Die Blumen des Bösen

Kolumne

Judit Solt Fachjournalistin BR, Chefredaktorin TEC21

Der Frühling ist da – so schön! Überall spriesst und blüht es, die Obstbäume erstrahlen in Weiss und Rosa, die Wiesen in zarten Pastelltönen … Doch vielleicht spriesst und blüht es vergeblich.
Eine neue wissenschaftliche Studie belegt, dass die Anzahl fliegender Insekten in den letzten 30 Jahren um 75 % gesunken ist. Wenn das so weitergeht, gibt es bald keine In­sekten mehr, um die Blüten zu bestäuben; nur Pflanzen, die auch durch den Wind befruchtet werden können, werden noch Früchte tragen. Die verheerenden Folgen für unser Ökosystem – und für unsere Ernährung – kann man sich leicht ausmalen.
Das tun die Medien nun fleissig: Sie entwerfen Szenarien für die Zukunft (Handbestäubung!) und rätseln über die Ursachen. Woran, woran bloss gehen all die Insekten zugrunde? Nur eine Frage stellt fast niemand: Hat das Massensterben mit den 2000 Tonnen Pestiziden zu tun, die jährlich in der Schweizer Landwirtschaft eingesetzt werden? So weit hinaus auf die (blühenden) Äste wagt sich dann doch keiner …
Also braucht es kreative Lösungen. Wie wäre es zum Beispiel, wenn wir unsere Pflanzen in Lüftungsschächten und Liften ziehen würden, mit entsprechender Beleuchtung? Dort könnten sie durch Kakerlaken befruchtet werden. Die überleben angeblich auch Gifte und Atomkriege.
 

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