Fassadenmaterial bietet mehr als nur Witterungsschutz

Stromproduzierende Photovoltaikmodule als gestalterische Elemente und als Baumaterial für die Gebäudehülle einzusetzen ist herausfordernd. ­Hilfreich ist eine grosse Produktpalette, die viel Gestaltungsspielraum ­bietet. Aber noch gibt es Vorbehalte, mit diesem Material zu arbeiten.

Eva Mertens Nova Energie GmbH, Aarau

Zum Thema Photovoltaik gibt es immer noch einige hartnäckige Vorurteile. Sie hier aufzuzählen bringt uns nicht weiter. Lieber lassen wir die Vorteile dieser Technik für sich sprechen: Mit nur einem Quadratmeter Photovoltaikanlage in einer Südfassade lässt sich im Lauf eines Jahres genügend Energie fürs Elektroautofahren über 500 bis 1000 km Reichweite produzieren.

Das Produktionspotenzial auf Dächern und Fassaden ist hoch: Es könnte rund die Hälfte des gesamten Schweizer Stromverbrauchs abdecken. Und die Lebensdauer einer Photovoltaikanlage liegt immerhin bei etwa 30 bis 40 Jahren. Kein Wunder, dass es viele Bauherren reizt, sich eine solche Anlage aufs Dach oder an die Fassade montieren zu lassen. Ohne Spezialisten für die Gestaltung ist das Resultat allerdings oft «hässlich». Das wiederum ist das Vorurteil, das wir Fachleute für die Ästhetik am Bau, die Architekten, gern ins Feld führen, um Photovoltaikmodule nicht einplanen zu müssen. Nur, wenn wir Architekten nicht eingreifen, wer dann?

Photovoltaik – ein Teil der erneuerbaren Energien

Photovoltaik – abgekürzt einfach  PV – ist eine Technik, die die direkte Umwandlung von Licht in Strom ermöglicht. PV funktioniert schon bei diffusem Tageslicht. Je stärker jedoch die Bestrahlung mit Sonnenlicht, desto mehr Strom lässt sich gewinnen. Solarstrom mithilfe von PV am eigenen Haus selbst herzustellen entspricht immer mehr dem gesellschaftlichen Bedürfnis nach Unabhängigkeit, Verwendung natürlicher Ressourcen und dem achtsamen Umgang mit unserer Umwelt. Mit einer PV-Anlage auf dem Dach oder in der Fassade wird die fortschrittliche und nachhaltige Gesinnung einer Bauherrschaft deutlich dokumentiert.

Breite Einsatzmöglichkeiten

Es gibt gute Neuigkeiten zu PV-Anlagen – für uns Architekten und für alle Bauherrschaften: eine vielfäl­tige Auswahl an Photovoltaikmodulen. Farbige Module ohne störende Ränder, kleine Formate, diverse Oberflächenstrukturen und viele raffinierte Hilfsmittel sind in den letzten Jahren entwickelt worden.

Nüchtern betrachtet haben wir Planer keine Ausrede mehr, Photovoltaik beim Neu- oder Umbau nicht einzusetzen. Das reflexartige Nein, das den alten Vorurteilen geschuldet ist, müssen wir jetzt überwinden. Die Palette der Einsatzmöglichkeiten ist breit: Mal sorgfältig integriert und unauffällig, mal stolz hervorgehoben und auffallend wie ein Lamborghini vor der Haustür. Den Kundenwünschen und unseren Ideen steht nichts mehr im Weg. ­Packen wir es an.

SIA-Form-Kurs «Gestalten mit Solarstrom-Modulen»
Termin: 27. November 2018
Informationen und Anmeldung: www.sia.ch/form/Solar01-18

 

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