Glanz in der kleinsten Hütte

Unvorhergesehenes

Hella Schindel Architektur, Redaktorin TEC21

Vor den eleganten neuen Apartmenthäusern, die ich auf dem Weg in die Redak­tion durchquere, stehen heute lauter Buden. Seltsam in diesem aufgeräumten Teil der Stadt. Zunächst vermute ich dahinter einen ­Regenschutz über nachträglichen Bauarbeiten im Boden, so schlicht und provisorisch kommen sie daher. Bei diesen schnell hochgezogenen Neubauten wäre das ja kein Wunder.

Merkwürdig nur, wie viele es davon gibt. Oder handelt es sich um Kunst am Bau, eine Performance über die Grenzen zwischen öffentlichem und privatem Raum? Aber warum sind sie so unterschiedlich gebaut? Manche sind aus Plastikplanen, manche stabilere Bretterbuden, wie man sie von Strassen­festen kennt. Sie stehen ganz nah vor den Erdgeschoss­fenstern der Wohnungen. Ich wage den Blick durch die Öffnung einer Plane und erblicke einen prächtig geschmückten Raum mit einem Tisch in der Mitte. 

Jetzt geht mir ein Licht auf: In der Umgebung meines Arbeitsplatzes leben viele der jüdisch-orthodoxen Familien Zürichs, und diese Woche feiern sie das Laubhüttenfest! In diesen Tagen speisen sie in ihren Extrazimmern, die von aussen – mangels Natur – ein etwas städtischeres Erscheinungsbild ­haben als ursprünglich. Dem Glanz im Innern tut das keinen Abbruch.

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