Strahlende Zukunft

Kolumne

Judit Solt Fachjournalistin BR, Chefredaktorin TEC21

Vor etwas mehr als einer Generation hat jemand diesen niedlichen Aufkleber an einer Schranktür im Amt für Hochbauten des Kantons Zürich angebracht. Damals wie heute ging es darum, von den fossilen Energieträgern wegzukommen – damals allerdings nicht aus Sorge um den hohen CO2-Ausstoss, der das Klima des Planeten verändert, sondern als Reaktion auf die Erdölkrise 1973. Die Orga­nisation erdölexportierender Länder OPEC, die über die Hälfte des weltweit geförderten Erdöls kontrollierte, hatte wegen des israelisch-arabischen Jom-Kippur-Kriegs einen Boykott gegenüber westlichen Staaten ausgerufen; der Ölpreis stieg innerhalb eines Jahres auf das Vierfache. Auch in der Schweiz begann man, über besser isolierte Häuser, effizien­tere Autos und alternative Energiequellen nachzudenken. Und ein einziges Mal, eine ganz kurze Zeit nur, zeigte man sich vereint im ­Streben nach Autarkie. Von diesem längst verflüchtigten historischen Augenblick zeugt der Kleber.
Wenig später zerstritten sich Solar- und Atomfreunde, und jemand versuchte, den Kleber abzukratzen. Aber er haftet hartnäckig – als Erinnerung an vergangene Zeiten, die alle Parteien am liebsten vergessen würden, und als Mahnmal für alle, die heute noch glauben, die einzig wahre Antwort auf alle Fragen zu kennen.
 

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