Neue Wege in die Öffentlichkeit

Wer baut, prägt die Art, wie wir leben. Die Ansprüche an unseren Siedlungs- und Landschaftsraum sind vielfältig. Die Diskussion darüber, wie wir ihn gestalten, gehört in die breite Öffentlichkeit. Mit einer neuen Auszeichnung, dem SIA-Award, will der SIA diesen Diskurs lancieren.

Mike Siering Leiter Kommunikation SIA

Barbara Angehrn Saiki Mitarbeiterin Kommunikation SIA

Die Ambitionen sind hoch. Die wichtigste Auszeichnung für das Schweizer Bauschaffen soll er werden: der neue SIA-Award. Ausstrahlung über die Landesgrenzen hinaus soll er haben. Ein weiterer Architekturpreis? Mitnichten. Die Entscheidung für die neue Auszeichnung, die der SIA ab 2020 alle zwei Jahre vergeben wird, traf der SIA-Vorstand einstimmig, denn er ist überzeugt, mit dem Preis etwas wirklich Neues zu schaffen. Eine Auszeichnung, die das Ziel des SIA widerspiegelt: ein hoch­wertig gestalteter Lebensraum, der heutigen und zukünftigen Generationen in hohem Mass gerecht wird.

Wer baut, gestaltet nicht nur unseren Lebensraum, sondern prägt die Art, wie wir leben. Die Ansprüche an unseren Siedlungs- und Landschafts­raum sind vielfältig. SIA-Vorstandsmitglied Ariane Widmer Pham, Architektin und Raumplanerin, ist überzeugt: «Mit dem SIA-Award können wir die Diskussion darüber, wie wir ihn gestalten wollen, in die breite Öffentlichkeit tragen.» Raus aus dem Elfenbeinturm, hinein in eine gesellschaft­lichen Debatte darüber, wie wir zukünftig leben wollen.

Ein Preis für alle Disziplinen

«Das Beste entsteht nur, wenn alle Disziplinen zusammenarbeiten», sagt Stefan Cadosch, Präsident des SIA, und möchte dieser Überzeugung mit dem SIA-Award Ausdruck verleihen. Starke Teams, herausragende Köpfe und vorbildliche Werke. Werke, die die ganze Breite der im SIA vertretenen Disziplinen widerspiegeln: Bauingenieurinnen, Architekten, Umweltfachleute. Die Arbeit von Gebäudetechnikingenieuren, Landschaftsplanerinnen oder Geologen. Bauingenieur und SIA-Vizepräsident Daniel Meyer sieht Chancen für seine Berufsgruppe: «Die Arbeit von Bauingenieuren wird in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Mit dem SIA-Award können wir das ändern und auch den Nachwuchs für den Beruf begeistern.»

Der Nachwuchspreis

Der SIA-Award wird alle zwei Jahre in vier Kategorien vergeben: Lebenswerk, Bestes Werk, Nachhaltigkeit und Nachwuchs. Die Kategorie «Nachwuchs» lehnt sich an den bisherigen SIA-Masterpreis für Ab­solventen der schweizerischen Architekturschulen an, dehnt die Zielgruppe jedoch auf alle vier im SIA vertretenen Berufsgruppen aus. Neu nominieren die teilnehmenden Hochschulen eine Auswahl ihrer besten Abschlussarbeiten. Die Nominationen werden öffentlich bekannt gegeben. Eine Jury aus Vertretern der Berufsgruppen des SIA liest ihre Favoriten aus und kürt die Siegerin oder den Sieger.

Lebenswerk und Werkpreis

In der Kategorie «Lebenswerk» werden Persönlichkeiten gewürdigt, deren Haltung und gesamtes Schaffen unseren Lebensraum oder die Arbeit der im SIA vertretenen Berufe massgeblich beeinflusst haben. Preisträger kommen aus allen vier SIA-Berufsgruppen.

In der Kategorie «Bestes Werk» wird ein herausragendes Werk gewürdigt, das unseren Siedlungs- oder Landschaftsraum oder die Arbeit der im SIA vertretenen Berufsgruppen massgeblich be­einflusst hat. Preisträger kommen ebenfalls aus allen vier SIA-Berufsgruppen. Den Werkpreis kann ein Bauwerk erhalten, ein städtebau­liches Projekt, ein Infrastruktur- oder Lands­chaftsprojekt, aber auch ein innovatives technisches Bauwerkssystem oder gar ein virtuelles Werk, sofern es den Wirkungsbereich der SIA-Fachleute massgeblich zu beeinflussen vermag. Ein Gremium aus Vertretern aller SIA-Berufsgruppen erstellt aus den eingereichten Ar­beiten eine Shortlist, aus der eine unabhängige Fachjury die Preisträger auswählt.

Nachhaltigkeitspreis

Werke, die nachhaltend, also «bleibend» sind und nachwirken – solche Arbeiten also, die wir landläufig als «nachhaltig» bezeichnen –, sollen in einer vierten Kategorie ausgezeichnet werden: resiliente Werke zum Beispiel, die belastbar auf Verän­derungen von Umweltbedingun­gen reagieren, die widerstandsfähig sind. Ressourcenschonende Arbeiten mit Vorbildcharakter oder auch Systeme, die die Regenerationsfähigkeit verfügbarer Ressourcen unterstützen. Bei Arbeiten in dieser Kategorie ist das vorbildliche Zusammenspiel mehrerer Fachdisziplinen besonders ausgeprägt. Die Kategorie «Nachhaltigkeit» lehnt sich an die von 2007 bis 2017 vergebene SIA-Auszeichnung Umsicht – Regards – Sguardi an. Eine fachlich breit aufgestellte Jury wählt ein Sieger­projekt aus.

Ohne Sponsoren geht es nicht

Von Beginn an sein ganzes Herzblut in den SIA-Award steckte Architekt Valerio Olgiati, der auch in der Arbeitsgruppe SIA-Award mitwirkt: «Die Schweizer Bau­szene ist einzigartig. Das müssen wir zeigen – auch über die Grenzen hinweg.» Er ist überzeugt, dass sich die Schweizer Planer international nicht zu verstecken brauchen, ganz im Ge­genteil: Schweizer Bauschaffen geniesst weltweit einen einzig­artigen Ruf, weshalb er den SIA-Award über die Landesgrenzen hinweg bekannt machen will.

Zunächst gilt es aber noch eine Hürde zu nehmen: Der SIA-Award soll zu einem grösseren Teil durch Sponsoren finanziert werden. Die Arbeitsgruppe, die der Vorstand für die Begleitung des Projekts eingesetzt hat, ist überzeugt, dass dies gelingt. Sie setzt sich zusammen aus ­Stefan Ca­dosch, Valerio Olgiati, Ariane Widmer Pham und Simo­ne Tocchetti. Unterstützt wird sie von Barbara Angehrn Saiki, Ivo Vasella und Mike Siering von der Geschäftsstelle.
 

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