Keine Zukunftsangst

Die Videos zum zentralen Panel zweier ETH-Veranstaltungen zum Thema Robotik und digitales Bauen sind neu online. Es lohnt sich, sich darin zu vertiefen.

Judit Solt Fachjournalistin BR, Chefredaktorin TEC21

Digitalisierung, Interdisziplinarität, Wirtschaft und Gesellschaft, Bildung und Forschung, Baupraxis, Architektur – das sind viele Themen für eine einzige Nachmittags- und Abendveranstaltung, und keine einfachen. Recht anspruchsvoll war denn auch das Inter-Conference-Panel, das am 12. September 2018 die Schnittstelle von zwei mehrtägigen Veranstaltungen markierte: «ROB | ARCH 2018» und «Digital Concrete».

Unter der Leitung des National Centre of Competence in Research Digital Fabrication hatten sich Forscherinnen und Forscher, aber auch Studierende aus aller Welt und unterschiedlichen Disziplinen an der ETH Zürich versammelt; gemeinsam loteten sie eine Woche lang die Möglichkeiten von Robotik, digitaler Fabrikation und Materialtechnologie aus. Um die Mitte dieser Woche galt es, die vielfältigen Themen zu verknüpfen. Die Veranstaltung ist schon längere Zeit her – umso erfreulicher ist, dass die Videoaufnahmen der Referate und der anschliessenden Diskussion nun seit Kurzem online zu sehen sind.

Rundschau eines Ingenieurs

Sehr empfehlenswert ist der Beitrag des Bauingenieurs Chris Luebkeman. Der Leiter der Forschungsabteilung von Arup verstand es, zwei schwer kompatible Flughöhen auf höchst inspirierende Weise zu verbinden: einerseits die allgemeine Betrachtung der menschlichen Zivilisations- und Entwicklungsgeschichte inklusive einer wenig schmeichelhaften Diagnose der Art und Weise, wie wir heute mit unseren intellektuellen und materiellen Ressourcen umgehen; andererseits die Sicht des pragmatischen, praxiserprobten Ingenieurs, dessen Vertrauen in den menschlichen Erfindungsgeist unerschütterlich ist und der gerade deshalb auch einen kompromisslos hohen ethischen Anspruch an die eigene Tätigkeit stellt.

Auf diesen fulminanten Einstieg folgten Referate zu Spezialthemen. Margarita Chli, Assistenzprofessorin und Leiterin des Vision for Robotics Lab, ETH Zürich, zeigte die Grenzen und Möglichkeiten von sehenden Robotern auf. 

Gudela Grote, Professorin für Arbeits- und Organisationspsychologie an der ETH Zürich, beschäftigte die Frage, wie die Angst vor neuen Technologien in eine konstruktive Anwendung verwandelt werden könnte.

Fabio Gramazio, Professor ETH Zürich und Mitbegründer des Zürcher Architekturbüros Gramazio&Kohler, vertrat die Überzeugung, dass Roboter zwar in Zukunft eine Reihe von neuen Arbeiten übernehmen, den Menschen aber keineswegs überflüssig machen würden.

Hanif Kara, Bauingenieur und Gründer des Büros AKT II und Professor für Architekturtechnologie in Harvard, beschäftigte sich mit effizienten, materialsparenden Tragstrukturen.

Shiho Kawashima, Assistenzprofessorin für Materialtechnologie/Beton an der Columbia University in New York, berichtete von ihrer Forschung im Bereich der Materialtechnologie auf Nanoebene. 

Zusammenarbeit ist alles

Die abschliessende Diskussion war ein Versuch, Verbindungen zwischen diesen Themen herzustellen – ein schier unmögliche Aufgabe, die aber dennoch die eine oder andere inspirierende Erkenntnis zeitigte. In einigen Punkten waren sich die Teilnehmenden indes einig: Interdisziplinarität sei nicht nur ein Mehrwert, sondern eine Notwendigkeit für alle Forschungsanstalten und Technologiefirmen, die international mithalten wollen.
Und: Das auf einzelne Fächer fokussierte Bildungssystem aus dem 19. Jahrhundert müsse durch eine neue, ganzheitliche Betrachtung ergänzt werden. Auf die Nachfolgeveranstaltungen darf man gespannt sein.

Weitere Beiträge zum Thema finden Sie in unserem digitalen Dossier.

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