Neubau Innovationspark Biel

Anonymer Projektwettbewerb im offenen Verfahren

Sachpreisrichter

  • Thomas Gfeller
  • Felix Kunz
  • Adrian Studer
  • Alain Bourgnoon

Fachpreisrichter

  • Fritz Schär (Vorsitz)
  • Daniel Kündig
  • Valérie Ortlieb
  • Jürg Saager
  • Florence Schmoll
  • Christian Stucki

Auslober

Innocampus AG


Ausgangslage

Seit 2014 besteht in provisorischen Räumlichkeiten an der Aarbergstrasse ein erfolgreicher Pilotbetrieb des Bieler Innovationsparks, in dem mittlerweile rund 100 Personen arbeiten. Im Juni 2015 hat der Bundesrat entschieden, dass Biel Netzwerkstandort des nationalen Generationenprojektes «Switzerland Innovation» ist. Mit dem Neubau des Innovationsparks werden Infrastrukturen bereitgestellt, um neue Technologien und Produkte in der Zusammenarbeit zwischen Privatunternehmungen und Forschungsstellen zu ermöglichen und damit Wertschöpfung und Arbeitsplätze anzuziehen.

Architekturwettbewerb

Das Bauprojekt für den Innovationspark wurde im Rahmen eines anonymen Projektwettbewerbs im offenen Verfahren (nach SIA-Norm 142) ausgewählt. Zuhanden der Jury unter der Leitung von Fritz Schär sind insgesamt 46 Projekte eingereicht worden. Wichtige Zielsetzung war, dass die Unternehmensmission (Innovation, Anziehungspunkt für Talente, Orte des Austausches) im äusseren Erscheinungsbild sichtbar und im Inneren der Räumlichkeiten erlebbar wird.

Projektbeschriebe

Siegerprojekt «Flow» (WALDRAP)

Das Projekt «Flow» besetzt das gesamte Baufeld mit einem klar gegliederten und regelmässig gerasterten 5-geschossigen Baukörper. Das programmatische Zentrum der Anlage bildet die 2-geschossige Werkhalle, weiche durch die fast vollständige Verglasung und die sie umgebenden oder nahe erreichbaren halböffentlichen Bereiche wie Foyer, Empfang, Mensa, Auditorium und Ausstellungsflächen eine sehr hohe Präsenz hat.

In direkter Fortsetzung zu den beiden gleichwertigen Haupteingängen an der Marcelin-Chipot-Strasse befinden sich die beiden Haupt-Vertikalerschliessungen mittig an den Stirnseiten der Werkhalle. Die Haupttreppenhäuser können in der vorgeschlagenen Form allerdings nicht als Fluchtwege genutzt werden, weil sie nicht direkt ins Freie führen.

Die Werkhalle ist zweckmässig proportioniert und kann — dank einem anpassbaren Deckenelement — mit Lastwagen in der geforderten Durchfahrtshöhe von der Rückseite her erschlossen werden. Der Produktionsraum Chemie und die Werkstätten Mechanik erhalten durch ihre Anordnung im Erdgeschoss eine hohe Öffentlichkeit.

Im 2. Obergeschoss ist das gesamte Raumprogramm der Lehre angeordnet.

Im 3. und im 4. Obergeschoss befinden sich die Büroflächen, Labore, Reinräume usw. und — in sehr zentraler Lage unter grossen Sheds — der Open Innovation Room mit unmittelbar anschliessendem FabLab und Fitnessbereich. Dieses «Subzentrum» wird durch zwei grosszügige, offene Wendeltreppen mit der Bürolandschaft im 3. OG verbunden.

Die Technikerschliessung der Laborbereiche ist zwar nicht nachgewiesen, scheint jedoch realisierbar. Die Erschliessungsflächen in der Lehre und in den obersten Geschossen sind sehr knapp bemessen, insbesondere auch, weil die betrieblichen Anforderungen eine durchgehende Grossraum-Bürostruktur nicht zulassen.

Das Projekt «Flow» ist als dreischiffiger Skelettbau konstruiert. Die grosse Spannweite über der Werkhalle wird mit zweigeschossigen Fachwerkträgern abgefangen, welche dank geschickter Raumdisposition in den beiden Geschossen, nur zu geringen Beeinträchtigungen in der Raumflexibilität führen. Die gewählte Beton-Stahl- Hybridkonstruktion ermöglicht mit ihrer regelmässigen Rasterung ein grosses Mass an Vorfertigung und mit den ebenfalls vorfabrizierten Beton-Deckenelementen mit Hohlkörpereinragen relativ geringe Deckenhöhen.

