Sanierung und Erweiterung Schulhaus Seedorf

Projektwettbewerb im selektiven Verfahren

Sachpreisrichter

  • Hans Peter Heimberg (Gemeindepräsident (Vorsitz))
  • Verena Remund (Gemeinderätin Ressort Bildung)
  • Jürg Lauper (Gemeinderat Ressort Gemeindebauten)
  • Thomas Nobs (Gemeinderat Ressort Baurecht und Planung)

Fachpreisrichter

  • Pascale Bellorini (Dipl. Arch. ETH/SIA)
  • Michael Arn (Dipl. Arch. ETH/SIA/FSAI)
  • Adrian Kast (Dipl. Arch. HTL/BSA)
  • Stefan Dellenbach (Dipl. Arch. ETH/SIA)

Auslober

Einwohnergemeinde Seedorf


Zielsetzung

Der Schulstandort Seedorf soll von aktuell 3 Klassen (1 Kindergarten, 2 Primarschule) auf 7 Klassen (1 Kindergarten, 6 Primarschule) erweitert und gemäss den Anforderungen heutiger Pädagogik genutzt werden. Dazu sind insbesondere für alle Klassen Gruppenräume in guter Verbindung zu den Klassenräumen zu schaffen. Für die Umsetzung dieses Raumprogramms soll die Gebäudegruppe von Schulhaus, Kindergarten und Mehrzweckhalle mit einem Anbau oder Neubau baulich erweitert werden. Gleichzeitig muss das Schulhaus an die heutigen Anforderungen von Sicherheit, Brandschutz und Hindernisfreiheit angepasst und die Gebäudehülle sowie Sanitär- und Elektroinstallationen umfassend saniert werden.

Teilnehmende

Im Rahmen der Präqualifikation haben sich acht Planungsteams für die Bearbeitung der Wettbewerbsaufgabe qualifiziert.

Antrag zur Weiterbearbeitung

Das Preisgericht beantragt der Veranstalterin einstimmig, die Verfasser des erstrangierten Projekts «Pusteblume» mit der weiteren Bearbeitung der Aufgabe zu beauftragen. Es hält fest, dass die Möglichkeit, ein angekauftes Projekt weiter bearbeiten zu lassen, ausdrücklich im Wettbewerbsprogramm vorgesehen ist und das nötige Quorum für diesen Entscheid vorliegt.

Empfehlungen zur Weiterbearbeitung

Das Preisgericht empfiehlt den Verfassern des erstrangierten Projekts, in die weitere Bearbeitung folgende Hinweise einfliessen zu lassen:

- Die Abgrabung des Terrains im Südosten des Neubaus soll dem ursprünglichen Geländeverlauf besser entsprechen. Der Fluchtweg ist zu gewährleisten, ansonsten soll der Aussenraum naturnah gestaltet sein, da er nicht für schulische Zwecke benötigt wird.

- Es ist der Nachweis zu erbringen, dass der Lift im bestehenden Schulhaus ohne Durchstossen der Dachebene realisierbar ist, allenfalls ist die Lage zu optimieren.

- Die Massnahmen zur Erfüllung der Brandschutzvorschriften sind frühzeitig mit der kantonalen Gebäudeversicherung festzulegen.

- Die Wegführung von den Parkplätzen zum Eingangshof ist so zu überarbeiten, dass sie von allen Benutzenden als selbstverständliche und kürzeste Verbindung wahrgenommen wird.

- Die Anlieferung für den Mehrzweckraum ist nachzuweisen.

- Die Einrichtung der WC Anlagen im bestehenden Schulhaus ist mit den Benutzenden abzusprechen.

- Lage und Grösse des Aussengeräteraums ist mit den Benutzenden abzusprechen.

Das Fachpreisgericht empfiehlt der Veranstalterin im Weiteren, die vorgeschlagene Ergänzung des gedeckten Zugangsbereichs zur Mehrzweckhalle zu prüfen.

