Erneuerung / Erweiterung Altersheim Feldhof

Selektiver Projektwettbewerb

Sachpreisrichter

  • Rolf Huber (Gemeindepräsident Oberriet)
  • Thomas Ammann (Gemeindepräsident Rüthi)
  • Guido Fritz (Heimleiter Altersheim Feldhof, Oberriet)

Fachpreisrichter

  • Gundula Zach (dipl. Arch. BDA/BSA, Zürich)
  • Bruno Bossart (dipl. Arch. HBK/BSA/SIA, St. Gallen)
  • Andreas Hagmann (dipl. Arch. BSA/SIA, Chur)
  • Bernhard Flühler (Arch. FH, St. Gallen)

Auslober

Zweckverband Altersheim Feldhof Oberriet-Rüthi


Aufgabenstellung

Das Altersheim Feldhof in Oberriet soll gemäss den Erkenntnissen der Machbarkeitsstudie erweitert werden. In einem Neubau sollten 72 neue Zimmer geplant werden. Davon werden 25 Zimmer als Ersatz des heutigen Osttrakts erstellt. Zusätzlich sollen 47 neue Zimmer entstehen. Die Zimmer im Rundbau waren zu erhalten und zweckmässig an den Neubau anzubinden.

Die Lösung sollte folgenden Anforderungen Rechnung tragen:

– Ansprechende Architektur und gute Angliederung an Bestand

– Hohe Funktionalität zusammen mit guter Wohnlichkeit

– Wirtschaftlichkeit in Bau und Betrieb

Projekte für Bereinigungsstufe

Es zeigte sich, dass aufgrund der komplexen Aufgabenstellung keine klare Entscheidung zur Ausführung des empfohlenen Projektes getroffen werden konnte. Jedes Projekt verfügte über Mängel welche eine Realisierung im Wege standen. Das Preisgericht entschied sich darum einstimmig, das Verfahren mit einer Bereinigungsstufe zu ergänzen. Es wurden nach intensiven Diskussionen drei Projekte ausgewählt, welche das Potential verfügten, die gestellten Anforderungen am besten zu lösen.

Es handelt sich dabei um folgende Projekte:

– Nr. 05 Klee

– Nr. 10 blossom

– Nr. 13 picus

Die drei ausgewählten Projekte wurden über ein Notariat kontaktiert, sodass die Anonymität des Verfahrens gewährleistet werden konnte. Die Verfasser erhielten zugleich Hinweise auf die zu überarbeiteten Punkte.

Weiterbearbeitung

Das Preisgericht empfiehlt der Veranstalterin einstimmig das erstrangierte Projekt Nr. 5 Klee zur Weiterbearbeitung.

Neben den im Projektbeschrieb enthaltenen Empfehlungen sind bei der weiteren Bearbeitung insbesondere folgende Punkte zu beachten:

1. Die präzise und gelungene Ausgestaltung des Erdgeschosses wirkt im Eingangsbereich etwas vernachlässigt. Aus Sicht der Betreiber wird eine Öffnung nach vorne zum Eingangsbereich im Zusammenhang mit der Cafeteria gewünscht.

2. Die Szenerie und die mittige Platzierung des Andachtsraums entspricht nicht der zeitgenössischen Vorstellung des Altersheims Feldhof. Die Bedeutung und Gestaltung des Andachtsraums ist gemeinsam mit dem Betreiber anzupassen.

3. Um den Ansprüchen der BewohnnerInnen gerecht zu werden, sind weitere gedeckte Aussensitzplätze vorzusehen.

Rangierte Projekte

Klee (Siegerprojekt, kit architects)

Das neue Altersheim Feldhof zeigt sich als kraftvoller Solitär in der Rheinebene. Der bestehende Rundbau wird durch zwei Hofgebäude zur überzeugenden neuen Gesamtanlage mit Erweiterungspotential ergänzt. Die geschickte Platzierung des Erweiterungsbaus formuliert eine einladende Eingangssituation, eine einfache und selbstverständliche Parkierung und Anlieferung und optimale Beziehungen der öffentlichen Nutzungen im EG zu attraktiven Aussenräumen.

