Marschhalt beim Universitätsquartier Zürich

Das Baurekursgericht des Kantons Zürich bremst die Pläne von Baudirektor Markus Kägi (SVP) mit dem Zürcher Hochschulquartier. In einem am Dienstag veröffentlichten Entscheid hält es fest, dass die kantonalen Gestaltungspläne für den umfassenden Umbau des Quartiers aufzuheben sind. Die Baudirektion wird den Entscheid an das Verwaltungsgericht des Kantons Zürich weiterziehen.

Das Vorgehen der Baudirektion ist nach der Beurteilung des kantonalen Baurekursgerichts nicht korrekt. Im Entscheid vom 23. März hält es fest, dass zuerst die Stadt Zürich ihre Bau- und Zonenordnung ändern müsse und die kantonalen Gestaltungspläne abhängig davon beurteilt werden müssten.

Die Baudirektion hatte den Standpunkt vertreten, dass mit dem kantonalen Richtplaneintrag zum Hochschulgebiet die notwendige Grundlage für die kantonalen Gestaltungspläne besteht. Vorhaben mit kantonalem Interesse sollten von Anfang bis Ende sichergestellt sein und nicht durch kommunale Planungen beeinträchtigt oder behindert werden.

Mit dieser Haltung war Baudirektor Kägi bereits im Kantonsrat auf Widerstand gestossen. Im März 2017 hatten in der Debatte Vertreter der SP und der Grünen kritisiert, dass das Milliardenprojekt im Hochschulquartier an der Stadtzürcher Bevölkerung vorbei umgesetzt werde und dass mit Kägi ein Mann allein die Entscheide treffen könne. Gleichwohl hatte der Kantonsrat die Teilrevision des kantonalen Richtplans für das Hochschulgebiet mit grossem Mehr angenommen.

Die Rekurse, die das Baurekursgericht nun gutgeheissen hat, wurden von Stockwerkeigentümern aus dem betroffenen Quartier und dem Verein Zukunft Hochschulgebiet Zürich eingereicht. Das Gericht erklärte die Rekurse der Anwohner auch dann für legitim, wenn diese zu den fraglichen geplanten Bauten einen Abstand von bis zu 400 m haben. Die Betroffenheit sei aufgrund der erheblichen Ausmasse der Bauvolumen gegeben.

Der Richtplan für die Entwicklung des Zürcher Hochschulquartiers in den kommenden Jahrzehnten sieht grosse Veränderungen vor. Auf einer Fläche von rund 30 Fussballfeldern werden alte Gebäude abgerissen und neue gebaut, um den Platzbedarf der Hochschulen und des Universitätsspitals zu decken. Ausserdem muss die veraltete Infrastruktur modernisiert werden.

Baudirektion zieht Entscheid weiter

Das Universitätsspital geniesst Priorität in den Umbauplänen. Mit dem Entscheid des Baurekursgerichtes wird sich der Fahrplan verzögern. Die kantonale Baudirektion reagierte am Dienstag umgehend und kündigte an, den Entscheid an das Verwaltungsgericht des Kantons Zürich weiterzuziehen. Die Baudirektion hält an ihrer Auffassung fest, dass sie ihre planungsrechtlichen Instrumente korrekt angewendet hat, und beruft sich auf die Festsetzung im kantonalen Richtplan.

 

Planung in Zürichs Zentrum
TEC21 und espazium.ch berichten seit einigen Jahren über den Planungsprozess im Zürcher Hochschulgebiet. Lesen Sie dazu auch unsere Artikel:

«Gewalttätiges Konzept» in TEC21 42/2016;
«Der Studienauftrag lässt nichts Gutes erwarten» in TEC21 48/2016;
«Täuschende Virtual Reality im Universitätsquartier» in TEC21 1–2–3/2018;
«Die Suche nach dem Dazwischen» in TEC21 12–13/2018

Verwandte Beiträge

ARCHIV: Die Ausgaben seit 2013

Abonnieren Zum Archiv