Rangierte Projekte

Pusteblume (1. Rang: ARGE Thomas De Geeter Architektur / Baumanagement bosshard und partner)

Ortsbauliches Konzept

Das Projekt plant einen Neubau an der Hangkante zwischen dem schützenswerten Schulhaus von 1926 und der Mehrzweckhalle aus dem Jahre 1977. Diese Setzung bedingt den Abbruch des bestehenden Kindergartengebäudes mit Baujahr 1994. Das Ziel dieses sorgfältig ausgearbeiteten, betont integrativen Vorschlages ist es, die städtebaulich-räumliche Situation durch diesen - im Vergleich relativ grossen baulichen - Eingriff zu klären, einen definierten, wohl proportionierten Aussenraum zu schaffen und die verschiedenen Raumprogrammteile optimal in nur noch zwei Gebäuden unterzubringen. Sämtliche Gebäude werden über den neuen Pausenhof erschlossen, welcher nun das Zentrum der Anlage bildet. Dieser Hofraum ist gegen Nordwesten in die offene Landschaft ausgerichtet und erlaubt, den Blick in die Ferne schweifen zu lassen.

Architektonisches und landschaftsarchitektonisches Gesamtkonzept

Mit seiner asymmetrischen Schnittfigur definiert der Neubau die Hangkante und vermittelt zwischen der Mehrzweckhalle und dem historischen Schulgebäude. Er ordnet sich durch seine eingeschossige Fassade gegen den Pausenhof aber klar dem Hauptgebäude unter. Die vorgelagerte Veranda dient als gedeckter Pausenbereich und ermöglicht eine überdachte Wegführung zwischen den drei Gebäuden. Die Arkade könnte bei der einer allfälligen späteren Sanierung der Mehrzweckhalle hier in analoger Form ergänzt werden, was die Anlage auf eine sinnfällige und wünschenswerte Art und Weise komplettieren würde. Das mächtige, mit Biberschwanz-Ziegeln gedeckte Satteldach orientiert sich an den prägenden ortsbaulichen Elementen von Seedorf und fügt sich äusserst harmonisch in die bestehende Anlage ein. Da das neue Schulgebäude als Elementholzbau mit einer traditionellen Lochfassade geplant ist, kann von einer verhältnismässig kurzen Bauzeit ausgegangen werden. Das neue Gebäude wird an die bestehende Holzschnitzelheizung angeschlossen. Die grosse Dachfläche des Neubaus könnte zudem mit einer Photovoltaikanlage belegt werden, um zusätzliche Energie am Standort zu gewinnen.

Auch die vorgeschlagene Umgebungsgestaltung betont wiederum den Blick in die offene Landschaft und bietet für die unterschiedlichen Alters- und Interessengruppen verschiedenste Aussenräume an, welche durch eine geschwungene Wegführung vom bestehenden Parkplatz aus erschlossen werden. Die Ausgestaltung der Aussenbereiche lässt aber leider nicht die gleiche Aufmerksamkeit erkennen, wie die äusserst detaillierte und sorgfältige Bearbeitung des Neubauvolumens: Einerseits scheint aus Sicht der Jury die grossflächige Abgrabung im Nordosten des Neubaus nicht in diesem Ausmass nötig zu sein, andererseits wirkt die erzwungene Wegführung vom Parkplatzareal noch allzu formalistisch.

Umgang mit Bestand, Denkmalpflege

Die bereits bei der städtebaulichen Setzung, der volumetrischen Durchbildung sowie der vorgeschlagenen Materialisierung des Neubaus erkennbare Sensibilität bezüglich Bauen im historischen Kontext lässt sich auch bei den geplanten Eingriffen im Altbau erkennen. Diese beschränken sich auf strukturellen Anpassungen der Treppenanlage zum Untergeschoss, um den behindertengerechten Zugang zu ermöglichen, den Einbau des Aufzugs sowie die mehrheitlich additiven Anpassungen bezüglich der neuen Garderobenräume. Durch die geschickte Aufteilung des Raumprogramms kann das historische Gebäude vor massiven Eingriffen in die Substanz verschont werden.