Die Fassadengestaltung mit Materialisierung unterstreicht die kräftige Wirkung, stellt der Vertikalität des Rundbaus eine neue Horizontalität als Antwort auf die weite Landschaft entgegen...

«Klee» überzeugt gleichermassen als kraftvolle Setzung in der Weite der Rheinebene, als konsequente Raum- und Erschliessungskonzeption und als stimmungsvolle, optimal nutzbare neue Heimat für die pflegebedürftigen Bewohner, die mit den vorgeschlagenen zusätzlich möglichen Etappen eine langfristige attraktive Perspektive für das Altersheim Feldhof eröffnet. Mit der gelungenen Überarbeitung bei Reduktion der Mehrflächen wird der Projektvorschlag einstimmig zur Realisierung empfohlen.

Blossom (2. Rang, ARGE: GFA Gruppe für Architektur, Truntz + Wirth)

Die Projektverfasser binden den bestehenden Rundbau in eine siedlungsbaulich überzeugende, neue Gesamtfigur ein. Mit dem S-förmigen Baukörper werden mehrere schöne Aussenräume von einem eigenen Charakter geschaffen. In der späteren Schlussetappe wird als zusätzliches Angebot ein intimer, geschützter Hof geschaffen, sodass in jeder Entwicklungsphase die Gesamtsituation qualitativ hochwertig und in sich abgeschlossen ist.

Nach Norden wird ein repräsentativer Aussenraum für den Zugang geschaffen, der auch Treffpunkt ist. Gegen Süden bleibt ein zusammenhängender, grosszügiger Aussenraum als gemeinsamer, attraktiver Park für die Bewohner erhalten...

Das Projekt «Blossom» weist in einer hervorragenden siedlungsbaulichen Gesamtkonzeption ein auch in Bezug auf den Baubestand angemessenes, gut gegliedertes und proportioniertes architektonisches Erscheinungsbild auf. Die vielversprechenden innenräumlichen Qualitäten konnten in der Weiterbearbeitung optimiert und das Konzept geschärft werden. Insgesamt handelt es sich bei «Blossom» um einen äusserst wertvollen Beitrag zur gestellten Aufgabe. Offen bleibt jedoch die anspruchsvolle Problematik von Etappierung und Bauen unter Betrieb.

Picus (3. Rang, Gäumann Lüdi von der Ropp Architekten)

Der städtebauliche Ansatz wird in der Überarbeitung beibehalten. Das Neubauvolumen thematisiert die Rundung des Bestandes und führt diese hofseitig als abgewinkelter «Bogen» weiter. So entsteht ein grosszügiger Eingangshof, der in einem guten Verhältnis zur gesamten Fassadenabwicklung steht. Der Hof dient als Vorfahrt, Ankunftsort und Zugangsbereich. Durch die eigenwillig abgewinkelten Fassadenflächen entsteht ein Baukörper der raumgreifend die Parzellenfläche nutzt und grosszügige Aussenräume aufspannt. Mit der Parkierung in der Nordostecke wird der Auto- und Langsamverkehr klar getrennt. Die Parkierung ist dadurch etwas weit vom Eingang entfernt, kann aber auch für die Anlieferung genutzt werden, was wiederum die versiegelte Fläche reduziert...

Das Gebäude ist sehr kompakt, trotz einer aufwändigen Fassadenabwicklung. Das Projekt wurde durch die Überarbeitung noch kompakter und straffer organisiert, was eine wichtige Grundlage für einen ökonomischen Betrieb darstellt. Leider kann das Versprechen nach einem wohnlichen Projekt, das mit der Fassade abgegeben wird, im Innenraum nicht eingelöst werden. Trotzdem ist der Projektvorschlag insgesamt ein sehr guter Beitrag, der im Rahmen der Überarbeitung nochmals deutlich gestrafft und aus ökonomischer Sicht optimiert wurde.

