Schulareal Waldegg, Rotkreuz

Offener, zweistufiger Projektwettbewerb

Sachpreisrichter

  • Ruedi Knüsel (Gemeinderat Risch, Vorsitz)
  • Markus Scheidegger (Gemeinderat Risch)
  • Michael Fuchs (Rektor, Abteilungsleiter Bildung/Kultur)
  • Patrik Birri (Abteilungsleiter Planung/ Bau/Sicherheit)

Fachpreisrichter

  • Rudolf Halter (Baukommission Gemeinde Risch)
  • Christian Blum (Eckhaus AG, Zürich)
  • Thomas Käppeli (Kast Kaeppeli Architekten, Bern / Basel)
  • Beatrice Friedli (Klötzli Friedli Landschaft sarchitekten, Bern)
  • Simeon Heinzl (Simeon Heinzl, ern+ heinzl Architekten, Solothurn)

Auslober

Gemeinde Risch


Aufgabe

Es wird ein qualitativ hochwertiges Architekturprojekt für Ergänzungsbauten am Schulstandort Waldegg in der Gemeinde Risch gesucht. Die Ergänzungsbauten sollen einerseits für die Sekundarstufe I (Perimeter Ost: Oberstufenschulhaus, Spezialtrakt mit Fachunterricht) und andererseits für Schulnebennutzungen (Perimeter West: Tagesstrukturen, Förderzentrum, Ludothek) und Kindergärt en entwickelt werden.

Empfehlungen zur Weiterbearbeitung

Das Preisgericht empfiehlt der Auft raggeberin das Projekt «Strichpunkt» zur Weiterbearbeitung. In der weiteren Planung sollten folgende Punkte beachtet werden:

− Die Raumhöhe im neuen, umgebauten Kindergarten im Rektoratsgebäude zu ist zu überprüfen.

− Die Zulieferung für das Altersheim ab Waldeggstrasse ist zu überprüfen und zu klären.

− Im Neubau West ist die Belichtung durch Tageslicht in der Korridorzone sowie im Untergeschoss zu überprüfen.

− Die Anzahl und Verteilung der Gruppenräume im Oberstufengebäude ist zu klären.

− Der Verzicht auf aktive Kühlung mittels passiver Massnahmen und bereits vorgeschlagener Nachtauskühlung ist zu prüfen.

− Die Passive Speichermasse der Betondecken ist durch Akustikdecken von der Raumluft entkoppelt. Die Aktivierung der Speichermasse durch geeignete Massnahmen ist zu prüfen.

Rangierte Projekte

Strichpunkt (1. Rang, 1. Preis, Peter Moor)

Mit zwei ungleichen Baukörpern, einem Längs- und einem Punktbau, wird die bestehende ort hogonale Schulanlage an den Randzonen auf selbstv erständliche Art erweitert . Die beiden Ergänzungsbauten wirken in ihrer Setzung sehr präzise, die Proportionen harmonisch und die Arealerschliessung wird mit den typischen platzartigen Aussenräumen weitergestrickt.

Durch den zweigeschossigen Punktbau im Perimeter Ost wird die Höhenstaff elung der Schulanlage im geneigten Terrain sensibel weitergeführt und die Adressbildung gestärkt. Die Nähe zur Dreifachhalle erscheint durch die Setzung und die Gebäudehöhe verträglich.

Der dreigeschossige Längsbau entlang der Meierskappelerstrasse fasst den Aussenraum auf dem Niveau der Kindergärten. Durch die Nähe zum bestehenden Kindergart engebäude wird der Zugang geklärt und die vorhandene Topographie vorteilhaft genutzt.

Der Neubau übernimmt gegen Norden die Gebäudeflucht vom Schulhaus 2. Dadurch bleibt der Schulhof mit Blick auf die Kirche gegen Westen offen. Die Distanz zur Aussentreppenanlage vom Landschaftsarchitekten A. Zürcher zeugt von einem respektvollen Umgang mit dem Bestand.

Der vorhandene grüne Rahmen entlang der Ost- und Westseite des Areals wird gestärkt und aufgewertet. Die zurückhaltende Anbindung von der Waldeggstrasse zum Neubau und der Turnhalle ordnet sich dem grünen Rahmen folgerichtig unter. Die neu gestaltete Grünanlage bildet einen schönen Auftakt vom Bahnhof her und ist ein guter Vermittler zwischen Altersheim und Schule.

Die als beispielhaft e Landschaftsarchitektur erkannte Treppenanlage wird als prägendes Aussenraumelement in die Gestaltung einbezogen. Diese Grünzone wird mit ergänzender Pflanzung entlang der Meierskappelerstrasse fortgesetzt und gestärkt. Der Zugang auf dieser Seite ist mit dem Neubau und dem bestehenden Kindergart en gut proportioniert. Der Aussensitzplatz der Tagesschule ist gut eingebettet und wird geschätzt. Die beiden Baumplätze schaffen einen klaren Übergang vom Schulareal in die offene Wiese. Diese beiden Baumhaine sind robuste Gefässe für die gewünschten Spiel- und Aufenthaltsräume und dienen sowohl dem Kindergarten wie auch der Schule. Es ist ein sehr schlüssiges, räumlich gut proportioniert es Aussenraumkonzept mit einer klaren Haltung und viel Potential, die vielschichtige und dichte Nutzung im Schulareal zu erfüllen.

