Fantastische Fäden

Ausstellung im Zürcher Museum Bellerive

Eine Textilausstellung im Museum Bellerive zeigt Kunstwerke und ­Gebrauchsgegenstände vom Jahr 1900 bis in die Gegenwart.

Danielle Fischer Architektur, Redaktorin TEC21

Raumkompositionen aus bunten Tapisserien oder Silberdrahtobjekte mit winzigen Perlen, die wie Tautropfen im Spinnennetz hängen. Wandbehänge, deren schillernde Sujets den Betrachter in ihren Bann ziehen. Tausende von Seidenfäden zu schweren Kordeln aufgerollt, die wie kokette Kokons gigantischer Raupen von der Decke des Museums hängen. All das und vieles mehr überrascht den Besucher in der Ausstellung «Der textile Raum». 

Die Ausstellungstücke reichen von kunstgewerblich aufwendig gestalteten Raumtextilien der 1910er-Jahre bis hin zu zeitgenössischen Designgegenständen. 

Sophie Taeuber-Arp und ihre Schüler

Am Anfang der international an­erkannten, modernen Schweizer Textil­kunst stand die Dada-Künstlerin Sophie Taeuber-Arp. Von 1916 bis 1929 unterrichtete die Innerschweizerin an der Zürcher Kunstgewerbeschule mit dem Ziel, Kunst, Gestaltung und Handwerk zu verbinden und die Grenzen zwischen den Gattungen aufzuheben. Sie lenkte die florale Stickkunst ihrer Schülerinnen und Schüler auf geometrische Wege. 

Ihre Schülerin Elsi Giauque, die später ebenfalls an der Schule lehrte, entwickelte Techniken und Formenreichtum weiter. Sie setzte sich auch dafür ein, dass textiles Design als eine eigenständige, vollwertige Kunstgattung wahrgenommen wird. Die Schönheit der Entwürfe und der Fleiss, mit dem die nachfolgenden Generationen von Textilgestalterinnen und -gestaltern arbeiteten, zeugen von Elsi Giauques Einfluss und ihrem Arbeitsmotto «Nur der volle Einsatz zählt». Dieser asketisch anmutenden Arbeitshaltung ist eine gewisse Bescheidenheit nicht abzusprechen. 

Moik Schile oder Marlise Staehlin haben in ihren Kunstwerken Tausende von Fäden zu einem Ganzen verwoben oder verflochten. Designer wie Trix und Robert Hauss­mann prägten mit ihren extrava­ganten Entwürfen manchen Privatbereich. Die Ausstellung zeichnet diese Entwicklungen nach und verwebt Textilkunst und -design zu einem spannenden Netz.

«Der textile Raum»

Ausstellung noch bis 21.2.2016, Di–So 10–17 Uhr,
im Museum Bellerive, Höschgasse 3, 8008 Zürich.

Weitere Informationen: www.museum-bellerive.ch

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