Letztlich zeigt sich aber, dass auch nach der Überarbeitung die innenräumlichen Qualitäten nicht den Erwartungen entsprechen, was möglicherweise auch der weitläufigen, ortsbaulichen Grundidee geschuldet ist.

Kleiner Kasten (4. Rang, Igual&Guggenheim)

Die Projektverfasser ergänzen den kreisförmigen Bestandbau mit einem in sich geschlossen Baukörper mit vier Geschossen. Die spätere Erweiterung umfasst ein weiteres Volumen, das ähnlich monolithisch formuliert ist wie der grössere Hauptbau. Damit wird die zur Verfügung stehende Aussenfläche in mehrere kleinere, aber klar formulierte und gut proportionierte Aussenräume geteilt.

Das etappenweise Aneinanderfügen mehrerer monolithisch gedachter Baukörper erscheint der Jury konzeptionell etwas brüchig: Der Baukörper weist in sich zwar gute räumliche Qualitäten auf, vermag aber in der Anbindung des bestehenden Rundbaus als Gesamtanlage nicht ganz zu überzeugen. Es entsteht städtebaulich der Eindruck zweier in sich gekehrter, zueinander isolierter Gebäude, was mit der Materialisierung der Neubauten in Holz zusätzlich akzentuiert wird...

Die sehr kompakte Baustruktur verspricht bei kostengünstigem Unterhalt gute ökologische und ökonomische Werte. Problematisch erscheinen dabei aber die zu schmal angelegten Zimmerbreiten, welche in der vorliegenden Konzeption kaum verbreitert werden können.

Insgesamt handelt es sich besonders auch wegen der angestrebten Wirtschaftlichkeit und dem hervorragenden Etappierungskonzept um einen wertvollen Lösungsbeitrag zur gestellten Aufgabe.

Die schöne Libelle (5. Rang, Carlos Martinez Architekten)

Zusammen mit dem Rundbau und dem dreiflügligen Neubau kann das Projektbild auf dem Schwarzplan in abstrahierter Form als Libelle gelesen werden. Der Rundbau wird gut in die neue Gesamtform integriert. Durch die Sternform werden interessante Aussenräume geschaffen wie der Ankunftsplatz mit den Bauminseln sowie die Betriebsfläche mit der Anlieferung und den Parkplätzen für die Angestellten. Der südliche Gebäudeflügel fasst mit dem Rundbau zusammen räumlich den Park mit dem Teich. Auf der Ostseite wird ein Kleintiergehege vorgeschlagen, um das ein schöner Spazierweg mit Erlebnisorten führt. Von der Feldhofstrasse ist der Neubau aufgrund der Sternform nicht als grosses Gebäude sichtbar. Die Dreigeschossigkeit wird vom Rundbau übernommen und passt sich volumetrisch gut in den landschaftlichen Kontext der Rheintalebene ein mit den Bäumen, dem anschliessenden Häuserquartier und den Gewerbebauten...

Im Projekt «Die schöne Libelle» werden bemerkenswerte Teilaspekte zur Lösung der Aufgabe aufgezeigt. Erwähnenswert ist die stimmige Umgebungsgestaltung. Die Fassaden drücken auf selbstverständliche Art den Nutzungszweck des Gebäudes aus. Trotzdem überzeugt das Projekt im inneren räumlichen Aufbau zu wenig. Man wird irgendwie den Verdacht nicht los, dass einseitig funktionale Vorstellungen zum sternförmigen Aufbau des Gebäudes mit den erwähnten Nachteilen geführt haben. Den Bewohnern bieten die ungenügend belichteten Korridore mit den beidseitig angeordneten Zimmern keinen grossen Erlebnis-Spielraum – dies wird als Hauptproblem des Projektes betrachtet. Trotzdem handelt es sich bei «Die schöne Libelle» um einen wichtigen Beitrag in der Lösungsfindung für ein Projekt des neuen Altersheimes Feldhof.



(Textquelle: Auszug aus dem Jurybericht)

Weitere Informationen auf www.konkurado.ch

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