Pflegezentrum «In der Au» Volketswil

Projektwettbewerb im selektiven Verfahren

Sachpreisrichter

  • Beat Fellmann (Verwaltungsratspräsident VitaFutura AG)
  • Olaf Toggenburger (Geschäftsführer VitaFutura AG)
  • Verena Schaufelberger (Pflegeexpertin, Volketswil)

Fachpreisrichter

  • Martin Eicher (asa Arbeitsgruppe für Siedlungsplanung und Architektur, Rapperswil, Moderation)
  • Christoph Kaech (fsp Architekten AG, Spreitenbach)
  • Felix Bohn (Beratung für alters- und demenzgerech tes Bauen und Wohnen im Alter, Zürich)
  • Urs Solèr (werkteam architekten ag, Volketswil)
  • Rita Mettler (Mettler Landschaftsarchitektur AG, Gossau SG)

Auslober

VitaFutura AG


Organisation

Keller Partner Bauberater AG, Uster

Ziele Bauprojekt

Im Neubau des Pflegezentrums «In der Au» soll primär die stationäre pflegerischer und/oder betreuerischer Unterstützung angeboten werden.

Das Ziel für das Bauprojekt ist:

– Abwechslungsreiche Wohnatmosphäre für die betagten pflegebedürftigen Bewohnenden

– Angenehmer Arbeitsplatz für Mitarbeitende

– Städtebaulich, architektonisch und aussenräumlich qualitätsvolle Bauten

– Optimale Layouts und Konzepte, die das vorgeschriebene Raumprogramm und die formulierten Anforderungen bestmöglich umsetzen.

– Wirtschaftlich vorbildlich (niedrige Erstellungskosten, kostengünstiger Betrieb und Unterhalt)

– Ökologisch nachhaltig (Minergie Standard erreichen)

Raumbedarf Neubau Pflegeheim

Der Neubau für 136 Bewohner umfasst folgenden Raumbedarf:

– 4 «Quartiere» / Stationen mit 4 x 30 Bewohner

– Geschützter Bereich mit 16 Bewohner

– Räume für Aktivierung, Physiotherapie / Gymnastik, Öffentliche Bereiche, Verpflegung, Verwaltung und allgemeine Infrastruktur

– Attraktiver Aussenraum

Empfehlungen

Das Preisgericht empfiehlt der Bauherrschaft einstimmig das Projekt «Alice» unter Berücksichtigung der Projektierungshinweise zur Weiterbearbeitung und Ausführung.

In der anstehenden Projektierung wird das siegreiche Planerteam im Austausch mit der Auftraggeberin und unter Einbezug der Behörden das Projekt weiterentwickeln. Das Preisgericht empfiehlt in die weitere Bearbeitung folgende Hinweise einfliessen zu lassen:

– Es ist zu prüfen den Fussabdruck im Erdgeschoss zu verkleinern, durch das Verschieben von Büroräume in das 5. Obergeschoss.

– Auf den Pflegegeschossen ist der Korridorbereich zwischen den beiden Briefkastenanlagen besser zu gestalten.

– Bei den Bewohnerzimmern ist die Ausgestaltung der Wand und Türe zwischen dem Korridor und dem Eingangsbereich für zwei Zimmer zu überprüfen.

– Im geschützten Bereich ist ein zusätzlicher Korridor durch den Kern einzuplanen.

– Anstelle einer Ausfahrt aus der Tiefgarage auf die Austrasse ist eine zweispurige Ein- und Ausfahrt von der Zentralstrasse vorzusehen.

– Die Erschliessung der Anlieferung ist so zu planen, damit auch grössere Lastwagen anliefern und wenden können.

– Die Materialwahl der Fassade ist auf die Dauerhaftigkeit zu prüfen.

Rangierte Projekte

1. Rang «Alice» (ARGE bhend.klammer und Barbara Schlauri Architekten)

Das Volumen des Neubaus ist geschickt modelliert. Die konkav und fächerförmig ausgebildeten Längsfassaden gliedern sowohl den Baukörper selber, als auch die beiden Aussenräume gegen Ost und West. Mit dieser Formgebung gelingt eine gute Einpassung in die vorhandene Struktur.

