Der Projektierungssektor spürt (nochmals) den Frühling

Architekten und Ingenieure sind mit dem aktuellen Geschäftsgang ­zufrieden. Die Aussichten bleiben gut. Das zeigt die aktuelle ­KOF-Konjunkturumfrage vom April 2018.

David Fässler Fürsprecher M.B.A./SIA; Leiter SIA-Service

Die Projektierungsbüros können sich gemäss der Konjunkturforschungsstelle an der ETH (KOF) weiterhin über eine gute konjunkturelle Lage freuen. Rund 80 % der Büros erwarten in der nahen Zukunft keine Veränderung der Wirtschaftslage. Saisonbereinigt rechnen 11 % mit einer Verbesserung, 9 % mit einer Verschlechterung.

Leerstände von Miet­liegenschaften wachsen

Renditeimmobilien stehen weiterhin hoch in der Gunst der Anleger. Gemäss dem «Baublatt» sind die Baugesuche für mehrgeschossige Renditeliegenschaften im März 2018 erneut kräftig gestiegen. Gleichzeitig steigen die Leerstände unvermindert an. Im letzten Jahr standen in der Schweiz fast 65 000 Wohnungen leer. In der Boulevardpresse ist von «Geistersiedlungen» die Rede. Ganz so düster ist die Lage allerdings nicht: 2017 betrug die Leerstandsziffer laut Bundesamt für Statistik (BfS) 1,45 % – 2016: 1,3 %. Weisen z. B. Langenthal BE oder Oftringen AG hohe Wohnungsleerstände von je 4.4 % auf, sind dagegen frei verfüg­bare Wohnungen in Horw LU oder Risch ZG absolute Mangelware.

Run auf Renditeimmobilien: ein Alarmzeichen?

Im Immobilienmarkt steigen die Risiken. Donato Scognamiglio, Professor für Real Estate & Finance an der Universität Bern und CEO von IAZI AG, hält im Gespräch mit der «Handelszeitung» fest, dass die Preise für Renditeliegenschaften sehr hoch seien. Es sei eine Frage der Zeit, bis eine Preiskorrektur eintreten werde. Er schätzt, dass eine Zinserhöhung von einem Prozent zu einer Korrektur von bis zu 20 % führen könnte. Davon würden alle Anleger, namentlich Institutionelle und Pensionskassen, aber auch viele Private betroffen sein. Für Scognamiglio ist in den letzten zwanzig Jahren das Bewusstsein der Investoren, dass Immobilien auch Verluste einfahren können, verloren gegangen.

Die hohe Attraktivität von Immobilien spiegelt sich in der Auftragslage des Projektierungssektors (vgl. Grafik oben) wider: Architek­ten haben in den letzten zwei Dekaden nahezu eine Verdoppelung ihrer ­Auftragsvorräte erlebt. Bei einem Rückgang des Investitionsvolumens könnte dieser innert weniger Monate auf das Niveau der Jahrtausendwende schrumpfen.

Architekturbüros erwarten grössere Nachfrage

Im aktuellen Tiefzinsumfeld gibt es für Architekten und Ingenieuren weiterhin viel zu tun. Die Quartalsumfrage des KOF zeigt positive Einschätzungen für die unmittelbare Zukunft des Projektierungssektors. So plant eine Mehrheit der Unternehmen die Einstellung weiterer Fachkräfte. Dementsprechend beklagen die befragten Unternehmen wieder vermehrt einen Arbeitskräftemangel. Mehr als die Hälfte der Architekturbüros schätzen die Geschäftslage als gut ein, 44 % bewerten die Lage als be­friedigend. Nur 6 % sind unzu­frieden. Die Nachfrage ist im Steigen begriffen, das soll sich auch im nächsten halben Jahr nicht ändern.

Ingenieurbüros bleiben stabil

Wie in der letzten Quartals­umfra­ge bezeichnen mehr als die Hälfte der Ingenieurbü­ros ihre Geschäftslage als gut, 47 % als be­friedigend und lediglich 2 % als schlecht. Der Auftrags­bestand blieb nahezu konstant und deckt eine Reichweite von fast zehn Monaten ab – eine leichte Steigerung zum Vorquartal. Die Ingenieure haben in allen Bau­kategorien ein Sinken der Bau­summen festgestellt.

Wer an der Konjunkturumfrage der ETH-Konjunkturforschungsstelle (KOF) für den Projektierungssektor teilnehmen möchte, kann den Fragebogen online beantworten: http://survey.kof.ethz.ch

 

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