Stadt aus Holz – aktuelle Marktentwicklungen

Aktuell machen mehrgeschossige Holzbauten und Hoch­häuser Schlagzeilen, und Holz als Baumaterial in den Städten wird proklamiert. Vor allem der Marktanteil von Mehrfamilienhäusern aus Holz steigt.

Dr. Julia Selberherr Director, Wüest Partner

Der Marktanteil bei Neubauten mit einer Tragkonstruktion aus Holz liegt während der letzten 10 Jahre relativ konstant zwischen 5 und 8 %. Auch im Wohnsegment pendelt der Marktanteil zwischen 4 und 7 %. Interessant ist allerdings die Entwicklung des Marktanteils von Mehr­familienhäusern mit einer Tragkonstruktion aus Holz. 2007 (1. Hj.) wurden nur 2.5 % solcher Häuser aus Holz gebaut. 2017 (2. Hj.) waren es bereits knapp 6.5 %. Besonders markant ist das Wachstum in diesem Segment während der letzten zwei Jahre. Seit 2015 hat sich der Marktanteil beinahe verdoppelt (Grafik).

Im Nichtwohnsegment ist die Entwicklung der Marktanteile volatiler. Aktuell liegt der Anteil von Gebäuden mit einer Tragkonstruktion aus Holz mit etwa 7 % auf einem vergleichbaren Niveau wie 2007. Zwischenzeitlich gab es jedoch deutlich «holzbaustärkere» Jahre mit einem Spitzenwert von 13 % im Jahr 2013. Traditionell bedeutend und funktional bedingt ist der Holzbau bei landwirtschaftlichen Gebäuden mit einem Marktanteil von 28 % am stärksten vertreten. Aber auch für Bildungs-, Kultur- und Freizeitobjekte werden zum Teil Prestige­projekte aus Holz gebaut, sodass der Marktanteil bei 11 % liegt. Im Büro- und Geschäftssegment entfallen 9 % auf Gebäude mit einer Holztragkonstruktion (Grafik). 

Potenzial der Tragkonstruktion

Auch Holzfassaden werden immer beliebter. So ist ihr Marktanteil von 11 % 2007 auf aktuell knapp 17 % geklettert. In den Jahren 2012 und 2013 waren Holz­fassaden besonders beliebt, haben dann wiederum etwas verloren und sind seit 2015 wieder auf dem Vormarsch (Grafik). Interessant ist, dass die Marktanteile von Holzfassaden höher sind als jene von Tragkonstruktionen aus Holz. Dies deutet darauf hin, dass häufig auch Nicht-Holzbauten mit Holz verkleidet werden. Während der letzten Jahre sind aber auch viele Gebäude mit einer Tragkonstruk­tion aus Holz mit einer nicht hölzernen Fassade erstellt worden.

Der Marktanteil von Holzfenstern sinkt seit zehn Jahren kontinuierlich. Holz-Alu-Fenster hingegen haben ihren Marktanteil von 30 % 2007 auf 50 % 2017 gesteigert. Den höchsten Marktanteil ­haben Fussböden mit aktuell 53 % (Grafik). Der Vergleich der Investitionskosten zeigt, dass absolut betrachtet die Tragkonstruktionen das grösste Marktsegment darstellen und in Anbetracht des aktuell noch eher tiefen Anteils ein grosses Potenzial für den Holzeinsatz bieten. Obwohl der Marktanteil von Holzböden über 50 % liegt, machen die Investitionskosten nur etwa 50 % jener für Tragkon­struktionen aus Holz aus (Grafik).

Megatrends als treibende Kräfte

Während die durchschnittliche Projektgrösse aller Baubewilligungen in den letzten 15 Jahre relativ konstant geblieben ist, war für Gebäude mit einer Tragkonstruktion aus Holz eine Grössenzunahme um 25 % zu verzeichnen. Die Bautätigkeit im Hochbau hat ihren Schwerpunkt in Städten und Agglomerationen. Da auch grosse Überbauungen mit einer Tragkonstruktion aus Holz erstellt werden können, steigt der Anteil von Holzbauten in städtischen Gebieten. Seit 2000 ist der Marktanteil von Mehrfamilienhäusern und gemischt genutzten Gebäuden von 4 % auf über 6 % angestiegen, während in ländlichen Gebieten der Anteil 2017 mit rund 10 % tiefer liegt als im Jahr 2000 mit etwa 13 % (Grafik).

Die aktuellen Marktdaten weisen klar auf eine hohe Dynamik des Holzbaus in der Stadt hin. Als mögliche Treiber hinter dieser Entwicklung können Megatrends identifiziert werden, jene langfristigen Entwicklungen, die Bereiche unseres Lebens ­tief greifend beeinflussen. Denn Gebäude werden für eine Lebenszeit von bis zu 100 Jahren gebaut und müssen daher heutige und zukünf­tige Bedürfnisse erfüllen. Dabei kann Holz mehrfach überzeugen:

    Energie und Umwelt: Als einziger nachwachsender Baustoff bietet Holz bezüglich grauer Energie enorme Vorteile, was bei der Nachhaltigkeits-
zertifizierung von Gebäuden (SIA-Effizienzpfad, Minergie-Eco, SNBS) und für 2000-Watt-Areale eine Rolle spielt. Bezüglich des selektiven Rückbaus und der kaskadischen Materialnutzung kann Holz Vorteile bieten, da es wiederverwendbar ist und damit Deponiekosten entfallen.

—    Technologie: Die digitale Planung und industrielle Fertigung ermöglichen effiziente Prozesse und eine kurze Bauzeit mit wenig Emissionen.

—     Lebensqualität: Holz fördert den Nutzerkomfort und Behaglichkeit.

—     Wirtschaft: Noch ist der Holzbau ein Differenzierungsmerkmal, das bei der Vermarktung sowie für das Image des Investors Vorteile bieten kann. Besonders an ertragsstarken Lagen kann der Holzbau wirtschaftliche überzeugen, denn die auf­grund der Vorfertigung um bis zu 50 % verkürzte Bauzeit ermöglicht frühere ­Ertragseingänge.

—     Raum: Holz ist aufgrund seines geringen Gewichts optimal für Aufstockungen von Bestandsge­bäuden geeignet.

Weitere Informationen und Anmeldung zu Veranstaltungen auf www.wuestpartner.com/ueber-uns/stadt-aus-holz
 

Der Artikel ist erschienen im Sonderheft «Stadt aus Holz IV – Megatrends als treibende Kräfte», ein Projekt im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) und in Zusammenarbeit mit Wüest Partner.

Weitere Artikel mit zusätzlichen Bildern und Plänen sowie weitere Beiträge zum Thema Holz haben wir in einem E-Dossier zusammengestellt.

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