Mariendom in Neviges: Eingriff von oben

Editorial

Tina Cieslik Architektur/ Innenarchitektur, Redaktorin TEC21

Daniela Dietsche Fachjournalistin Ingenieurwesen / Verkehr

Der Weg zum Erfolg führte über den Tastsinn: Beim Wettbewerb für den Bau des Mariendoms im deutschen Neviges 1964 konnte der fast blinde Auftraggeber, der Kölner Erzbischof Josef Kardinal Frings, den plastischen Entwurf von Gottfried Böhm im Modell im wahrsten Sinn des Wortes am besten erfassen. Böhm erhielt den Zuschlag und schuf in der Folge sein wohl stärkstes Werk Sakralarchitektur.
Ähnlich feinfühlig geht es im eigentlich protes­tantischen Neviges auch heute noch zu. Denn so expressiv ihre Form und so kraftvoll ihre Präsenz, so undicht ist leider das Dach der Wallfahrtskirche: Bereits kurz nach der Fertigstellung begann Wasser ins Innere einzudringen – ein Problem, das bei Sichtbeton aus dieser Zeit ­immer wieder auftritt. Erste Instandsetzungs­versuche in den 1980er-Jahren brachten nicht den gewünschten Erfolg. Doch nun wurde mit gutem Ergebnis auf einer ersten Testfläche das Dach mit einer Schutzschicht aus carbonfaserbewehrtem Beton abgedichtet. Mithilfe einer pigmen­tierten Deckschicht mit Schalbrettstruktur soll auch das ursprüngliche Aussehen der Oberflächen ­wieder hergestellt werden.
Das wegen der ungewöhnlichen Geometrie des Mariendoms zwar äusserst aufwendige, doch offenbar wirkungsvolle Verfahren könnte auch hierzulande Ansätze für die Instandsetzung von Bauten aus Sichtbeton bieten. Insbesondere für die Einhaltung von denkmalgeschützten ­Werken der Baukunst sind neue Ansätze gefragt (vgl. TEC21 38/2017).

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Heilsversprechen in Beton
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