Nutzungsqualität und Funktionalität

Durch die sinnfällige Anordnung der Bibliothek sowie des Musiksaals mit zuschaltbarem Foyer und angegliedertem Office im Erdgeschoss des Neubauvolumens werden die öffentlichen Nutzungen mit direktem Bezug zum Pausenplatz angeordnet. Zudem kann auch bei Veranstaltungsbetrieb von der gedeckten Laube profitiert werden. Die beiden seitlichen Gebäudezugänge erlauben den unabhängigen Schulbetrieb während grösserer Veranstaltungen bei denen auch das Foyer mitgenutzt wird. Im hinteren Bereich des Erdgeschosses befinden sich der Kindergarten und das Klassenzimmer der 1. und 2. Klasse sowie die benötigten Nebenräume. Aus Sicht der Nutzer ist durch diese Anordnung der «cycle élémentaire» räumlich und funktional auf optimale Weise umgesetzt. Im Obergeschoss werden zwei weitere Klassenzimmer mit ihren Nebenräumen angeboten. Die raffinierte Schnittfigur ergibt für diese Räume eine symmetrische Giebelfigur.

Wirtschaftlichkeit in Betrieb und Unterhalt

Neben den funktionalen Vorteilen dieses Projektvorschlages können durch die Konzentration des Raumprogrammes auf zwei Gebäude auch die Baulandreserven geschont werden, die nächstens anstehenden Unterhaltsarbeiten am bestehenden Kindergarten entfallen nach 22 Jahren Betrieb und die verringerte Gebäudehüllenfläche des Neubaus weist einen, gegenüber zwei einzeln stehenden Volumen, reduzierten Energieverbrauch auf.

Gesamtwürdigung

Das Projekt «Pusteblume» überzeugt durch die gekonnte städtebauliche Setzung, seinen äusserst sensiblen Umgang mit der historischen Bausubstanz und der optimalen Umsetzung des gewünschten Raumprogramms. Die Jury würdigt daher auch den mutigen Entscheid der Verfasser, den bestehenden Kindergarten in den Neubau zu integrieren. Dieser kontextuelle und betont integrative Entwurfsansatz ermöglicht erstmals, das Areal als harmonisches Ensemble zu lesen und nicht als Addition einzelner, autonom entworfener Volumen.

Ensemble (2. Rang: Rykart Architekten)

Ortsbauliches Konzept

Der bestehende Kindergarten wird abgebrochen und an seiner Stelle ein kompaktes, zweigeschossiges neues Schulhaus erstellt, das die neuen Nutzungen unter einem Dach vereint. Durch seine zentrale Lage im Schulareal hat das Gebäude nur eine beschränkte Fernwirkung und das historische Schulhaus prägt wie bisher das äussere Ortsbild beim Dorfeingang und bleibt das wichtigste Gebäude auf dem Schulareal. Das Ensemble aus dem historischen und dem neuen Schulhaus sowie der Mehrzweckhalle umschliesst dreiseitig einen zentralen Platz. Eine eingeschossige Pausenhalle fasst den Platz auf der vierten Seite Richtung Nordwesten zur Stägmatte, ohne ihn abzuschliessen. Damit fliesst die Weite der Landschaft in das Zentrum der Schulanlage und der schöne Ausblick von dort bis in den Jura bleibt unverbaut. Die beiden Schulhäuser stehen funktional richtig in grosser Nähe. Damit entsteht jedoch zwischen der Mehrzweckhalle und dem neuen Schulhaus eine offene Ecke, die die Platzdefinition schwächt. Das neue Schulhaus ist dem Terrainverlauf folgend und als Reaktion auf die Nähe zum historischen Schulhaus in der Höhe in zwei Bereiche gegliedert. Ein markanter Kopf steht am Platz als Eingangsportal, ein auf die Traufhöhe des historischen Schulhauses abgesenkter länglicher Flügel nähert sich diesem an...

Gesamtwürdigung

Das Projekt «Ensemble» weist ein in sich stimmiges Gesamtkonzept auf, überzeugt durch eine präzise Hierarchisierung der Aussenräume, eine gute In-Wert-Setzung der äusseren Erscheinung des bestehenden Schulhauses und eine hohe Nutzungsqualität.

Die aus der Kompaktheit resultierende Gedrängtheit, die ungünstige Anordnung des Musiksaals und der massive Eingriff in die Struktur des bestehenden Schulhauses werden negativ beurteilt.