Die Fassadenkonstruktion aus vorfabrizierten und mit Blech verkleideten Betonbrüstungen, dem Stahlbau angelehnten vorstehenden horizontalen und vertikalen Flanschen und Kastenfenstern mit innenliegendem Sonnenschutz unterstützt den industriellen Charakter des Gebäudes.

Insgesamt überzeugt «Flow» durch das klare Konzept mit der zentralen Werkhalle, der in den meisten Bereichen zweckmässigen Organisation und der geschickten konstruktiven Durchbildung. Die Gestaltung und die vorgeschlagene Materialisierung sind für den Innovationspark angemessen und ergeben mit der Grundidee, die Werkhalle ins Zentrum zu stellen, ein kohärentes Gesamtprojekt. Die Eliminierung konzeptwidriger Nebennutzungen nordwestseitig der Werkhalle könnten den Anstoss zu einer noch konsequenteren Umsetzung der Leitidee sein.



2. Rang «Lifespan» (ARGE Pedro Peña Architekt + Wulf Architekten)

Die architektonische Umsetzung des einfachen und klaren Volumens wird durch den industriellen Charakter, der auch durch die langgezogenen liegenden Fenster betont wird, die archaische Materialisierung, die sichtbare statische Durchbildung und die angestrebte Transparenz geprägt. Eine an sich überzeugende Sprache für die gestellte Aufgabe. Die konsequente Umsetzung der Struktur und der einfachen Materialisierung in unbehandelten Stahlbeton, der Industrieverglasung und der Holzrollläden unterstützen diesen Ausdruck, führen aber zu funktionalen wie konstruktiven Mängeln...

Die Arbeit überzeugt insgesamt durch die Interpretation der Aufgabenstellung, mit konsequenter gestalterischer Absicht und Materialwahl. Der architektonische Ausdruck unterstützt den pragmatischen gestalterischen Ansatz durch die Transparenz und durch die sichtbare Tragstruktur. Die grossen Spannweiten und der tektonische Aufbau prägen das Gebäude in seinem industriellen Charakter aber mit einer den Proportionen geschuldeten Eleganz.



3. Rang «Reiseziel Mond» (NYX architectes)

Das Projekt überzeugt mit einer präzisen städtebaulichen Setzung. Die Aussenperspektive des kompakten Baukörpers ist stimmungsvoll und der industrielle Gebäudeausdruck für einen Innovationspark adäquat. Die dreiteilige Fassade, die in einem prominenten Sheddach endet, spiegelt gekonnt und unaufgeregt das dahinterliegende Raumprogramm wieder.

Die Setzung des Haupteingangs auf Höhe des Platzes zeugt von der grossen Beachtung, die dem Verhältnis zwischen Gebäude und Stadt geschenkt wird. Dies wird durch die hohe Transparenz der Gebäudehülle mit mobilen Fassadenelernenten nochmals unterstrichen....



4. Rang «rue intérieure» (Arge Schwab architecte + Rausser & Zulauf Architekten)

Das Porjekt «rue intérieur» fügt sich in das zur Verfügung stehenden Baufeld ein und schlägt eine Kappung seiner Spitze vor, welche eine Öffnung des öffentlichen Raumes der Marcelin-Chipot-Strasse zur Aarbergstrasse und zur Zihl hin ermöglicht. Die Setzung dieses rechten Winkels zur Hauptstrassenachse stellt einen sehr präzisen Ansatz eines möglichen und interessanten städtebaulichen Umgangs dar. Die Eckausbildung unterstreicht die Bedeutung der Marcelin-Chipot-Strasse als Achse, die vom Bahnhof zum See führt, und bietet dem neuen Gebäude eine einladende Front zur Aarbergstrasse...

Insgesamt ein überzeugendes Projekt mit einer sehr hohen Wertigkeit trotz gewisser Defizite. Der Projektvorschlag orientiert sich an den bestehenden und zukünftigen Strukturen und Nutzungen seines Umfeldes und schafft attraktive, anregende und verbindende Schnittstellen zum öffentlichen Raum und zum Campus Biel/Bienne. Dank einer durchdachten Tragkonstruktion und einer klaren, einfachen Organisation der internen Erschliessung bietet es die nötige Flexibilität für einen funktionierenden Irinacampus.

(Textquelle: Auszug aus dem Jurybericht)



Weitere Informationen zum Wettbewerb auf www.konkurado.ch

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