Die äussere Form ist auch im Innern bestimmend und spürbar. Der grosse Grundriss setzt sich durch mehrere Zimmer-Gruppen und Nachbarschaften zu einem übersichtlichen «Quartier» (Geschoss) mit spannenden Wegen zusammen. Der Neubau wird gegenüber dem bestehenden Pflegeheim über ein grosszügiges Foyer betreten. Der Zutritt zum Restaurant-Bistro erfolgt über denselben Eingang und ist einladend auf die Fussgängerachse ausgerichtet. Die Konzentration auf eine gemeinsame, funktionale Drehscheibe für die Bestandesbauten und den Neubau, schafft die Voraussetzung für eine kraftvolle Mitte in der Gesamtanlage.

Die Abteilung für Demenzerkrankte liegt im nördlichen Teil des Erdgeschosses und hat einen eigenen, grosszügigen Garten mit Bezug zum öffentlichen Raum. Leider geht mit der Situierung der Büros im Erdgeschoss, bzw. durch den eingeschossigen Anbau wertvoller Freiraum verloren.

Der konstruktive Aufbau des Gebäudes richtet sich auf eine grösstmögliche Flexibilität für die Zukunft aus; die primäre Tragstruktur beschränkt sich auf das Minimum, was die Voraussetzung für strukturelle Veränderungen in der Zukunft erleichtert. Die Kombination aus massiver und leichter Bauweise (Beton und Holz) ist der konsequente Ausdruck davon und prägt auch das Fassadenbild mit Holzverkleidung.

Die Obergeschosse sind für die Bewohnerinnen und die Mitarbeitenden gut strukturiert, mit spannenden Spazierwegen und Aufenthaltsnischen. Nebst der Funktionalität ist auch der Anspruch an die Wohnlichkeit, an schöne Ausblicke und die Belichtung der «Quartierstrassen» adäquat umgesetzt. Die Zimmer sind mit Ihrer einfachen quadratischen Form vielfältig möblierbar. Die Verfasser schaffen attraktive «Quartiere» (Geschosse), welche die Bewohnerinnen zum Verlassen ihrer Zimmer verlocken und zur Benutzung der allgemeinen Räume einladen.

Die gute Lage des Restaurants mit nebenliegender Küche erfordert zwingend eine Anlieferung von der Zentralstrasse her. Der Konflikt mit der Aussenwirtschaft des Restaurants ist im Entwurf noch nicht gelöst. Die Wäscherei im Attikageschoss bietet attraktive Arbeitsplätze und ist mit Lift und Korridor gut mit der Anlieferung verbunden. Den Mitarbeitenden steht im Attikageschoss ein ruhiger Aufenthalts- und Ruhebereich zur Verfügung.

Die Erschliessung der Tiefgarage über die vorhandene Rampe ist umständlich gelöst und die Kreuzung mit dem Fussgängerstrom störend und konfliktträchtig.

Der Vorschlag ist im Vergleich der verschiedenen Beiträge in ein kompaktes Volumen gefasst. Der durchdachte Aufbau des Gebäudes lässt auf eine relativ kostengünstige Realisierung schliessen.

Die Verfasser leisten mit ihrem ausgereiften Entwurf einen wertvollen Beitrag, welcher mit wenigen Korrekturen weiterbearbeitet und umgesetzt werden könnte. Die Ausrichtung auf eine hohe Flexibilität, z.B. für zukünftige Strukturveränderungen, verleiht dem Projekt einen zusätzlichen Mehrwert. Der Beitrag legt überzeugend dar, dass das grosse Volumen spannend geformt und quartierverträglich in die vorhandene Struktur eingefügt werden kann.

2. Rang «Rosmarie» (Igual&Guggenheim Architekten)

Basierend auf einer polygonalen Grundrissfigur belegt der fünfgeschossige Baukörper den nordöstlichen Bereich des Areals. Die mehrfach abgewinkelte Gebäudeform generiert Ein- und Ausbuchtungen und verzahnt sich harmonisch mit seinen Aussenräumen und in sich selbst. Die «wahre Grösse» des Neubauvolumens ist dadurch nicht gesamthaft erkennbar und die Verträglichkeit zum Kontext bleibt gut gewährleistet. Anstelle von bedrängten Zwischenräumen entstehen bei den Einbuchtungen grosszügige Freiräume, welche einen Dialog zum Bestand ermöglichen und der Inneren Organisation des Neubauprojektes dienen.

