Ersatzneubau, Energiewende und Siedlungsverdichtung

Swissbau 2014
Am 21. Januar 2014 öffnete die Swissbau zum 23. Mal ihre Tore. In den kommenden Tagen präsentieren sich über tausend Aussteller. Zudem finden zahlreiche Rahmenveranstaltungen zu aktuellen Themen der Baubranche statt. Im Fokus der offiziellen Eröffnungsveranstaltung unter der Leitung von Moderator Rainer Maria Salzgeber standen der Ersatzneubau und die neue Messehalle.

Nathalie Cajacob Co-Redaktionsleiterin espazium.ch

Ein aktuelles und prominentes Beispiel eines Ersatzneubaus ist der Neubau der Messe Basel von Herzog & de Meuron (vgl. TEC21 3-4/2013 «Neubau Messe Basel»). Der Hausherr, Messe-Schweiz-CEO René Kamm, war sichtlich stolz auf die neue Halle und bezeichnete den Bau, an dem über 240 Firmen beteiligt waren, als Paradebeispiel für die Qualität des einheimischen Bauens. In einem Kurzfilm wurden die wichtigsten Facts & Figures der neuen Halle gezeigt. Es folgten Begrüssungen von Hans Killer, Präsident von bauenschweiz, und Nationalratspräsident Ruedi Lustenberger. Letzterer betonte, wie wichtig die Bauwirtschaft für die Umsetzung der Energiestrategie 2050 sei.

Im ersten Impulsreferat zeigte Walter Steinmann, Direktor des Bundesamt für Energie BFE, Möglichkeiten auf, wie der Gebäudebereich energieeffizienter und klimafreundlicher werden kann und foderte, die Branche müsse allgemein «smarter» werden, in Form von «smart buildings», «-grids» und «-technologies».  Joëlle Zimmerli, Inhaberin Büro Zimraum Raum + Gesellschaft, bezeichnete den Ersatzneubau als «Zukunftsraum von morgen, als Antwort auf die Zersiedelung von gestern». Für Zimmerli ist eine nachhaltige Siedlungsentwicklung nur mit Ersatzneubau und innerer Verdichtung möglich. 

Gesetzliche Hürden, Mitsprache bei der Qualität
In der anschliessenden Podiumsdiskussion diskutieren Experten aus Politik, Wirtschaft und Forschung über Verdichtung und Ersatzneubau. Sind die gesetzlichen Hürden für Ersatzneubauten zu gross? – fragte Moderator Rainer Maria Salzgeber. Hans-Peter Domanig, CEO Priora Holding AG und Vorstand bauenschweiz: «Die Hürden sind hoch. Unternehmer sind immer in Vorleistung und müssen viel Investment reinbringen, bis ein Ersatzneubau zustande kommt.»

Für Thomas Kessler, Leiter Kantons- und Stadtentwicklung Basel-Stadt, hat die Schweiz hohe Hürden – aber am falschen Ort. Laut Kessler sollte man beispielsweise die Wiesen ausserhalb der Infrastruktur noch besser schützen und umgekehrt die Sanierung in bestehenden Infrastrukturen erleichtern. «Wenn wir schneller sein wollen als die Klimaerwärmung, müssen wir schneller handeln können», so Kessler. 

Für Jean-Daniel Gross, Leiter Denkmalpflege Stadt Bern, ist es wichtig, dass die Qualiät hoch angesetzt wird, «auch wenn das ein wenig bremst». Hans Aregger, Inhaber Aregger AG Bauunternehmung, fragte, wer genau über diese Qualität bestimme, und fügte hinzu, dass unsere Hürde unsere politische Struktur sei, denn jeder Opponent könne sich mit wenig Aufwand gegen einen Ersatzneubau wehren. 

Auf die Frage des Moderators, wie fördernd oder hemmend die Normen und Vorgaben des SIA wirken, antwortete Verbandspräsident Stefan Cadosch, dass die Normen die Spielregeln der Baubranche seien. «Die Normen macht nicht alleine der SIA, sondern Vertreter der Bauszene.» Laut Cadosch sind alle interessierten Beteiligten eingeladen, an diesen Spielregeln mitzuarbeiten.

Laut Peter Schmid, Präsident ABZ Allgemeine Baugenossenschaft Zürich, muss man nicht über Regeln reden, sondern über die Schweizer Volkswirtschaft, denn Verdichtung sei ein volkswirtschaftliches Gebot. «Es bringt alles nichts, wenn man nicht auch über Belegung redet.»

Video der Veranstaltung in voller Länge 

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