Hoch lebe Luigi Snozzi!

In diesem Jahr geht der Schweizer Grand Prix Kunst, besser bekannt unter dem Namen «Prix Meret Oppenheim», der vom Bundesamt für Kultur in Zusammenarbeit mit der Eidgenössischen Kunstkommission eingerichtet wurde, an zwei Künstler und einen Architekten.

Hella Schindel Architektur, Redaktorin TEC21

Während Sylvie Fleury bereits als Grande Dame der hiesigen Kunstlandschaft gelten kann, ist die Auszeichnung von Thomas Hirschhorn eine gewagtere Entscheidung. Seit mehr als zwei Jahren beschäftigt er sich mit einer Installation zu Ehren Robert Walsers, die auf dem Bahnhofsplatz von Biel Raum greifen soll. Einsprachen haben die Genehmigung für den geplanten Beginn der Aktionen im Juni 2018 verhindert. Nun nimmt das partizipative und streitbare Projekt erneut Anlauf für eine Realisierung im Sommer 2019. Es ist ein schönes Signal, dass der Bund ihn in seinem Engagement unterstützt. 

Der eigentliche Mittelpunkt der Veranstaltung war jedoch zweifelsohne die Ehrung Luigi Snozzis. Der 1932 in Mendrisio geborene Architekt und emeritierte Professor für Architektur hat mit strengen und sehr poetischen Sichtbetonbauten ein bedeutendes Werk im Tessin aufgebaut. Seine Person und sein Schaffen, untrennbar miteinander verbunden, wurden in einem filmischen Porträt umkreist. Das darin vorgetragene Statement, ein Architekt ohne Gewissen stelle eine Gefahr für die Öffentlichkeit dar, beschreibt Snozzis Haltung bereits sehr treffend. Bei den Überlegungen zu einem Entwurf versuche er, die Masse der Anforderungen auf die fundamentalen Aspekte zu reduzieren, um eine möglichst klare Basis für eine architektonische Lösung zu erlangen. Das, was nach aussen als radikale Haltung wirke, sei tatsächlich das Ergebnis eines langen Ringens um Präzision und Transparenz.

Die antieffiziente Idee von Stadtplanung, die er verfolgt, wenn er zum Beispiel die Mauern wiederaufbauen lässt, die den Ort Monte Carasso einst prägten und die dem flüssigeren Autoverkehr weichen mussten, ist politisch nur schwer durchzusetzen. Viel zu selten gelingen daher Erfolge wie die beispiellose und langjährige Stadterneuerung, an dem er vor nunmehr 40 Jahren angefangen hat zu planen.

In der anschliessenden Laudatio würdigte Kunst- und Architekturhistoriker Werner Oechslin die architektonische Intelligenz von Luigi Snozzi. Er habe bei Bauvorhaben das Verändern einer ganzen Situation vor Augen. Seine Eingriffe bewirkten einen Mehrwert, der über den evidenten Nutzen herausgehe und sowohl gestalterisch als auch gesellschaftlich einen zusätzlichen Gewinn schaffe. Der Wunsch der Studenten, ihn über alle Hindernisse hinweg an die EPFL als Lehrer zu bestellen, spreche für sein ansteckendes Engagement als Architekt und als Mensch.

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