Ein fast proustsches Erlebnis

Kolumne

Danielle Fischer Architektur, Redaktorin TEC21

Kürzlich während meiner Zugfahrt von London King’s Cross nach Cambridge ärgerte ich mich über den Ansagewahn aus dem Lautsprecher: «Final destination of this train is Cambridge. We are calling: Potters Bar, Brookmans Park, Welham Green, Hatfield …» Es folgt eine ­endlos scheinende Liste mit über zwanzig Haltestellen. Die Ansage, die ich vergeblich zu ig­norieren ­versuche, wird nach jedem Halt, etwa im Dreiminutentakt, ­wiederholt. Dazu vor jeder Tür­öffnung natürlich das obligate «Mind the gap between train and platform». 
Doch da! An einer Haltestelle werde ich hellhörig. Tief in meiner Erinnerung wird etwas wach: «Welwyn Garden City.» Das war in der ­Ar­chitekturgeschichte an der ETH – genau! Ebenezer Howard! Schon entstehen vor meinem inneren Auge Bilder: Wege durch grüne Anlagen, kleine Häuser und ein Provinzbahnhof, genau wie dieser in Backstein. Aha, die erste Gartenstadt gibt es wirklich. Und der pittoreske Ort entspricht genau meinen Vorstellungen.
Während ich das Handy an der ­Zugscheibe in Position bringe für ein Foto – damit auch der Leser und die Leserin den Beweis sehen –, bewegen wir uns weiter. Und aus dem Lautsprecher erklingt: «We are calling Welwyn North, Stevenage, Letch­worth Garden City …» 

Verwandte Beiträge

ARCHIV: Die Ausgaben seit 2013

Abonnieren Zum Archiv