Was es braucht, um die Zukunft in Angriff zu nehmen

Die Digitalisierung verspricht ökonomisch wie ­ökologisch effizientere Lösungen, eine umfassendere Systembetrachtung und generiert Mehrwerte über die gesamte Wertschöpfungskette Bau. Doch sie verunsichert auch – und ihre ­Anwendung will gelernt sein.

Frank Thesseling Leiter iBau@hslu, Dozent Digitalisierung in der Architektur + BIM

Nie zuvor standen Architek­tinnen und Ingenieuren innerhalb weniger Jahre so umfassende neue technologische Möglichkeiten zur Verfügung, die alle Bereiche des Entwerfens, Planens, Bauen und Betreibens be­t­ref­fen. Auch politisch-gesellschaftliche Rahmenbedingungen wie die Energiestrategie 2050 des Bundes forcieren eine zunehmend interdisziplinäre und digitale Planungsweise.

Daraus leiten sich zwei Konsequenzen ab: zum einen die erhöhte Komplexität der Planungsauf­gaben, zum anderen die Etablierung von digitalen Planungswerkzeugen und Methoden. Beides führt zu ­grosser Unsicherheit, denn die Digitalisierung mit ihrer gesteigerten Komplexität rüttelt am heutigen Selbstverständnis von Planern. Wer früher gut funktionierte, war prä­-zise, gewissenhaft und pünktlich. Heute müssen wir vor allem eines sein: innovativ. Wir müssen neu quer und in die Zukunft denken.

Doch die heutigen Strukturen erschweren das. Wir sind es gewohnt, kleine perfektionistische Verbesserungen vorzunehmen. Radikale Umwälzungen finden aber nur selten oder gar nicht statt. Vielen fehlt der Mut, aber auch das Rüstzeug für ­diese Art des Denkens. Interdiszi­plinäres Engineering statt einfache Planung ist heute gefragt. Um diesen wachsenden Anforderungen gerecht zu werden, ist es für die Unternehmen wichtig, die entscheidenden Fragestellungen frühzeitig vorauszudenken.

Gebündeltes Fachwissen

Damit die Vermittlung der Kompetenzen in den neuen digitalen Themen gelingen kann, hat die HSLU die Themenplattform «iBau@HSLU» gegründet. Diese Plattform entwickelt interdisziplinär Methoden und Strategien für eine effizientere und zukunftsorientierte Aus- und Weiterbildung.

Mit der Integration der Themen ins Curriculum der Studiengänge Architektur, Bauingenieurwesen, Gebäudetechnik/Energie und Innenarchitektur entsteht in diesen Disziplinen auch ein Wissens- und Arbeitscluster für die Fragestellungen, die mit der Digitalisierung zusammenhängen. So entsteht ein fundiertes interdisziplinäres Forschungs- und Lehrumfeld, in dem nicht nur das Schwerpunktthema «Digitale Planung und BIM» berücksichtigt wird, vielmehr können alle digitalen Prozesse und Technologien im Bau­wesen strukturiert, erforscht und gelehrt werden. Wesentlich für eine erfolgreiche «digitale» Ausbildung sind damit die Vermittlung von interdisziplinären Fähigkeiten und multidisziplinärem Wissen sowie die Erlangung von Kompetenzen wie Digital Leadership statt Hierarchiedenken, Design Thinking (Engineering statt sturer Planung) und «Real Life»-Lernen.

Die HSLU engagiert sich in den digitalen Themen sowohl in der Aus- wie auch in der Weiterbildung. Zurzeit mangelt es insbesondere an der Bestellerkompetenz für digitale Projekte und Prozesse. Daher ver­anstaltet die HSLU ab dem 8. November 2017 den Weiterbildungskurs «Bestellerkompetenz in digitalen Bauprozessen». Vermittelt werden Kompetenzen in folgenden Themenfeldern: digitale Planung und BIM, digitales Bauen, digitale Produktion sowie digitales Facility Management und digitale Vermarktung.

Ein weiteres Engagement der HSLU ist der Verein «Building ­Excellence». Gemeinsam mit Industriepartnern werden in Arbeitsgruppen verschiedene konkrete Lösungen zu digitalen Problemstellungen im Bauwesen entwickelt. Zurzeit sind zwei Arbeitsgruppen aktiv. Die Arbeitsgruppe «Anforderungsbasiertes digitales Planen» entwickelt Tools für einfache digitale Planungsab­läufe zur Effizienzsteigerung in der ­Planung: z. B. die Entwicklung eines Tools für das automatische Platzieren von Stromanschlüssen im digitalen Gebäudemodell. Die Arbeitsgruppe «Building Information Modelling (BIM) und Internet of Things (IoT)» entwickelt Komponenten und Prozesse, damit neue digitale Potenziale im realen Bauwerk mehrwertgenerierend genutzt werden können.

Neuem und altem Wissen Platz einräumen

Diese neuen Fähigkeiten und Kompetenzen sind weder idealistisch noch unwahrscheinlich, denn viele Planer übernehmen bereits heute Aufgaben aus verschiedensten Fachbereichen und arbeiten in interdisziplinären Teams. Die Kombination und Inte­gration der verschiedenen Diszi­­plinen und von unterschiedlichen Fähigkeiten erfordert ein lebens­langes Lernen. Das ist wichtig, denn wer zukünftige Technologien und Prozesse produktiv und effizient einsetzen kann, wird Wettbewerbs­vorteile haben. Darüber hinaus dürfen aber auch die Kernkompetenzen des Architekten und der Ingenieurin nicht zu kurz kommen. Denn nur mit Empathie für die Anforderungen und Bedürfnisse des Kunden und mit fundiertem disziplinärem Wissen können neue Jobs gefunden, Arbeitsbeziehungen geknüpft und langfristig Projekte akquiriert werden.

Weiterbildungskurs «Bestellerkompetenzen in digitalen Bauprozessen»
Wann:
ab 8.11.2017
Wo: IFZ in Zug
Zielpublikum: Bauherren, Auftrag­geber, Planer und Unternehmer
Kosten: Preis für SIA-Mitglieder: 1000 Fr., Nichtmitglieder: 1200 Fr.
Information: www.hslu.ch

 

Weitere Infos

SIA-Form-Kurse rund ums Thema Digitalisierung

BIM-Management, BIMMgt02-17, Zürich, 2.–3.11.2017
BIM aus Bauherrensicht, BIMWeb09-17, Webinar, 6.11.2017
BIM-Bestellen für Bauherren | Praxis, BIMBfB01-17, Zürich, 8.11.2017
BIM-Tools anwenden: Einführung in BIM-gestützte Modellprüfungen und ­Plattformen, BIMEiB01-17, Zürich, 15.11.2017
BIM-Grundlagen und Anwendungen – von der Bestellung bis zur Imple­mentierung in Projekt und Büro, BIMGuA01-17, Zürich, 23.11.2017
Das Asset-Information-Modell: Planung für Betrieb, BIMWeb10-17, Webinar, 4.12.2017
BIM-Anwenderwissen zu Daten­speicherung, -nutzung und -strukturierung, BIMAzD01-17, Zürich, 5.12.2017
BIM und Lean: zwei sich ergänzende Methoden für die Bauindustrie, BIMLean01-17, Zürich, 13.12.2017

Das komplette Fort- und Weiter­bildungsprogramm finden Sie auf www.sia.ch/form

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