Der Mehrwert unter dem Dach: Wohnhaus Zürich-Altstetten

Die Stiftung zur Erhaltung von preisgünstigen Wohn- und Gewerbe­räumen (PWG) der Stadt Zürich hat eine Wohnhauszeile erneuert und um ein Geschoss erhöht. Der aufgestockte Wohnraum fi­nanziert die Gesamtsanierung mit.

Paul Knüsel Umwelt/Energie, Stv. Chefredaktor TEC21

Ein Umbau ohne grossen Lärm oder übermässigen Staub? Im Quartier Altstetten hat die Stiftung zur Erhaltung von preisgünstigen Wohn- und Gewerberäumen der Stadt Zürich (PWG) eine 70-jährige Wohnhauszeile mit einem Dachgeschoss aufgestockt. Für die Bewohner der darunter liegenden 21 Wohneinheiten war dies erträglich, weil sich die Bauzeit zum einen auf ein Dreivierteljahr beschränkte. Zum anderen konnte die ­Aufstockung mit vorgefertigten Holzbaumodulen äusserst effizient und ­reibungslos realisiert werden. Die Bauherrschaft bestand zudem auf löse­mittelfreien Produkten.

Die sechs neuen Dachwohnungen sind kompakt bemessen, in 2 ½ bis 4 ½ Zimmer eingeteilt und besitzen einen überhohen Wohnraum. Mit Loggien und Lukarnen wird ein Bezug nach aussen hergestellt. Die Aussenhülle der neuen Dachaufstockung besteht aus gut gedämmten Holzrahmenelementen. Sie sind von jeglichen haustechnischen Erschliessung befreit: Sämtliche Leitungen, Kanäle und Rohre für Elektrizität, Wasser und Lüftungsanlage sind in den massiven ehemaligen Estrichboden eingelegt respektive in der abgehängten Decke im Korridor versteckt.

Um die Energiebilanz der gesamten Wohnzeile zu verbessern, hat die Bauherrschaft ebenfalls Zusatzwünsche ­deponiert. Daher wurde die Energie­versorgung ökologisch erweitert: Die­ ­bestehende Gastherme dient nurmehr als Zusatz an bitterkalten Tagen. Die meiste Zeit liefern nun Sonnenkollek­toren und eine Abluftwärmepumpe die Grundenergie für Heizung und das Warmwassersystem.

Zudem ist die be­stehende, dreigeschossige Aussenhülle mit einer Dämmung versehen worden, was mit einem Minergie-Zertifikat ausgezeichnet wurde. Und auch die neue Balkonschicht ist speziell: Balken, Stützen und Geländer sind nicht wie üblich aus ­Fichtenholz, sondern aus einheimischer Buche gefertigt. Diese Holzart muss ­aufgrund eines Überangebots häufig exportiert werden respektive wird sonst für mindere Zwecke verwendet.

Die bestehenden 21 Wohnungen ­wurden belassen; den Hauptanteil an der Refinanzierung dieser Gebäudeerneuerung tragen die sechs neuen Dachwohnungen. Deren Mietpreise halten sich dennoch im preiswerten Rahmen: Monatlich kosten die Dachwohnungen ­zwischen 1300 (2 ½ Zimmer) und 2100 Franken (4 ½ Zimmer) netto. Die Stiftung hat die Wohnliegenschaft in Zürich Altstetten im Jahr 2010 erworben und nach einer Analyse unterschiedlicher Strategien fünf Jahre später saniert.

Am Bau Beteiligte
Bauherrschaft: Stiftung zur Erhaltung von preisgünstigen Wohn- und Gewerberäumen der Stadt Zürich PWG
Architektur: Kämpfen für Architektur, Zürich

Gebäude
Typ: Mehrfamilienhaus (21 Wohnungen) mit Baujahr 1948
Erneuerung: Aufstockung, Gebäudehülle,
Wechsel der Energieversorgung ­ (PV, Abluft-Wärmepumpe)
Energiekennzahl: 35 kWh/m2
(Minergie-Zertifikat, Version 2009) 
Bauzeit: 2015–2016

Der Artikel ist erschienen im Sonderheft «Immobilien und Energie», ein Projekt mit dem Immobilienberatungsunternehmen Wüest Partner und mit Unterstützung von Energie­Schweiz. 

Weitere Beiträge zum Thema haben wir in einem digitalen Dossier zusammengestellt.

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