Neubau Kantonales Spital Appenzell

Anonymer Projektwettbewerb mit Präqualifikation

Sachpreisrichter

  • Stefan Sutter (Bauherr, BUD, Vorsitz)
  • Antonia Fässler (Frau Statthalter, GSD)
  • Markus Bittmann (Direktor Kantonales Spital und Pflegeheim Appenzell)
  • Max Fischer (Ärztlicher Leiter Spital Appenzell)
  • Mathias Cajochen (Departementssekretär GSD AI)

Fachpreisrichter

  • Heidi Stoffel (dipl. Architektin ETH SIA StoffelSchneider Architekten AG, Weinfelden)
  • Martin Engeler (Architekt BSA/SIA, St. Gallen)
  • Marco Giuliani (dipl. Architekt ETH SIA, Bob Gysin + Partner BGP, Zürich)
  • Fawad Kazi (Fawad Kazi dipl. Architekt ETH SIA, Zürich)
  • Martin Klauser (Martin Klauser Landschaftsarchitekt BSLA, Rorschach)
  • Thomas Zihlmann (dipl. Architekt ETH, Leiter Fachstelle für Hochbau & Energie)

Auslober

Kanton Appenzell Innerrhoden, Bau- und Umweltdepartement


Organisation

blumergaignat

9000 St. Gallen

Zielsetzung

Mit dem Projektwettbewerb soll die Basis für ein städtebaulich und funktional hochstehendes Neubauprojekt gelegt werden. Geplant ist ein Neubau mit folgenden Funktionseinheiten:

- Notfallaufnahme / Notfallversorgung

- Ambulatorium (Gruppenpraxis)

- Funktionsdiagnostik

- Endoskopie

- Röntgendiagnostik

- Operationsbereich mit multifunktionalem Aufwachraum

- Therapieräume

- 13 Pflegezimmer mit total 26 Betten

- Verwaltung

- Sozialbereiche

- Ver- und Entsorgungsräume

Beschluss des Preisgerichts

Das Preisgericht empfiehlt einstimmig das Projekt 15 «Neo» zur Weiterbearbeitung. Bei der Projektierung sind die im Projektbeschrieb festgehaltenen Kritikpunkte zu berücksichtigen.

Rangierte Projekte

1. Rang «Neo» (Schneider & Schneider Architekten)

Der Neubau ist im freien nördlichen Arealbereich platziert. Er dreht sich mit den Höhenkurven und gegenüber dem bestehenden Spital leicht aus und schafft auf seiner Talseite eine grosszügige Zugangsebene. Zur Unterstützung der Auffindbarkeit und Adressbildung wird das Haus C abgebrochen, so dass der Neubau bereits vom Kreisel aus zu erkennen ist.

Das Terrain zwischen Kreisel und Neubau wird über die bestehende Sanitätsstelle hinweg gleichmässig ausmodelliert. Ein neues Fussgängerwegnetz führt in zwei Varianten – einer geraden Schnell- und einer Serpentinenverbindung – zum Zugangsniveau hinauf. Dieses ist in zwei befahrbare Zonen aufgegliedert: Vor dem Hauptzugang steht genügend Platz für Wendemanöver zur Verfügung. Hinter dem bestehenden Spitalgebäude und in unmittelbarer Nähe zum Haupteingang liegen die Kurzzeitparkplätze.

Die Mitarbeiterstellplätze sind in einer Tiefgarage auf der Südseite der Sanitätsstelle zusammengefasst und ein Tunnel führt direkt ins Untergeschoss des Neubaus. Bei Bedarf könnte diese Garage auch für Haus B, den heutigen Spital, erweitert werden.

Das bestehende Spitalgebäude ist ebenfalls in das neue Netz eingebunden. Zudem besteht von Norden her eine Zufahrtsmöglichkeit, so dass die Erschliessung des Gebäudes bei seiner späteren Umnutzung gewährleistet ist.

Das Areal vor dem heutigen Spital wird mit einfachen Mitteln zum Grünraum mit offengelegtem Bach und einem baumbeschatteten Sitzplatz aufgewertet...

