Leichte Abkühlung auf hohem Niveau

Zehn Jahre nach der Finanzkrise zeigt sich der Schweizerische ­Projektierungssektor in robuster Verfassung. Dennoch ist der Ausblick in die nahe Zukunft weniger optimistisch als auch schon.

David Fässler Fürsprecher M.B.A./SIA; Leiter SIA-Service

Anfang September 2008 erschütterte der Konkurs der New Yorler Investment­bank Lehman Brothers die globalen Finanzmärkte, und die Finanzkrise nahm ihren ­Anfang. Die Schweiz meisterte sie im Grossen und Ganzen unbeschadet. Insbesondere der Bau-, Immobilien- und Projektierungssektor hat seitdem sogar eine einzigartige Blüte erlebt – die vor allem den rekordtiefen Zinsen zu verdanken ist.

Schulden machen ist in

Experten und Marktbeobachter sind sich einig, dass die Lehren aus der Krise nicht vollständig gezogen worden sind. Im Gegenteil: Seit 2007 ist die private Verschuldung weltweit um gut 40 % gestiegen, der grösste Teil davon ist in Hypotheken gebunden. Zwischenzeitlich summieren sich in der Schweiz die ausstehenden Hypotheken auf rund 1000 Milliarden Franken. Bei steigenden Zinsen könnten private Hausbesitzer und Unternehmen ins Schlittern kommen. Im Fokus stehen die Preis­stei­gerungen bei Renditeobjekten, wie beispielsweise bei Mehrfamilien­häusern.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) weist seit Längerem auf die sich kontinuierlich aufbauenden Ungleichgewichte in diesem Segment hin. An den diesjährigen NZZ Real Estate Days äusserte sich ­SNB-Vizedirektor Fritz Zurbrügg kritisch zur Vergabepraxis der in­land­orien­tierten Banken: Es würden immer mehr Kre­dite vergeben, ­bei denen die Tragbarkeit bei einem markanten Anstieg der Zinsen, zum Beispiel auf 5 %, nicht mehr ­gegeben sei. Um die Finanz­stabilität in der Schweiz nicht zu gefährden, ­seien gezielte Massnahmen zu ­prüfen.

Solide Situation im ­Projektierungssektor

Die Schweizer Bauwirtschaft hat in den Jahren 2009 bis 2014 massgeblich zur nationalen Wertschöpfung beigetragen, wie Jan-­Egbert Sturm, Leiter der Konjunkturforschungs­stelle an der ETH (KOF), anlässlich der traditionellen Prognosetagung führte. Seit rund drei Jahren ist ­dieser Beitrag jedoch merklich am Abflachen – auf hohem Niveau no­tabene. In diesen Kontext passen die aktuellen Resultate der Quartals­umfrage im Projektierungs­sektor. Das konjunkturelle Klima kühlt sich leicht ab: 49 % der Projektierungs­büros sprechen von einer guten ­konjunkturellen Lage, 47 % bewerten die Geschäftslage als befriedigend, und nur 4 % gehen von einer schlechten Lage aus.

Unterschiedliche ­Erwartungen

Die Erwartungen der Projektierungsbüros ergeben gemäss KOF kein ­einheitliches Bild. Die Umfrageteil­nehmer äussern sich zwar ­wieder optimistischer als noch im Sommer 2018 hinsichtlich der Nachfrage, der Leistungserbringung und der Beschäftigung. Die Erwartungen zur Entwicklung der Geschäftslage sind jedoch für die nächsten sechs Mo­nate weniger optimistisch. Vermutlich rechnen die Büros mit weiter sinkenden Preisen, was sich negativ auf die Ertragslage auswirken könnte. Während sich die Einschätzung der Bausummen insgesamt in den letzten Quartalen kaum geändert hat, geht der Saldo der Bausummen des Wohnbaus und öffentlichen Baus seit Anfang des Jahres 2018 deutlich zurück. Der Anteil der ­Bausummen, die auf Erneuerung und Unterhalt entfallen, steigt leicht auf 37 %.

Die Einschätzungen der Architekturbüros zur Geschäftslage, zur Nachfrage sowie zur Leistungserbringung haben sich in den letzten Monaten kaum verändert. Gemäss der KOF-Umfrage beklagen Architekten vermehrt sinkende Bausummen im Wohnbau. Die Ingenieure schätzen die Geschäftslage weniger positiv als noch Anfang 2018 ein, ­al­lerdings bewerten sie die Nachfrage und den Auftragsbestand günstiger als noch vor zwei Quar­talen. Im Gegensatz zu den Ar­chi­tektur­büros bewerten die Ingenieurbüros die Bausummen seit zwei Quartalen wieder positiver.

Weitere Infos auf www.kof.ethz.ch

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