Ein desolates Paar

Kolumne

Danielle Fischer Architektur, Redaktorin TEC21

Vor diesen beiden Türmen  stand ich kürzlich ganz unvermittelt während einer Wanderung im Tessin. Ob sie dort auf mich warteten, wie der Blechmann ohne Herz im Märchen «Der Zauberer von Oz», dem Dorothy auf dem gelben Klinkersteinweg im Wald begegnete? Durch ihren ­de­solaten Zustand rührten sie mich wirklich ein wenig. 
Dann aber dachte ich mir, dass sie bestimmt ein weniger märchen­haftes Dasein fristen. Waren es vielleicht aus alten Bauteilen zusammengesetzte Jagdtürme? Doch dafür  waren die um je einen Baumstamm herum­gebauten Zwillingsobjekte viel zu schmal. Im Innern war auch keine Treppe auszumachen, ein Aufstieg wäre also gar nicht möglich. Ausserdem – welchen Sinn sollte ein Jagdhorst so nah an einem Wanderweg durch den Wald haben? 
Han­delte es sich vielleicht um zwei Baumhütten für Kinder aus dem Dorf, gebastelt aus dem Bauschrott alter Tessiner Häuser? Auch das erschien mir angesichts ihrer vom Zerfall be­drohten Erscheinung eher unwahrscheinlich. Erst als ich auf dem Weg Richtung Lavertezzo an weiteren kuriosen Objekten vorbeikam, dämmerte es mir: Das ­schrottige Lotter-Paar ist Teil des viereinhalb Kilometer langen «Wegs der Kunst» durch das Verzascatal.

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