Zvieri (3. Rang: BGM Architekten)

Ortsbauliches Konzept

«Zvieri» komplettiert das momentan aus drei Gebäuden bestehende Ensemble um einen vierten Baukörper im Nordwesten der Anlage. Dadurch entsteht ein geschlossener Hofraum im Rücken des Neubauvolumens. Im Schwarzplan macht diese Komplettierung der städtebaulichen Situation auf den ersten Blick Sinn. Jedoch verschliesst der neue Baukörper durch diese Setzung an der Hangkante die bisher bestehende Aussicht in die Landschaft und degradiert den Hofraum zu einem Hinterhof...

Gesamtwürdigung

Die städtebaulich sorgfältige Setzung, die gestalterische Durchbildung des Neubauvolumens und der zurückhaltende Umgang mit dem Denkmal werden gewürdigt. Jedoch ermöglicht die Addition eines weiteren Solitärs aus Sicht der Jury nicht die gewünschte Aufwertung der bestehenden heterogenen Anlage.

Clarence S. (4. Rang: Boegli Kramp Architekten)

Ortsbauliches Konzept

Der Neubau ergänzt die Anlage am nordwestlichen Rand des Perimeters zwischen dem alten Schulhaus und der Mehrzweckhalle. Das Volumen wirkt als Bindeglied zwischen den bestehenden Einzelbauten, kommt durch die Grösse jedoch sehr nahe an das alte Schulhaus und die Mehrzweckhalle heran. Zwischen Bestand und Neubau entsteht ein neu gefasster zentraler Pausenplatz. Die Lage des Neubaus führt zu kurzen Wegen innerhalb des Areals. Durch die Setzung des Volumens werden die Aussenräume in einer selbstverständlichen Art gegliedert und unterschiedliche Bereiche und Aufenthaltszonen geschaffen. Die Grosszügigkeit des Pausenplatzes wird jedoch reduziert, da der Blick in die Weite der Landschaft im Aussenraum der Schulanlage kaum mehr erfahrbar ist. Durch den direkten Anbau an die Baulinie rückt der Neubau von der Bernstrasse Richtung Dorf gesehen deutlich in den Vordergrund. Er ordnet sich jedoch durch die Gebäudehöhe gegenüber dem alten Schulhaus etwas unter...

Gesamtwürdigung

Insgesamt handelt es beim Projekt Clarence S. um einen Projektvorschlag, der als unabhängiges Schulgebäude sehr stimmig umgesetzt ist, insbesondere in der Ausgestaltung des neuen Unterrichtsgeschosses. Hinsichtlich der städtebaulichen Setzung erscheint das Gebäudevolumen des Neubaus jedoch als zu gross und zu nahe am bestehenden Schulhaus positioniert. Die Offenheit der heutigen Anlage wird durch die Lage des Neubaus stark eingeschränkt. Durch die räumliche Nähe zum alten Schulhaus wäre eine Bezugnahme in der Massstäblichkeit der Fassadengestaltung erstrebenswert.

Clarence (5. Rang: Sollberger Bögli Architekten)

Ortsbauliches Konzept

Das Projekt «Clarence» schlägt einen Neubau vor, welcher sich südwestlich vor die bestehende Mehrzweckhalle positioniert und direkt an dieses Gebäude angebaut wird. Durch diese Massnahme soll der historische Hauptbau in seiner Präsenz gestärkt und zusammen mit dem bestehenden Kindergarten eingerahmt werden. Städtebaulich wird jedoch die Mehrzweckhalle durch diese Setzung der Wahrnehmung vom Schulhof her komplett entzogen. Zudem entsteht zwischen den beiden Gebäuden ein sonderbarer Restraum, welcher durch die Verlegung des Hauptzuganges an die Nordwestseite der Mehrzweckhalle auch seiner ursprünglichen Funktion beraubt wird...

Gesamtwürdigung

Aus betrieblicher Sicht werden die Anordnung, die Qualität der neuen Schulräume sowie die kurzen Erschliessungswege zwischen den Gebäuden sehr geschätzt. Durch den direkten Anbau an die Mehrzweckhalle wird dieses Gebäude jedoch von der Schulanlage abgekoppelt und in seiner Nutzungsflexibilität eingeschränkt. Die Jury bedauert zudem den unsensiblen Umgang mit der historischen Bausubstanz.



(Textquelle: Auszug aus dem Jurybericht)

Weitere Informationen auf www.konkurado.ch

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