Schlumpfige Visionen

Peter Seitz Bauingenieurwesen, Redaktor TEC21

Futuristische Architektur tut sich 2017 etwas schwer. Den Durchbruch hat sie noch nicht geschafft, doch immerhin gibt es erste Ansätze zu entdecken. Etwa wenn man über Schweizer Alpweiden wandert und plötzlich glaubt, man sei ins Auenland oder nach Schlumpfhausen versetzt worden. Hobbits oder Schlümpfen begegnet man zwar noch nicht, aber etwas anderes sticht ins Auge: ein futuristisch anmutendes, kugeliges Haus – über die Ästhetik darf sich jeder selbst seine Meinung bilden –, versteckt hinter einer kantigen Doppelgarage. Die Fertiggarage: anspruchslos, klare Linienführung, praktisch. Von so manchem wird sie als Ausdruck der Spiessbürgerlichkeit schlechthin verschrien.
Voilà – Vision versus Praxistauglichkeit auf engstem Raum. Obwohl Autos wie Menschen immer kugeliger werden, hat der Mut oder das Geld wohl nicht ausgereicht, die Garagen ebenfalls schlumpfig zu gestalten. Rundliche Bauvisionen werden sich bis 2050 kaum durchsetzen. Stehen sie doch zum einen der angestrebten Verdichtung entgegen – man kennt das ja: Zwischen Kugeln in einem Gefäss verbleiben grosse Lücken ungenutzt. Und zum anderen ist es zum Verzweifeln, Regale vernünftig in eine Kugel einpassen zu wollen. Die ­quaderförmige Garage hat also noch eine Chance.

 

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