Das Projekt überzeugt mit seiner klaren ortsbaulichen Setzung und Adressbildung. Mit dem schmalen Volumen gelingt es, an der steilen Hanglage auf allen Geschossen einen gut belichteten Gebäudekörper zu entwickeln. Die leichte Ausdrehung führt zu einem attraktiven Vorbereich und ermöglicht eine gute Anbindung an die Gemeindestrasse.

Die Zuordnung der verschiedenen Nutzungseinheiten ist aus betrieblicher Sicht optimal und die Grundrisse sind mit grosser Versiertheit und Sicherheit durchgestaltet. Die Lösungsvorschläge für die Vertikalerschliessung, Gebäudestatik und Raumhöhen lassen erkennen, dass die Projektverfasser mit den Anforderungen eines Spitalbaus vertraut sind und gekonnt damit umzugehen vermögen.

Aus dem konsequent entwickelten Wettbewerbsbeitrag ablesbar, dass ein Team aus Architekt, Landschaftarchitekten, Bauingenieur und Fachplanern gut aufeinander abgestimmt gearbeitet hat und es als Team gelungen ist, die vorliegende Qualität zu erzielen. Insbesondere ist der Einsatz des Landschaftsarchitekten zu erwähnen, der aus gestalterischen und funktionalen Ansprüchen ein angemessenes und ansprechendes Konzept entwickelt hat und damit einen wesentlichen Beitrag zum vorliegenden Projektbeitrag geleistet hat.

Der Wettbewerbsbeitrag zeigt, dass mit der geschickten Wahl der Gebäudevolumetrie sowohl eine sensible Einbettung in die schwierige Topographie möglich ist und dabei auch die betrieblichen Anforderungen bestens erfüllt werden können. Die sehr hohe Qualität des Beitrags bildet eine tragfähige Basis für die weitere Entwicklung und Präzisierung des Projekts. Bei der anstehenden Überarbeitung ist das Projekt hinsichtlich der Erschliessungsflächen und Anlagekosten zu optimieren.

2. Rang «Belvedere» (ARGE Nissen Wentzlaff | Ludes Architekten)

Der Neubau nimmt parallel hinter dem bestehenden Spital eine dominante Stellung ein. Ein westlicher Quader überragt das Ensemble deutlich und verleiht dem Spital einen bemerkenswerten Auftritt. An Stelle des südlich vorgelagerten Haus C, zieht sich eine Doppelreihe Parkplätze, die an die bestehende Parkierung des Altersheims anknüpft, den Hang hinauf. Ein Fussweg kreuzt dieses Band an mehreren Stellen und führt abrupt zu einer ausgeprägten Treppenanlage, welche die Sanitätsstelle überwindet und auf dem Spitalvorplatz endet. Diese etwas monumentale Inszenierung von Treppe und überhohem Gebäude bildet einen selbstbewussten Auftakt des Spitals Appenzell, der im Ansatz positiv, aber wegen deren Dimensionssprüngen auch kontrovers beurteilt wird...

Das Projekt «Belvedere» zeichnet sich durch die stattliche Präsenz des neuen Spitals aus und ist geprägt von einem hohen architektonischen Gestaltungswillen. Den Verfassern gelingt es einen interessanten und beachtenswerten Vorschlag zu unterbreiten. Die unbefriedigenden Lösungsansätze vor allem im Bereich des Sockelgeschosses sowie die relevanten Faktoren der Wirtschaftlichkeit mindern leider die Gesamtbeurteilung.

3. Rang «Moreno» (Stutz Bolt Architekten)

Mit der Setzung des dreigeschossigen Baukörpers oberhalb des bestehenden Spitalgebäudes wird die Abfolge öffentlicher Bauten an erhöhter Lage über Appenzell fortgesetzt. Die Gesamtanlage besteht aus dem dreigeschossigen Hauptgebäude, einer markanten Stützmauer hangseitig und dem kleinvolumigen Gebäude des Bereitschaftsdienstes. Diese drei Hauptbauteile definieren ostseitig einen Aussenraum der als Betriebshof dient...