Durch die gewählte Tragstruktur und das Fassadenraster entsteht eine gute Nutzungsflexibilität. Interessant ist der Vorschlag die breiten Korridore aus Brandschutzgründen vom Treppenhaus zu trennen und diese als zusätzliche Lernzonen zu nutzen. Durch die Anordnung der Räume und der Positionierung der Türen entstehen Durchblicke, die den Nutzer die ganze Gebäudetiefe wahrnehmen lassen. Mit den innenräumlichen Verbindungen werden immer wieder Sichtbezüge zu den Aussenräumen der Anlage geschaffen.

Von den Vertretern der Schule wird die Anordnung der Naturwissenschaften auf einem Geschoss im Neubau Ost und die Lernateliers mit Bezug zum Klassenzimmer im bestehenden Oberstufenschulhaus sehr geschätzt.

Hingegen wird die Erschliessungszone zu den Fachunterrichtsräumen im UG Neubau Ost ohne Tageslichtbezug bemängelt. Die drei zusätzlichen Kindergärten werden mittels Auslagerung des zentralen Schulbereichs im bestehenden Kindergartengebäude untergebracht. Diese Nutzungsverschiebung ist lobenswert, um die funktionalen Zusammenhänge zu optimieren. Die bestehenden Raumhöhen sind zu überprüfen.

Der architektonische Ausdruck der beiden Gebäude ist stark von den konstruktiven Gegebenheiten des Holzbaus geprägt. Durch die Bauweise und deren Ausdruck sind die Gebäude als zeitgemässe Erweiterung erkennbar und gliedern sich gut in die Farbgebung der bestehenden Schulanlage ein. Unter dem schützenden Vordach ist die Fassade klar strukturiert , Deckenstirn und vert ikale Pfosten bilden kassettenartige Felder mit rückversetzten Fenstern und Brüstungen.

Das Projekt zeigt auch hinsichtlich Nachhaltigkeit Vorbildcharakter. Systemtrennung, Ressourcenaufwand, Flexibilität, Glasanteil und Materialisierung sind umfassend und optimal gelöst. Auf eine aktive Kühlung kann jedoch mit einfachen Massnahmen verzichtet werden. Durch die intelligenten Grundrisslösungen wie z.B. die Doppelnutzung im Korridor Anbau West ist das Projekt sehr kompakt. Gleichzeitig sind respektvolle Eingriffe im Bestand und im Freiraum angedacht. Dies wirkt sich positiv aus und der Projektvorschlag liegt aus Investitionssicht an der unteren Grenze des Spektrums.

Durch wenige Eingriffsorte, der Aufgabe entsprechenden Massnahmen, dem respektvollen Umgang mit dem Bestand und der hohen architektonischen Qualität wertet das Projekt die bestehende Schulanlage deutlich auf und überzeugt in jeder Hinsicht.

All in All (2. Rang, 2. Preis, Stücheli Architekten)

Das Projekt All in All verfolgt zwei städtebauliche Eingriffe auf dem Schulareal. Einerseits wird ein länglicher Kubus im Perimeter West entlang der Meierskappelerstrasse angeordnet und andererseits wird eine Aufstockung des bestehenden Oberstufenschulhauses im Perimeter Ost verfolgt.

Der Ansatz zur Aufstockung des Oberstufenschulhauses hat den herausragenden Vorteil des effizienten und haushälterischen Umgangs mit den ohnehin knappen Landreserven auf dem Areal. Die eingeschossige Aufstockung des Oberstufenschulhauses wirkt zwar massiv, das Preisgericht ist sich aber einig, dass das Bauvolumen innerhalb der städtebaulichen Situation verträglich und verhältnismässig ist. Dies wird durch die transparente Gestaltung des Kubusaufsatzes unterstützt. Die Adressierung des Gebäudes ist klar und hält sich an die bestehenden Begebenheiten...

Hänsel und Gretel (3. Rang, 3. Preis, webereinhardt Generalplaner)

Das Projekt Hänsel und Gretel schlägt drei bauliche Eingriffe auf dem Areal vor. Ein Anbau an das bestehende Kindergartengebäude / Rektorat sowie ein dreigeschossiger Neubau entlang der Meierskappelerstrasse ergänzen den Perimeter West. Der Perimeter Ost wird durch einen viergeschossigen Neubau ergänzt.

Die Umsetzung der Erweiterungen erfolgt unspektakulär und in ihrer städtebaulichen Setzung korrekt. Die Neubauten werden aufgrund der guten Volumensetzung natürlich in den bestehenden Schulcampus eingebunden. Die Orthogonalität der bestehenden Anlage wird aufgenommen und in einer eigenen Sprache weitergeführt. Dadurch entsteht eine angenehme Spannung im Gesamtensemble der Schulanlage. Durch die geschickte Gebäudesetzung werden neue Sichtbezüge geschaffen...

Die gelungene städtebauliche Setzung der Gebäude vermag die unaufgeregte Gestaltung der Volumen nicht ausgleichen. Neben einigen Mängeln bei der Aussenraumgestaltung, hat das Planerteam gute und solide Lösungsvorschläge zur Nutzungsverteilung und zum Städtebau gezeigt. Neben den funktionalen und gut umsetzbaren Neubauten, fehlt dem Projekt aber der innovative Charakter.



(Textquelle: Auszug aus dem Jurybericht)

Weitere Informationen auf www.konkurado.ch

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