Militär, Mineur, Verkehr – verkehrte Welt

Kolumne

Peter Seitz Bauingenieurwesen, Redaktor TEC21

Mineure sind ursprünglich Pioniersoldaten – sie untergraben feind­liche Bastionen, um diese einnehmen zu können. Im Ersten Weltkrieg waren italienische Truppen an der Alpenfront gefürchtet: Sie gruben sich den Österreichern entgegen, um diese in ihren Stellungen zu unterminieren. Ganze Bergkuppen wurden mitsamt ihren Besatzern in die Luft gesprengt. Ein trauriges Beispiel ist der Col di Lana.
Und heute? Da graben österreichische und italie­ni­sche Mineure beim Bau des Brenner-­Basistunnels einander entgegen und versuchen sich diesmal sogar genau zu treffen, auf gleicher Höhe, aber in friedlicher Absicht. Unter der Erde entsteht eine schnelle Verbindung, während darüber immer wieder Forderungen nach Grenzen, Panzern und Militär am Brenner laut werden. Flüchtlingsströme möchte mancher dadurch eindämmen.
Verkehrt herum gab es Ähnliches schon einmal. Die ersten Arbeiten am Eurotunnel unter dem Ärmel­kanal wurden 1882 eingestellt, teils aus der Befürchtung heraus, England könne so leichter eingenommen werden. Zeitgleich fuhren britische Schiffe über alle Weltmeere.
Gibt es also immer nur eine freie Verkehrsverbindung – entweder über oder unter der Erde? Und was geschähe, wenn ein Tunnel von Europa nach Afrika entstünde?
 

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