Querbezüge

Zwei Treppenhäuser im Vergleich

Die opulente Treppe des Hauptbaus kehrt im Neubau des Kunstmuseums Basel als zeitgenössische Interpretation wieder und irritiert die Besucher.

Hella Schindel Architektur, Redaktorin TEC21

Passend zum aktuellen Diskurs über das Bedürfnis nach einer «Neuen Postmoderne» ist der Vergleich des alten und des neu hinzugefügten Treppenhauses im Kunstmuseum Basel eine Betrachtung wert.

Der Weg in den Hauptbau (1936 erbaut durch Rudolf Christ und Paul Bonatz, beide Bewunderer des italienischen Novecento und dessen historischer Vorbilder) führt durch den Ehrenhof in eine hohe Eingangshalle, der die Entstehungszeit des Museums eingeschrieben ist. Der Blick fällt sogleich auf den Fuss der imposanten Treppe, die sich mit Grandezza vor einem geschossübergreifenden Fenster abzeichnet. Die Böden, Treppenläufe und Wangen sind mit speckig glänzendem Kalkstein belegt. Die umgebenden Wände bilden mit einem robusten Kratzputz einen expressiven Fond. Diese Materialsprache haben die Architekten des Neubaus, Christ & Gantenbein, aufgenommen und in die Gegenwart überführt (vergl. TEC21 Heft 33-34/2016). Hier sitzt das Treppenhaus als Verteiler zwischen den kubischen Ausstellungsräumen und drückt diese wie eine geöffnete Schere aus dem orthogonalen Raster.

Im anderen Licht

In einem frischeren Farbklang und  unter Aufnahme der Kurven und breiten Brüstungen bezieht sich das neue Treppenhaus in allen messbaren Parametern auf das Vorbild und doch ist die Wirkung eine völlig andere. Im Hauptbau befindet sich das Treppenhaus am Ende der zentralen Achse, auf der sich der Besucher bewegt. So wird die Treppe schon von weitem als Grossform wahrgenommen. Im Neubau hingegen betritt man die Treppe vom Tiefgeschoss aus und überblickt das Raumgefüge erst, wenn man im Erdgeschoss ein wenig zurücktritt. Nur ein Fenster ermöglicht den Sichtbezug zur Stadt. So detailreich hier auch gestaltet wurde, so wenig erfüllt sich die Aufgabe einer Orientierungshilfe innerhalb des Neubaus.

Im Kontext der umgebenden Architektur kehrt sich die Wirkung der beiden Treppen um: die klare Setzung im Hauptbau verankert die symmetrische Struktur des Hauses und leitet den Besucher, während die neue Treppe in ihrer schwer verständlichen Lage im Haus und zum Aussenraum als monumental und unverhältnismässig erscheint.

Zitieren ist eine Kunst für sich – wir sind gespannt auf die Neue Postmoderne. 

 

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