Städtische Verdichtung mit Holz?

Verdichten und Erweitern im suburbanen und urbanen Raum

Dietlind Jacobs Infrastruktur/Umwelt, Redaktorin TEC21

Über 400 Fachpersonen kamen anlässlich des Holzbautags ins Kongresshaus in Biel, um zu erörtern, weshalb der Baustoff Holz zunehmend in der Stadt zur Anwendung kommt. Angesichts der knappen Reserven der Bauzonen sind vielerorts Ansätze zur Innenverdichtung gefragt. Experten aus der Raumplanung, aus Architekturbüros, Genossenschaften und Holzbaufirmen präsentierten jüngste Holzbauprojekte, die dem Verdichten und Erweitern im suburbanen und urbanen Raum dienen.

Ob hohe oder lange Häuser, einmal mehr bestätigte sich, dass Holzkonstruktionen statische und brandschutztechnische Ansprüche erfüllen und anspruchsvolle Prozesse umsetzbar sind. Das erste 10-geschossige Hochhaus aus Holz in der Schweiz wird auf dem ehemaligen Industrieareal «Suurstoffi» in Rotkreuz gebaut und 2018 fertiggestellt. Dabei handelt es sich um einen Holzskelettbau mit Vollholzstützen und Unterzügen in Bau-Buche-Furnierschichtholz aus (vgl. espazium-Medienmitteilung). Als innerstädtischer Holzneubau wurden die drei 6-geschossigen Lagerhäuser in Zürich vorgestellt (vgl. «Areal zwischen den Fronten»). Bei diesem Projekt konnten die Erstellungskosten durch eine systematische und standardisierte Elementbauweise vergleichsweise tief gehalten werden.

Wie unter beengten Platzverhältnissen und trotz kurzer Bauzeit eine Aufstockung mit Holz gelang, demonstriert ein Projekt in St. Gallen: Das Quartier an der Röschstrasse hat sich zunehmend zu einer beliebten Wohngegend entwickelt. Daher entschied sich die Bauherrschaft, das Gebäude zum Wohnen umzunutzen. Mit dem Ziel einer höheren Ausnutzung wurde der bestehende 3-geschossige massive Gewerbebau bis auf das Erdgeschoss abgebrochen. Die Entscheidung für einen Holzbau ermöglichte es, auf das bestehende Tragwerk fünf statt drei Geschosse aufzubauen. Dabei machte man sich das gegenüber einem Massivbau geringere Konstruktionsgewicht zunutze. Die Horizontallasten, die infolge Zug- und Druckkräften auftreten, werden durch ein Vierendeelsystem aufgenommen, das in der Fassade integriert ist. Dieses Projekt zeigt beispielhaft, dass derartige Bauvorhaben wettbewerbsfähig sind und zukünftig Potenzial bieten.

Auch in der Grossstadt München ist der Bedarf an Wohnraum hoch, der Platz für Neubauten jedoch beschränkt. Daher wurde dort die Idee umgesetzt, einen Parkplatz nah dem Dantebad mit einem fünfgeschossigen Holzgebäude zu überbauen. Damit die Parkplätze weiterhin zur Verfügung stehen konnten, erstellte man eine Konstruktion aus Stahlbetonstützen und Unterzügen, auf die der Holzbau platziert wurde. Durch die Vorfertigung der Module für Wände, Decken und Fassaden war es möglich, den 100 m langen Neubau innerhalb eines Jahres zu errichten. Er fügt sich in die Struktur der benachbarten Gebäude ein. Neben den Kleinwohnungen gibt es gemeinschaftlich genutzte Räume, ein Waschcafé und eine Dachterrasse mit Spielflächen, Liegedecks und Platz zum Gärtnern.

In der Podiumsdiskussion trugen die Referenten ihre Meinungen zusammen. Holz ist ein historischer Baustoff der Stadt. Es erzeugt ein angenehmes Raumklima und ist bei Bewohnern beliebt. Die Bauzeit lässt sich durch vorgefertigte Module verkürzen. Der Brandschutz ist vorangeschritten, und höhere Bauten sind mittlerweile zugelassen. Investoren sollten vom System überzeugt werden, auch wenn die Baukosten derzeit gegenüber anderen Materialien noch um 3 bis 7 % höher liegen. Der nächste Holzbautag sollte sich auch an Investoren richten, um die Potenziale vom Holzbau noch besser ausschöpfen zu können. In den Pausen bot sich die Gelegenheit zum Gespräch mit Herstellern und Experten, um weiterführende Einblicke zum Holzbau zu erhalten.
 

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