Spannung im Schulhaus

Kolumne

Viola John Konstruktion/nachhaltiges Bauen, Redaktorin TEC21

Auf meinem Weg zur Arbeit komme ich täglich an einem Schulhaus mit Kindergarten vorbei und freue mich jedes Mal über die bunt geschmückten Fenster. Allerdings erinnere ich mich daran, dass 2016 in einem Schreiben des Stadtzürcher Schulamts davon ab­geraten wurde, die Fenster zu ­bemalen oder zu ­bekleben – wegen der Gefahr von Rissen im Glas. ­Waren die Kinder in den vergangenen Jahrzehnten demnach akut bedroht? Fachleute sprechen von thermisch induzierter mechanischer Spannung – auch als Thermoschock bekannt. Kurz gesagt: Durch das ungleichmässige Bekleben des Fensters ­heizen sich die Glasflächen bei ­Sonnenschein unterschiedlich stark auf, ­was zu Spannungen im Material führt. Im ungünstigsten Fall können die Scheiben dadurch ­bersten.
Die von diesem Phänomen ausgehende Gefahr scheint sich jedoch glücklicherweise in Grenzen zu halten, denn nach wie vor werden landauf, landab die Fenster bunt geschmückt, ohne dass es zu nennenswerten Schäden kommt. Zudem erfüllt die Dekoration ja mitunter auch eine Sicherheitsfunktion, indem sie die Glasflächen für Kinder besser kenntlich macht und so das Unfall- und Verletzungsrisiko wegen Glasbruchs reduziert. Mich freut es, versüssen mir die bunten Bilder doch immer aufs Neue den Tag.
 

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