Der vorliegende Projektvorschlag bietet eine gute Grundlage für die Planung eines zeitgemässen Spitals in Appenzell. Die Anordnung der einzelnen Nutzungseinheiten auf den Geschossen, die detailliert ausgearbeiteten internen Wegverbindungen zeigen die Qualität des vorliegenden Projektvorschlags. Im Gegensatz dazu stehen die fragwürdige städtebauliche Setzung im Gelände und der äussere Ausdruck des Gebäudes. In der vorliegenden Form kann die vorgeschlagene Fassadenlösung nicht überzeugen.

4. Rang «Frohsinn ond Verstand» (Aeschlimann Hasler Partner Architekten)

Der Neubau des Kantonalen Spitals Appenzell wird als kompakter, viergeschossiger und horizontal gestufter Baukörper nördlich von Haus B situiert. Die subtile horizontale Akzentuierung des Baukörpers nimmt dabei Bezug auf die umliegenden, kleinmassstäblichen Nachbarbauten. Zugunsten eines grosszügigen und der Bedeutung angemessenen Spitalvorbereichs wird das Haus C zurück gebaut. Die Freilegung des Bachlaufes in Kombination mit einer zurückhaltenden Aussenraumgestaltung unterstreicht eine dem Ort angemessene Entwurfshaltung. Gemeinsam mit dem Haus B und dem Alters- und Pflegezentrum Alpsteeblick entsteht ein stimmiges Gebäudeensemble.

Die verschiedenen Zuwegungen zum Neubau sind nicht optimal gesetzt. Die eng zusammenliegende Lage von Notfallvorfahrt und Anlieferung ist in dieser Form nicht umsetzbar, da es zu gegenseitigen Beeinträchtigungen führt. Auch scheinen die entsprechenden Wenderadien nicht ausreichend dimensioniert zu sein. Der Hauptzugang liegt zentral und gut auffindbar, jedoch etwas nah im Schnittbereich zum Haus B. Die Drittnutzung wird durch eine nördlich des Neubaus platzierte Zugangsstrasse erschlossen. Ebenfalls sind die Besucherparkplätze am Ende dieser neuen Strasse situiert. Beide Massnahmen führen zu einer tendenziell unübersichtlichen Zuwegung über die Gebäuderückseite.

Die städtebauliche Setzung, der architektonische Ausdruck im Äussern und Innern wie auch die Aussenraumgestaltung zeugen von einer vertieften und sorgfältigen Auseinandersetzung mit der vorliegenden Aufgabenstellung...

Die sorgfältige und souveräne architektonische Gestaltung des Wettbewerbsbeitrags wird ausdrücklich gewürdigt. Dem gegenüber stehen betriebliche Mängel insbesondere im Bereich der Erschliessung und Organisation, welche in der weiteren Bearbeitung optimiert werden müssten.

5. Rang «Trio» (Bollhalder Eberle Architektur)

Die städtebauliche Setzung des Projektes «Trio» hat zum Ziel, den Spitalneubau möglichst subtil in den gewachsenen Gebäudebestand und die Topografie einzufügen. Der Baukörper besteht aus drei gestaffelten Volumen, die in der Mitte zu einer Einheit verschmelzen und mit den drei unterschiedlich hohen Gebäudeflügeln Bezüge zum Kontext herstellen. Der eingeschossige Eingangskörper nimmt Bezug auf die umliegenden, kleinmassstäblichen Wohnhäuser, während der dreigeschossige Hauptbau sich zum bestehenden Spitaltrakt B referenziert...

Schlussendlich scheitert das Konzept jedoch am zu grossen Fussabdruck und den zu engen Platzverhältnissen und vermag als Ganzes weder städtebaulich und bezüglich Adressierung, noch funktional wirklich zu überzeugen.

(Textquelle: Auszug aus dem Jurybericht)



Weitere Informationen zum Wettbewerb auf www.konkurado.ch

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