Future Cities Laboratory

European–South East Asian Architectural Dialogue

Zum dritten Dialog zwischen Persönlichkeiten der jeweiligen Architekturszene hat die ETH Zürich zwei Architekten eingeladen, die trotz unterschiedlichen Konditionen einen ähnlichen gestalterischen Ansatz erkennen lassen.

Hella Schindel Architektur, Redaktorin TEC21

Trotz dem rasanten Tempo der Stadtentwicklung in Südostasien scheint es den Planern dort zu gelingen, soziale, ökologische und architektonische Aspekte langfristig zu steuern. Gemeinsam mit Partnereinrichtungen in Singapur spürt die Forschungsgruppe Future Cities Laboratory (FCL) der ETH Zürich die Unterschiede und Kongruenzen zum zukunftsgerichteten Städtebau in der Schweiz auf und vergleicht sie miteinander (vgl. «Die Lektion von Singapur»).

Die massgeblichen Voraussetzungen betreffend Ökonomie, Kultur und Klima sind diametral entgegengesetzt. Dennoch ähneln sich manche Problemstellungen, zum Beispiel die demografische Entwicklung oder auf die zunehmende Bedeutung des Umgangs mit dem Klimawandel. Gründe genug, in einen Austausch zu treten und voneinander zu profitieren.

Zum dritten Dialog zwischen Persönlichkeiten der jeweiligen Architekturszene hat die ETH Zürich zwei Architekten eingeladen, die trotz unterschiedlichen Konditionen einen ähnlichen gestalterischen Ansatz erkennen lassen.

Als Vertreter der asiatischen Hemisphäre hat der Architekt Andra Matin seine Haltung anhand von Arbeiten im Indonesischen Archipel dargestellt. Ihm gegenüber formulierte Quintus Miller von Miller & Maranta, Basel, die Punkte, die seiner Architektursprache zugrunde liegen.

Prägnant zeichnete sich die Bedeutung der klimatischen Umgebung bei der Gegenüberstellung zweier Hotelbauten ab: Bei dem Entwurf von Matin auf Bali geht es um eine gute Durchlüftung des gesamten Gebäudes, um ein möglichst offenes Ineinanderfliessen von Innen- und Aussenraum. Wie in verschiedenen anderen Entwürfen kommt dabei dem Dach, das offen und grosszügig über den Aufenthaltsbereichen schwebt, eine besondere Bedeutung zu.

Der Umbau des Hospizes am Gotthardpass von Miller & Maranta schliesst sich dagegen gezwungenermassen gegen den Aussenraum – um diese Jahreszeit liegt der Schnee dort gern mal sechs Meter hoch. Doch auch hier ist das Dach das Element, das die Erscheinung des Baus entscheidend prägt. Wie eine Haube umschliesst es den massiven Baukörper und symbolisiert den Schutz und die Geborgenheit, die das Hospiz auszeichnen.

Beiden gemein ist auch die aufmerksame Setzung von Gebäudeöffnungen mit Ausblicken auf die extreme Landschaft, die von beiden Architekten als massgeblicher Bestandteil ihres Entwurfs bezeichnet werden. Auch die Lust an strapazierfähigen, festen Materialien, die die Spuren der Zeit und der Witterung würdig aufnehmen, spiegelt sich in beiden Bauten: Während Matin die Fehlstellen in eigens angefertigten Backsteinen als gewünschten gestalterischen Effekt einplant, legt Miller Wert auf die Fuge, die zwischen dem bestehenden Aussenputz und der nach alten Rezepten angefügten Oberflächenbehandlung sichtbar bleibt. Hier geniesst Miller die hohe Qualität der schweizerischen Handwerkskunst, die bei Projekten überschaubarer Grösse den Blick auf das Detail erlaubt, während Matin eher auf ein starkes Gesamtkonzept mit sichtbarer Konstruktion setzen muss. Nur dann fallen die durch Unkenntnis oder mangelhafte Materialqualität entstehenden Einbussen, die häufig auf Korruption und undurchsichtige Auftragslage zurückzuführen sind, nicht zu sehr ins Auge.

Weitere Informationen finden sich in der Publikation «Yellow Booklet», herausgegeben von der ETH Zürich.

 

 

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