Ersatzneubau Garderoben- und Clubgebäude Hönggerberg

Offener, einstufiger Projektwettbewerb

Sachpreisrichter

  • Hermann Schumacher
  • Martin Gubler
  • Aziza Awenat
  • Michael Gaam

Fachpreisrichter

  • Ueli Lindt
  • Barbara Holzer
  • Alexandra Gübeli
  • Daniel Gut
  • Michael Schneider
  • Daniel Baumann

Auslober

Amt für Hochbauten der Stadt Zürich


Die Sportanlage Hönggerberg ist eine von fünf städtischen Rasensportanlagen, die das Sportamt der Stadt Zürich durch Dritte betreuen lässt. Sie ist Heimstätte des FC IBM und des Sportvereins Höngg, der bereits seit 1999 für die Pflege, den Unterhalt und Betrieb dieser Sportanlage verantwortlich ist. Die Hochbauten umfassen ein Garderobengebäude, ein Garderobenprovisorium und ein Clubhaus. Das Garderobengebäude an der Kappenbühlstrasse 72 wurde 1971 erstellt. Um seinen gestiegenen Bedürfnissen nachzukommen, hat der SV Höngg die Anlage im Jahr 2004 mit einem Clubhaus ergänzt und den gestiegenen Bedarf an Garderobeflächen als Überbrückung zum geplanten Neubau 2007 mit einem Garderobenprovisorium erweitert. Veränderte Anforderungen des Schweizerischen Fussballverbands sowie bauliche und betriebliche Mängel sprechen heute für einen grösseren Ersatzneubau, um die Anlage für den Sportbetrieb der Ersten Liga wieder fit zu machen.

Kleine aber feine Wettbewerbsaufgabe

Betrieblich stand die Forderung nach einer robusten, intensiv und flexibel nutzbaren Garderobenanlage im Zentrum des Verfahrens. Das Raumprogramm umfasste im Wesentlichen Mannschaftsgarderoben sowie Garderoben für Trainerinnen und Trainer beziehungsweise Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter. Die Trennung des Sportbetriebs der Ersten Liga und des Breitensports sowie effiziente Betriebsabläufe gehörten dabei zu einer der wichtigsten Anforderungen. Das vorgesehene Clubrestaurant wird dem SV Höngg auch als Vereins- und Versammlungslokal dienen. Weitere Vorgabe war es, den wertvollen Baumbestand nach Möglichkeit zu erhalten und den Neubau durch eine geeignete Pflanzen- und Materialwahl bei der Aussenraumgestaltung in die landschaftliche Umgebung einzubinden.

Das Siegerprojekt «Pedro» der Arbeitsgemeinschaft Mentha Walther Architekten und S2L Landschaftsarchitekten BSLA SIA aus Zürich ist sehr gut in den wertvollen Landschaftsraum am Hönggerberg eingebettet. Vom Restaurant aus können die Fussballspiele auf dem Hauptspielfeld aus der Nähe verfolgt werden. Der Neubau mit ausladendem Dach schützt die auf einem Sockel liegende Holzkonstruktion. Über einen von senkrechten, filigranen Latten umgebenden Laubengang werden die geforderten Garderoben und weiteren Räume erschlossen. Der Ersatzneubau wird am Ort der bestehenden Gebäude platziert, so kann ein Grossteil des alten Baumbestands erhalten werden.

Siegerprojekt «Pedro»

Das langgezogene Gebäude liegt in der verlängerten Mittelachse des Hauptspielfelds und versteht sich als verbindendes Element zwischen den Spielfeldern, der Bushaltestelle und den Parkplätzen. Durch seine Position an der Hangkante tritt es südseitig zweigeschossig in Erscheinung, während auf der Nordseite der Terrainversatz für die Erschliessung und Belichtung eines dritten Geschosses genutzt wird. Die Setzung des Volumens reagiert sensibel und adäquat auf die vorgefundene Situation im Landschaftsraum.