Das verwendete Achs Mass von 4.20 m entlang der Fassadenabwicklung ist grosszügig bemessen und gewährleistet die gute Tageslichtversorgung der Bewohnerzimmer. Verspringenden Zimmertrennwände generieren behagliche Raumnischen, welche sich auf vielfältige Art möblieren lassen.

Die Anforderungen an die Ökonomie können durch die Einfachheit des Volumens und seiner Oberfläche in Kombination mit der durchdachten Struktur gut erfüllt werden. Eine rationelle und ressourcenschonende Bauabwicklung ist gut gewährleistet. Im Quervergleich zu den anderen Projektvorschlägen resultieren Anlagekosten im Mittelfeld der Projekteingänge.

Der Projektvorschlag überzeugt durch seine Formgebung und die sorgfältige Einfügung im Kontext in hohem Masse. Der kompakte, z-förmige Baukörper kommt als einziger Beitrag ohne Erdgeschoss Aufweitungen aus und gewinnt dadurch an Freiraum. Trotz grosser, geforderter Masse wird durch eine geschickte Anordnung «Wohnen im Park möglich». Der Rhythmus der unterschiedlichen Hofräume wird im Freiraum aufgenommen und verbindet gleichzeitig Neubau und Bestand harmonisch.

3. Rang «Barbabella» (Allemann Bauer Eigenmann Architekten)

Der fünfgeschossige Bau belegt den nordöstlichen Teil des Gesamtareals. Das darauf liegende zurückversetzte Attikageschoss nimmt sich gekonnt zurück und tritt wenig in Erscheinung. Die unregelmässige Zahnung der Grundform soll die Feinmassstäblichkeit der städtebaulichen Umgebung aufnehmen. Diese Ausformulierung scheint aber hier der inneren Organisation des Grundrisses geschuldet. Die konkave Ausgestaltung der Längsfassaden generiert auf subtile Art die notwendigen Aussenräume für den Eingangsbereich auf der Westseite. Auf der Ostseite wird mit dieser Massnahme Platz für den Wintergarten der Demenzabteilung geschaffen. Die entstehende Achse zwischen der Zentralstrasse und der Austrasse gestaltet sich harmlos. Das markanteste Merkmal ist die neue Tiefgaragenabfahrt, welche an die Austrasse angedockt wird. Hier stellt sich die Frage, wie sich das zusätzlichen Verkehrsaufkommen mit dem Schulweg verträgt. Im südlichen Teil wird die bestehende Situation durch die neue Anlieferung überlagert. Es stellt sich aber auch hier die Frage nach der Fussgängersicherheit.

4. Rang «Mathilda» (AMJGS Architektur)

Der sowohl in der Höhe wie in seiner horizontalen Ausdehnung strukturierte Neubau fügt sich trotz des grossen Volumens gut in die bestehende Gebäudestruktur ein. Die rhythmisch gegliederte Fassade mit den zurückgesetzten, hinterlüfteten Eternitplatten und den französischen Balkonen vermag sich zusammen mit den feinen Farbtönen der Fassadenelemente und Sonnenstoren unaufdringlich in die bestehende Struktur zu integrieren. Der Haupteingang ist von der Zentralstrasse her intuitiv auffindbar.

Das Projekt kommt von allen eingereichten Projekten mit dem kleinsten Volumen aus. Dieser für die Erstellungskosten positive Punkt erweist sich durch die dem knappen Volumen zu Grunde liegenden schmalen Korridore auf allen Geschossen und Einbettzimmer im Demenzwohnbereich als für den Betrieb insgesamt nachteiliger Faktor.

Zusammengefasst bietet das Projekt hohe städtebauliche und gegen das Zentrum der Anlage hin auch hohe aussenräumliche Qualitäten wie auch einen überzeugenden halböffentlichen Bereich im Erdgeschoss, vermag aber auf den Wohngeschossen durch die schmalen und dunkeln Korridore und somit bezüglich der gewünschten Aufenthaltsqualitäten nicht zu überzeugen.

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