Giovanni Lombardi (1926–2017)

Editorial

Peter Seitz Bauingenieurwesen, Redaktor TEC21

Am Swiss Tunnel Congress 2018 wird die Planung zur zweiten Tunnelröhre des Gotthard-Strassentunnels vorgestellt. Bei der anschliessenden Diskussion meldet sich ein älterer Herr zu Wort und erzählt, dass bei der Projektierung des ersten Strassentunnels durch den Ingenieur Giovanni Lombardi schon weitsichtig der Bau einer zweiten Röhre vorgesehen war – wohlgemerkt bereits in den 1970er-Jahren. War Lombardi seiner Zeit so weit voraus?

Ein Pionier war er auf alle Fälle. Lombardi führte als Erster in seinem Ingenieurbüro Elektronenrechner ein, die Vorläufer heutiger Computer. Nur 89 dieser Rechenmaschinen gab es zu diesem Zeitpunkt in der gesamten Schweiz – vor allem bei Banken und in der Verwaltung. Angst vor Neuerungen war wohl keine Eigenschaft seiner Persönlichkeit. 

Werkzeuge und Anschauungen können und dürfen sich verändern. Daher verwundert es nicht, dass Lombardi auch neue Sichtweisen auf Pro­blemstellun­gen im Tunnelbau eröffnete und bei Abschätzungs- und Berechnungsmethoden im Tunnel­bau Akzente setzte.

War er nun seiner Zeit so weit voraus? Vielleicht bewahrheitete sich am Gotthard eine seiner Befürchtungen respektive Feststellungen: Der Tunnel der Zukunft würde nicht von Bergleuten ausgebrochen, sondern von Bürokraten. Etwa 50 Jahre werden seit der Eröffnung der ersten Stras­sen­röhre vergangen sein, bis zwei zur Verfügung stehen werden. Dass vor und hinter den beiden Tunnels die Autobahn zweispurig verläuft, in jeder Röhre der Verkehr aber einspurig rollen soll – ich glaube, darüber hätte ein Giovanni Lombardi nur gelacht.

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