Schöner brüten

Kolumne

Marko Sauer Architekt, Korrespondent TEC21

Wir haben es versucht. Ernsthaft. Und ein bisschen störrisch vielleicht. Drei Jahre lang haben wir einwandfreies Schweizer Design für unseren Garten in Wil SG propagiert. Entworfen von einem Rising Star der Designszene, konstruiert in perfekter Harmonie von Konstruktion und Material, gebaut in coolem Faserzement: der Nistkasten «Birdy» von Eternit. 

Im ersten Jahr schien sich die Neuigkeit noch nicht verbreitet zu haben. Wir schauten in der Betriebsanleitung nach. Ach so. Vögel müssen sich erst an einen neuen Nistkasten gewöhnen, das könne schon mal ein Jahr dauern. Also Geduld haben. Doch auch in den nächsten beiden Jahren passierte nichts: Traurig hing «Birdy» an der Gartenlaube und wartete auf die designaffinen Hipster unter den Blaumeisen.

Woran lag es? Angry bird? Vogel follows function? Wir mussten uns entscheiden: «Birdy» oder Nachwuchs. Schweren Herzens gaben wir den Nistkasten weiter. Als wir ein neues Häuschen vom Bauernmarkt aufhängten, war kein Halten mehr. Die Blaumeisen lagen sich in den Federn, um das Plätzchen zu ergattern. Offenkundig waren unsere Provinzvögel noch nicht reif für den Sprung in die Jetztzeit der Gestaltung. In Zürich wäre uns das bestimmt nicht passiert.

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