Durch den Versatz der beiden unter einem Dach vereinten Nutzungseinheiten entsteht über die S-förmige Erschliessungsfigur ein diagonaler Bezug zum Kontext. So gelingt es den Verfassenden, auf beiden Stirnseiten des Gebäudes die Sporttreibenden und die Zuschauenden auf selbstverständliche Art abzuholen und das Gebäude funktional in der Sportanlage und im Wegnetz der Höngger Allmend zu verankern.

Weil sich das Volumen an ähnlicher Position wie der Bestand befindet, können drei von fünf Föhren erhalten bleiben. Auch kommt die pragmatische Umgebungsgestaltung mit wenigen versiegelten Flächen aus. Zwischen der Kappenbühlstrasse und dem Garderobengebäude bleibt die kleine Spielwiese bestehen. Auf der Seite des Hauptspielfelds führt eine grosszügige Vorzone zum Gebäude, die gleichzeitig der Gartenwirtschaft und den Veloparkplätzen Raum bietet.

Im Erdgeschoss befindet sich das Clubrestaurant (inkl. Nebenräumen) mit Sicht auf das Hauptspielfeld. Über die Laubengangerschliessung erreicht man die zweite Nutzungseinheit mit Foyer, Theorieraum, diversen Nebenräumen und zwei Garderobeneinheiten. Zwei Aussentreppen führen von den beiden peripher gelegenen Zugängen auf direktem Weg ins Obergeschoss, wo der Grossteil der geforderten Garderoben angeordnet ist. Die Positionierung der Garderobenwagen beim Durchstich des Laubengangs im Zentrum des Gebäudes ermöglicht die gewünschte, grosse Flexibilität in der Garderobennutzung.

Die Garderoben des Betriebs der Ersten Liga befinden sich im Untergeschoss und können nordseitig separat erschlossen werden. Diese Erschliessungssituation dürfte noch etwas einladender ausfallen. Der Zugang für die Spielenden der Ersten Liga zum Hauptspielfeld kann problemlos separat erfolgen, führt jedoch beim aktuellen Vorschlag noch etwas direkt an der Gartenwirtschaft vorbei.

Die zwei beheizten Nutzungseinheiten werden durch das ausladende Dach und die den Gebäudeausdruck bestimmende statische Struktur zu einer Einheit zusammengefasst. Auf dem betonierten Sockel des Untergeschosses stehen vierzehn Reihen von Stützen und Trägern. Sie bilden das strukturelle und architektonische Grundgerüst. Ausfachungen in Holzelementbauweise bilden die Wände und Böden. Während die hinter den Laubengängen zurückversetzten Fassadenelemente mit horizontaler Holzverschalung verkleidet sind, bildet eine Brise Soleil aus vertikalen Latten die äussere Fassadenhaut. Ausladende Dachvorsprünge schützen die Holzkonstruktion. Der sehr sorgfältig ausgearbeitete Ausdruck und die Materialität des Gebäudes vermitteln auf selbstverständliche Art und Weise mit dem umgebenden Landschafts- und Erholungsraum, ohne die Identität als Garderobengebäude zu leugnen.

Betreffend Brandschutz ist das Projekt teilweise zu überarbeiten. Diese Notwendigkeit gefährdet jedoch nicht das robuste Konzept der gekonnten Gebäudeorganisation und den filigranen Ausdruck des Gebäudes. Bezüglich Nachhaltigkeit schneidet das Projekt vergleichsweise gut ab. Auch die Erstellungskosten sind im Vergleich mit den anderen gerechneten Projekten eher tief bzw. liegen im Bereich der Zielkosten.

Insgesamt handelt es sich auf allen Ebenen der Bearbeitung um einen sehr wertvollen und präzisen Beitrag, der gekonnt und äusserst angemessen auf die Aufgabenstellung reagiert.

(Auszug aus dem Jurybericht)

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