Nicht vernachlässigbar ist auch bei diesem Beitrag die Tatsache, dass mit dem fast mittig im bestehenden Areal entstehenden Neubau während der Bauzeit erhebliche Beeinträchtigungen des parallel weiterlaufenden Schulbetriebes kaum zu vermeiden sind.

6. Rang «Neumarkt»

Die Verfasser bewerten die bestehende Situation mit den beiden bestehenden Schulhäusern und dem Dorfplatz als qualitätsvoll und robust und erhalten folgerichtig beide Gebäude.

Durch die Setzung eines dritten kompakten Volumens an der neu definierten Terrassenkante wollen sie ein identitätsstiftendes Dreigestirn und damit ein neues Zentrum für Binningen schaffen.

Diese Setzung wird allerdings ergänzt durch diverse weitere Elemente wie eine Überdachung auf dem grossen (Markt-)Platz, einen kleinen Kopfbau am nördlichen Ende des Platzes und einem weiteren Ersatzneubau, welche zwei Kindergärten aufnimmt. Das viergeschossige kompakte Hauptvolumen tritt auf Platzniveau mit drei Vollgeschossen in Erscheinung und bleibt damit unter der Traufkante der bestehenden Schulhäuser, was zu einer guten volumetrischen Einbindung in die bestehende Baustruktur führt. Allerdings führt dieser Ansatz und das im Vergleich kleine Volumen dazu, dass erhebliche Teile der Nutzungen unterirdisch in den weitläufigen Sockel unter der Platzfläche angeordnet werden müssen.

Das Projekt Neumarkt interessiert zunächst durch die Setzung des kompakten Hauptvolumens und das daraus resultierende Potential für spannende Aussenräume. Allerdings bedingt die Setzung und vor allem das geringe Volumen des Neubaus eine weitläufige und an diesem Ort und für Schulnutzung fremd wirkende Abfolge von Raumsequenzen, Stichgängen und Foyers im unterirdischen Sockel. Innenräumliche Qualitäten der Neu- und Ergänzungsbauten im sind erst im Ansatz erkennbar.

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